Kochgeschichten von starken Frauen

Rund ein Jahrhundert umfasst die private Rezept-Sammlung von Monika Frei-Herrmann. In ihrem Kochbuch „Mein kulinarisches Erbe“ macht die Grafikerin und Fotografin die Rezepte ihrer Großmutter Pauline, ihrer Mutter Irmgard, ihrer Tanten Gotchen und Henny und ihrer Schwiegermutter Elsy nun für die Allgemeinheit zugänglich.

Wenn Monika Frei-Herrmann damit beginnt, von den starken Frauen ihrer Familie zu berichten, dann werden ihre Zuhörer immer ganz andächtig: Denn gut kochen zu können ist die eine Sache. Doch mit Hilfe des Essens eine Atmosphäre des Wohlbehagens und der sinnlichen Freude zu zaubern ist, eine Gabe, die viele Menschen in der schnelllebigen Gegenwart vermissen. Dabei ist es gar nicht so schwer, ein Klima des zufriedenen Genießens zu schaffen. Dafür braucht es nicht viel Geld, dafür etwas Zeit, Entschlossenheit und ein Bewusstsein für Qualität. Die starken Frauen aus Monika Frei-Herrmanns Familie geben Anregung, wie das möglich wird. QC52F07

Tante Gotchen
Immer gut drauf: Tante Gotchen sang gerne „Dein ist mein ganzes Herz“ von ihrem Lieblingssänger Rudolf Schock. Ihre helle Stimme klang bis in den Garten. Wenn sie sang, kochte sie und dann war sie glücklich. Kam sie bei „Ich bin die Christel von der Post“ an, erklang bald „Kinder essen!“ Monika und ihre Cousine rannten in die Küche, wo Oma Lisbeth schon den Tisch gedeckt hatte. Opa Heinrich freute sich, grüne Sauce und Kartoffeln konnte er auch mit den wenigen Zähnen, die ihm geblieben waren, gut essen. Zum Nachtisch Grießbrei mit frischen Himbeeren, die die Kinder im Garten gesammelt hatten. Tante Gotchens Essen war himmlisch. Die ältere Schwester von Mutter Irmgard hat sehr früh die Arbeit in Küche und Haushalt ihrer Mutter übernommen. Diese dankte es ihr mit größtem Lob und Anerkennung, heilfroh, die ungeliebte Küchenarbeit los zu sein. Ihr berühmter Kartoffelsalat wäre vielleicht nie erfunden worden, wäre nicht überraschend die ganze große Familie zu Besuch gekommen.

Kartoffelsalat: Tante Gotchens Kartoffelsalat ist auch heute immer noch der Renner. Das Geheimnis: Entwässerte Gurken und kochendes Wasser.

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Großmutter Pauline
Als Pauline 1906 ihren Wilhelm heiratete, hatte sie eine fundierte Ausbildung als Geschäftsfrau, Bäckerin und Konditorin, dazu war sie geübt in Kinderpflege und Haushaltsführung. Das Paar bekam drei Söhne und eine Tochter. Pauline hatte die Gewohnheit, alles aufzuschreiben. Sie hinterließ viele Fotos, alle ordentlich beschriftet mit Namen, Ort und Datum. Darüber hinaus ein handgeschriebenes Kochbuch von rund 280 Seiten, das weit über eine Rezeptsammlung hinausgeht. Schönheitstipps, gesunde Ernährung, wie wichtig Schlaf ist, Putz- und Reinigungstipps, Rezepte zum Haltbarmachen von Lebensmitteln, Einkochen, erste Hilfe, häusliche Krankenpflege – es ist alles da. Themen, die heute ganze Bücherregale füllen, Stoff für endlose Fernsehsendungen – Pauline hatte alles bereits in den ersten 50 Jahren des letzten Jahrhunderts gesammelt. Als festlichen Auftakt zu jedem Familienessen servierte sie Markklößchen-Suppe. Diese Tradition übernahmen auch ihre Schwiegertochter sowie Enkelin Monika.

Markklößchen-Suppe: Kulinarisches Erbe von Pauline.

