Philosophie für Zwischendurch: Das Prinzip Hoffnung

„Das Prinzip Hoffnung“ ist das Hauptwerk des deutschen Philosophen Ernst Bloch. Es wurde zwischen 1938 und 1947 im Exil in den USA geschrieben und in Deutschland erstmals 1959 veröffentlicht. Seither ist der Begriff „Prinzip Hoffnung“ oder jetzt bleibt nur noch „das Prinzip Hoffnung“ zu einem geflügelten Wort geworden.

Doch worum geht es in dem Buch?

Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns? Fasst man diese Fragen, mit denen das Vorwort beginnt, zu einer einzigen Frage zusammen, so ist dies die Frage nach dem Sinn des Lebens. Viele Menschen sind verwirrt und wissen keine Antwort auf diese Fragen. Sie leben im Zustand der Angst. Wird diese Angst konkreter, so wird daraus Furcht.  Berücksichtigt man Zeit und Umstände, in denen das Buch geschrieben wurde, so war die Furcht weltweit groß und die Hoffnung gering. Es mutet utopisch an, von Hoffnung zu sprechen. Gegen diese konkrete Furcht setzt Bloch das Hoffen, das erlernbar und lehrbar ist. Es kommt darauf an, dieses Hoffen zu lernen. Das Hoffen besteht aber nicht darin, sich Tagträumen hinzugeben, vor denen niemand gefeit ist. Denn die Tagträume sind Ausdruck des „Noch-Nicht-Bewussten“.  Diese Tagträume sind entweder Flucht vor dem Alltag mit all seinen Problemen oder sie sind ein Auflehnen gegen diese Probleme.  Letzteres bezeichnet Bloch als den Kern des Hoffens, es ist eine Arbeit gegen die Lebensangst.  Diese Art der Tagträume bereichern sich um den nüchternen Blick, machen diesen hell. Aus dem betrachtenden Verstand, der die Dinge nimmt, wie sie sind, ohne den Versuch, sie zu ändern, wird ein beteiligter Verstand, der sie nimmt, wie sie gehen, der aber weiß, dass sie auch besser gehen könnten und hofft, dass ihm dieses gelingen möge. In Anlehnung an Aristoteles unterscheidet Bloch zwischen dem Nach-Möglichkeit Seienden und dem In-Möglichkeit Seienden. Mit dieser Unterscheidet gibt er eine Gesellschaftsanalyse, die er in seiner Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus für notwendig erachtete: Der Kältestrom der marxistischen Zustandsanalyse der ökonomischen und politischen Macht und Ressourcenverteilung ermittele das Nach-Möglichkeit-Seiende, während der Wärmestrom die Erwartungen der Menschen ernst nimmt und damit auf die Hoffnungsseite der objektiv-realen Möglichkeit, dem In-Möglichkeit-Seiendem abzielt.

Das Prinzip Hoffnung gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern für die Gesellschaft und die Politik. Bloch selbst bezeichnet es als konkrete Sozialutopie und zeichnet Grundrisse für eine bessere Welt. Denn das Hoffen ist nicht in das Scheitern, sondern das Gelingen verliebt. Von Helga Ranis.

 

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