Philosophie für Zwischendurch: „Die größte Tugend ist es, dem Weg zu folgen und nur diesem Weg.“

Diese Weisheit stammt aus dem Tao-Te-King, dem Buch vom rechten Sinn und Weg des chinesischen Philosophen Lao Tse (ca 600 v. Chr.) , dessen Name „Alter Meister“ bedeutet. Das Tao-de-King steht in dem Ruf, das, nach der Bibel am weitesten verbreitete und meistübersetzte Buch zu sein. Zentraler Begriff dieser Schrift ist der Weg ((chinesisch Tao oder Dao). Das Tao hat die Bedeutung eines der ganzen Welt zugrundeliegenden, alldurchdringenden Prinzips. Es ist die höchste Wirklichkeit und das höchste Mysterium, die uranfängliche Einheit, das kosmische Gesetz und das Absolute, es ist das griechische hen kai pan und der lateinische logos. Durch das Wirken des Tao wird die Schöpfung in der Zweiheit der sich gegenseitig ergänzenden Prinzipien Yin und Yang hervorgebracht, aus deren Wandlungen, Bewegungen und Wechselspielen die Welt hervorgegangen ist, die jeder Mensch in sich vereint und die sich gegenseitig bedingen und ergänzen. Der Begriff des Tao ist einer der wichtigsten in der chinesischen Philosophie. Beginnend mit der ursprünglichen Bedeutung „Weg“ oder „Pfad“ dient er aber schon von alters her als Metapher für die Wege des Menschen. Das Tao steht für den rechten Weg, für Moralität, Führung und Wahrheit. Von daher ist es auch zu verstehen, dass es die größte Tugend sei, dem Weg zu folgen und nur diesem Weg, wie es im 21. Abschnitt des 1. Kapitels heißt. Das Tao ist einerseits das allgemeinste und grundlegendste Ordnungsprinzip für tugendhaftes menschliches Verhalten. Es ist aber auch etwas, zu dem der Mensch durch Kontemplation und Meditation in sein inneres Selbst gelangen, zu sich selbst finden kann. Dadurch erlangt man eine intuitive Weisheit, die es einem ermöglicht, im Einklang mit dem Tao zu leben und den rechten Weg zu erkennen. Durch die Übereinstimmung mit dem Tao zeugt das Handeln von einer gewissen Gelassenheit aber auch von großer Wirksamkeit. Es ist weises Handeln, das als Vorbild dienen kann. Es ist ein Handeln, das nicht durch eigene Wünsche und Begierden verblendet wird, sondern ein gelassenes „Geschehenlassen“, das selbstverständlich aber nicht mit einem faulen „Nichtstun“ gleichzusetzen ist. Mit seinem Anliegen reiht sich das   Tao-Te-King somit in den Reigen philosophischer Weisheitsschriften ein, die sowohl dem Einzelnen als auch der Allgemeinheit zugutekommen können.  Das Tao-Te-King liefert diejenige Weltanschauung, die das Ideal des Taoismus ist. Hierunter gehören Gleichmut, Rückzug von weltlichen Angelegenheiten und Relativierung von Wertvorstellungen. Nur dem Weg zu folgen und nur diesem Weg, d.h. in Übereinstimmung mit dem Tao zu leben, führt zu dauerhaftem Glück. Von Helga Ranis.

Mehr von Helga Ranis:

Über die Ausgeglichenheit der Seele

Alles fließt

Ich denke, also bin ich

Über das Geld

Existentialismus

Die Kraft der Hoffnung

Philosophische Gedanken über das Alter: “De senectute” von Marcus Tullius Cicero

John Stuart Mill: Vom Prinzip des größten Glücks

Selbstreflexion von Blaise Pascal: Was ist ein Mensch in der Unendlichkeit?

Tipps von Epiktet: Wie wir innerlich frei werden können

Wie wollen wir leben: Gedanken über ein gelingendes Leben

Philosophie der Herausforderung: Über das Sein