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Schwiegermutter Elsy
Elsy liebte ihre Familie und sie liebte es, Gäste zu haben und sie zu verwöhnen. Sie hörte lieber zu als selber zu reden. Und sie merkte sich die Vorlieben ihrer Lieben. Ein gelungenes Essen machte sie glücklich. Sie plante und kalkulierte gut, kaufte frisch und günstig ein bei benachbarten Bauern, zog im Garten Salat und Gemüse. Auch wenn an ihrem Tisch oft zehn Personen saßen, geriet sie nie in Stress oder Hektik. Das Kochen war ihre Lust. Sie bereitete alles perfekt vor, verteilte die niederen Arbeiten, wie Tischdecken, Stühle rücken, Brot schneiden, Getränke servieren an die Familienmitglieder und zauberte ihre Gerichte punktgenau aus dem Backofen oder von der Herdplatte an den Tisch. Ihre Schweizer Rösti überzeugten durch krosse Kruste bei weichem Innenleben.

Zürcher Geschnetzeltes: Elsy beherrschte es meisterhaft.

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Mutter Irmgard
Wenn eine Arbeit erledigt werden muss, wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann mach sie perfekt, rationell, schnell, effektiv. Dann gibt Dir wenigstens Deine Arbeitsweise Befriedigung und ein Hochgefühl. Diese Lebensweise von Irmgard war der Trend der Zeit, der 1950er und 1960er Jahre. Rationelles Arbeiten war angesagt, wurde erforscht und analysiert. Die Miniküche wurde entwickelt, jeder Handgriff ausgetestet, die kürzesten Wege ermittelt, Bewegungsabläufe studiert und optimiert. Irmgard war eine „nachhaltige“ Hausfrau, die ihrer Zeit weit voraus war. Sie wusste, dass beste Qualität die Basis einer guten Küche ist. Schon früh hat sie Monika beim Einkaufen auf dem Markt gezeigt, worauf zu achten sei, wann gute Qualität ihren Preis wert ist. Als berufstätige, geschiedene Frau hatte sie wenig Zeit für den Haushalt, aber hohe Ansprüche an eine gesunde Ernährung und das bei sehr wenig Geld. Das setzte gute Planung, vorteilhaftes Einkaufen und viel Selbermachen voraus. Als Krönung eines Sonntags oder eines Festes servierte Irmgard ihre hochgelobte Käsetorte.

Käsetorte: Der Höhepunkt bei Irmgards Kaffeetafeln.

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Tante Henny
„Heute koche ich was Leichtes“, sagte Tante Henny gerne und auch oft. Dann gab es etwas mit Eiern. Was sie mit „leicht“ meinte, ist nie ganz klar geworden. Tante Henny hatte Hühner, aber keinen Hahn. „Wegen der Nachbarn“. Im Frühjahr, bevor der Gemüsegarten angelegt wurde, wanderten die Hühner in einem mobilen Zaun über die noch leeren Beete. So würden alle Larven, Käfer und Schnecken gefressen, bevor sie schlüpfen, erklärte sie. Nachts schliefen die Hühner im gut verschlossenen Stall. Sehr früh am Morgen öffnete Tante Henny, noch im Nachthemd, die Hühnertüre mithilfe einer Kurbel. Diese war mit einem langen Draht verbunden und reichte vom Haus quer durch den Garten bis zum Hühnerstall in der hintersten Gartenecke. Bei ihrer grünen Sauce, die es im Mai traditionell gab, schwor sie auf traditionell sieben Kräuter: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch.

Grüne Sauce: Dafür pflückte Henny Kräuter in ihrem Garten.

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Buch-Tipp
Monika Frei-Herrmann
Mein kulinarisches Erbe
Traditionelle Rezepte – Schritt für Schritt fotografiert

In mehr als 800 Fotos beschreibt die Quell-Fotografin 100 Rezepte, die sie im Familien- und Freundeskreis gesammelt hat. Von Alltagsgerichten, Suppen, Salaten, Gemüse, Eier- und Mehlspeisen, Geflügel, Fleisch oder Fisch bis zu Süßem und Kuchen ist alles dabei.
Quell Edition 2018
ISBN 978-3-9819936-0-8
176 Seiten, 19,90 Euro

Bestellen: T 02236 – 949 11 30 oder direkt in unserem quell-shop.de QC49E02

Die Autorin
Monika Frei-Herrmann
Kochen und Genießen gehört zu den großen Leidenschaften der Quell-Gestalterin und Fotografin. In einem handgeschriebenen Kochbuch sammelte sie Rezepte aus ihrem Familien- und Freundeskreis. Diese Rezepte hat sie nun nachgekocht und Schritt für Schritt mit dem iPhone fotografiert. Es sind 100 geworden, von traditionellen Rezepten bis hin zu aktuellen Trends.
Untermalt vom Musiker Stefan Kuntz präsentiert Monika Frei-Herrmann „Kochgeschichten von starken Frauen aus einem Jahrhundert“ in Buchhandlungen.