John Stuart Mill: Das Prinzip des größten Glücks

Wenn man eine Befragung machen würde, was die einzelnen unter dem Begriff „ Glück“ verstehen, so gäbe es sehr unterschiedliche Antworten, wie z.B. Gesundheit, einen sicheren Arbeitsplatz, eine bevorstehende Reise und vieles mehr. Diese unterschiedlichen Antworten haben eines gemeinsam, sie sind alle positiv. D.h. Glück ist etwas Positives, d.h. im Umkehrschluss, dass das Fehlen dieses Positiven das Negative, das Unglück sein muss. In seiner philosophischen Lehre, dem Utilitarismus, setzt sich John Stuart Mill  (1806-1873) mit dem Prinzip des größten Glücks auseinander. In Anlehnung an Epikur versteht er unter Glück all das, was dem Menschen zur Freude gereicht und unter Unglück all das, was ihm Schmerzen und Sorgen bereitet. Im Deutschen verwendet man die Begriffe Lust und Unlust, im Englischen treffender ausgedrückt happiness and pain. Beim Prinzip des größten Glücks geht es darum, möglichst vielen Menschen ein hohes Maß an happiness zu ermöglichen und nicht das Wohlergehen weniger auf Kosten der Mehrheit. Es geht um eine Lebensführung, die es ermöglicht, ein Leben frei von Unlust für die gesamte Menschheit zu erreichen. In diesen Idealzustand soll auch die gesamte fühlende Natur miteinbezogen werden. Um diesen Zustand zu erreichen, bedarf es nach Mill der Moral. Unsere Handlungen sind soweit moralisch richtig und vertretbar, wenn sie zum Glück verhelfen und moralisch falsch, wenn sie das nicht tun. Hierunter gehört aber auch das soziale Empfinden, dass nicht jeder ohne Rücksichtnahme nur nach dem eigenen Glück strebt, weil das für die anderen Unglück bedeuten könnte. Zur umfassenden Glückserfahrung gehört, dass man das eigene Glück mit dem allgemeinen Glück, einschließlich der Natur zu verbinden sucht. Es gehören Solidarität, Altruismus und Abwägen dazu. Aufgabe des Staates, der Politik ist es, allgemeine Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem einzelnen das jeweils größtmögliche Glück erlauben, so dass ein allgemeines Glück entsteht. Das allgemeine Glück ist wünschenswert, da jeder sein eigenes Glück anstrebt insoweit es für ihn erreichbar ist. Glück ist ein Gut. Das Glück jedes einzelnen ist für diesen ein Gut und das dadurch entstehende allgemeine Glück ist ein Gut für die Gesamtheit der Menschen, das allen Menschen ein würdevolles Leben ermöglicht. Mill´s Ethik, die von anderen Philosophen weiterentwickelt wurde, ist heute noch relevant in Fragen der Bestimmung von   Lebensqualität, und bei Kosten-Nutzen-Abwägungen in der Medizin. Auch für Fragen der Ökologie bildet sie eine gute theoretische Basis, da die „ gesamte fühlende Natur“ als moralisch relevant berücksichtigt wird, die zu schützen ist. Auch in ökonomischer Hinsicht wäre es von Vorteil, wenn man dieses Prinzip bei der Verteilung von Geld und Ressourcen zum Maßstab nehmen und somit für mehr Gerechtigkeit sorgen würde. Letztendlich ist das Prinzip des größten Glücks nicht nur einen Frage der Moral sondern auch der Vernunft. Je gerechter und gleichmäßiger das Glück verteilt ist, je mehr Gerechtigkeit herrscht, umso weniger besteht Anlass zu Verteilungskämpfen.

Von Helga Ranis