Sonne tut gut

Richtig “verabreicht” ist die Sonne ein echtes Wundermittel. Schon wenige Minuten Sonne tanken sind effektiver als Vitamin-Tabletten.

Die Sonne ist ein Lebenselixier. Sie hilft uns in vielerlei Hinsicht, gerade in schwierigen Zeiten, denn Sonnenlicht setzt im Körper eine ganze Reihe gesundheitsfördernder Effekte in Gang: Es fördert die Durchblutung und den Muskelaufbau und macht körperlich fit. Nach dem Sonnenbaden sinkt hoher Blutdruck, bei Diabetikern geht der Blutzucker zurück, Stress-Situationen können besser bewältigt werden. Sonnenbaden bringt den Körper dazu, verstärkt das Glückshormon Serotonin auszuschütten; auch die Produktion des Anti-Aging-Hormons Melatonin und des Sexualhormons Testosteron wird durch Sonnenlicht angekurbelt. Wenn die Haut UVB-Strahlung ausgesetzt wird, bildet sie das für die Gesundheit notwendige Vitamin D. Dieses ist im Körper an einer Vielzahl biologischer Abläufe beteiligt. Inzwischen weiß die Wissenschaft, dass Vitamin D nicht nur für den Knochen- und Kalziumstoffwechsel wichtig ist, sondern auch für die Regulation des Immunsystems und das Zellwachstum.

Heilmittel Sonne  

Das Sonnenlicht ist für die Vitamin D-Versorgung des Körpers von zentraler Bedeutung: 80 bis 90 Prozent davon produziert der Körper unter Sonneneinstrahlung selbst. Nur 10 bis 20 Prozent holt er sich über die  Nahrung. Vor allem in fettem Fisch, Milch und Milchprodukten, Eiern und Pilzen ist Vitamin D in größeren Dosen enthalten.  Mit Hilfe des UVB-reichen Lichts kann der Körper den überwiegenden Teil seines Bedarfs an Vitamin D selbst herstellen, es in seinen Fettzellen speichern und in der dunklen Jahreszeit abrufen. – Wenn er es denn im Sommer in ausreichender Menge gebildet hat. In Deutschland genügt im Sommer eine kurze und begrenzte Sonnenlichtexposition, um eine ausreichende Vitamin D-Synthese zu erzielen. Sonnenbaden, das eine gerade sichtbare Hautrötung hervorruft, entspricht nach Experten-Schätzungen in etwa der Einnahme von 250 bis 635 Mikrogramm Vitamin D (10.000 bis 25.000 IE). Das ist mehr als 12-mal so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für die Zufuhr über Vitamin D-Tabletten für ältere Menschen empfiehlt (20 Mikrogramm oder 800 IE). Sonnenbaden ist also höchst effektiv und lässt sich in seiner Wirksamkeit über das Schlucken von Vitamin D-Tabletten nur schwer ausgleichen und es ist effektiver als Vitamin-Tabletten. Durch bewusstes Sonnen könnte die Gesundheitssystemen weltweit sogar eine Menge Geld sparen. Allein in den USA werden die Kosten für Krankheiten, die mit Vitamin D-Mangel zusammenhängen, jährlich auf rund 50 Milliarden Dollar geschätzt. Auch in Deutschland ließen sich durch die sonneninduzierte Vitamin D-Produktion viel Geld einsparen. Beispiel Knochenbrüche: Die Verletzungskosten aufgrund von Stürzen belaufen sich jährlich schätzungsweise auf Summen zwischen 2,1 und 3,8 Milliarden Euro. Ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Kosten ließe sich vermutlich über eine ausreichende Vitamin D-Versorgung einsparen.

Besser oft und maßvoll, als selten und lange

In seinem Buch „Sonnenlicht – das größte Gesundheitsgeheimnis“ rät der Autor Thomas Klein: Möglichst große Hautflächen der Sonne aussetzen. Regelmäßiges Sonnenbaden, besser oft und maßvoll, als selten und lange. Im Frühjahr und Herbst jeden Sonnenstrahl nutzen. Selbst kurze Sonnenbäder sind von Nutzen. Die Haut sollte dabei nackt und ohne Sonnencreme der Strahlung ausgesetzt werden. Denn  Sonnencreme bremst die Vitamin D-Produktion. So können Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 15 die Bildung von Vitamin D um bis zu 99,5 Prozent reduzieren. Die Apotheker Burkhard Sieper und Michael Eisenmann empfehlen in ihrem Ratgeber „Fit in die Kiste“ möglichst keinen Sonnenschutz zu verwenden, sondern einen körpereigenen Sonnenschutz aufzubauen. Denn die Haut selbst schützt sich vor intensiver Sonnenstrahlung durch die Einlagerung von Melanin in die oberen Hautschichten und durch Verdickung der Hornhaut. Hellhäutige Europäer können durch regelmäßiges und richtig dosiertes Sonnenbaden nach  drei bis vier Wochen einen hauteigenen Lichtschutzfaktor von 40 erreichen. Die Länge des zu empfehlenden Sonnenbads ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt ab vom Ort, von der Tages- und Jahreszeit. Ein junger Mensch kann wesentlich mehr und schneller Vitamin D über die Haut bilden als ein älterer. Eine blasse Haut bildet in der Sonne Vitamin D sechsmal schneller als eine dunkle Haut. Mittags ist das Sonne-Tanken im Hinblick auf die UVB-Produktion effektiver als in den Morgen- und Abendstunden. Nach maximal 30 Minuten hat die Haut aber genug UVB-Strahlen für die Vitamin D-Produktion aufgenommen. Der Körper stoppt dann Umwandlung und Einlagerung. Es lohnt also nicht, das Risiko eines Sonnenbrandes und damit erhöhtes Hautkrebsrisiko einzugehen.

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