Wasser für Haushalt, Garten oder Landwirtschaft wird immer knapper. Denn Menschen beeinträchtigen den Wasserkreislauf auf allen Ebenen. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Weltwasserkonferenz in New York. Doch jeder Verbraucher kann zur Wertschätzung und zum Schutz von Wasser beitragen. Es gilt, die Ressource Wasser achtsam zu nutzen.

Die Dürrefotos in der Bildergalerie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung sind schockierend: Sie zeigen beispielsweise den komplett ausgetrockneter Rißbach in Oberbayern/Tirol oder die Forstschäden durch Dürre und Käferbefall im Elberndorftal bei Erndtebrück, Kreis Siegen-Wittgenstein. Ausgetrocknete Felder, Flussbetten oder Wälder: In vielen Orten Deutschlands machen sich die Hitzerekorde bemerkbar. Seit dem Jahr 2018 sind großflächige Dürren Thema in Deutschland.

Wir sollten uns darauf einstellen, dass Wasser knapp wird

Dass uns Wasserknappheit auch künftig beschäftigen wird, davon ist der Hydrologe Dietrich Borchardt überzeugt. Er leitet am Helmholtz-Zentrum das Ressort für Wassersysteme. Nach seiner Einschätzung seien die Niederschläge Anfang 2023 ein Tropfen auf dem heißen Stein. Deshalb lasse sich die Dürreperiode, die sich in den letzten fünf Jahren aufgebaut hat, damit noch lange nicht beenden. Die Niederschläge in Winter und Frühjahr reichten auch nicht aus, um das vielerorts gesunkene Grundwasser wieder ansteigen zu lassen, sagt Borchardt: „Es braucht sehr lange, bis ein Regentropfen, der mal in den Boden gelangt ist, auch im Grundwasser ankommt. Wir reden da über Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte.“

Nationale Wasserstrategie

Damit es in Deutschland auch in 30 Jahren und darüber hinaus überall und jederzeit hochwertiges und bezahlbares Trinkwasser geben kann, hat die Bundesregierung nun die Nationale Wasserstrategie verabschiedet (siehe unten). Sie verfolgt das Ziel, die deutsche Wasserwirtschaft zukunftsfest zu machen, die Wasserversorgung angesichts der Herausforderungen durch die Klimakrise dauerhaft zu gewährleisten und den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung unserer nationalen Wasserressourcen sowie der Gewässer zu verbessern.

Die Nationale Wasserstrategie wurde im Rahmen der Weltwasserkonferenz in New York im März 2023 von Bundesumweltministerin Steffi Lemke vorgestellt und sie begründet dieses Engagement folgendermaßen: „Klimakrise, Artenaussterben und Verschmutzungskrise sind die drei ökologischen Krisen unserer Zeit. Sie bedrohen unsere natürlichen Lebensgrundlagen, insbesondere die Ressource Wasser. Ein nachhaltiges Wassermanagement ist gleichzeitig ein zentraler Schlüssel zur Lösung dieser globalen Krisen, indem Ökosysteme besser geschützt und wiederhergestellt werden. Schnelleres Handeln ist dringend erforderlich.“ Die Nationale Wasserstrategie sorgt nun systematisch für einen bewussten Umgang mit der Ressource Wasser.

Trinkwasserversorgung

Etwa zwei Drittel des deutschen Trinkwassers stammt aus Grund- und Quellwasser. Auch wenn es dabei in Deutschland bislang noch kaum mengenmäßige Probleme gibt, so zeichnet sich doch ein Qualitätsproblem ab. Nach Zahlen des Helmholtz-Zentrums ist knapp ein Drittel der deutschen Grundwasserkörpers aktuell in einem schlechten chemischen Zustand. Das liegt vor allem an den zahlreichen Überschreitungen der Grenzwerte für Nitrat und Pflanzenschutzmittel. Weitere Belastungen ergeben sich aus den Rückständen von Arzneimitteln, organischen Verbindungen, künstlichen Süßstoffen und Abbauprodukten von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen.

Das Schwarzbuch Wasser, das die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser veröffentlichte, zieht das Fazit: Die Bedrohung des Wassers – unser Lebensmittel Nummer Eins – durch Schadstoffe ist in den vergangenen Jahren nicht kleiner, sondern in vielen Bereichen durch neue Messmethoden nur deutlicher sichtbar geworden.

Eine Frage der Grenzwerte

Nach offiziellen Verlautbarungen aber brauchen sich die Deutschen um ihr Trinkwasser keine Sorgen zu machen. So bescheinigte das Umweltbundesamt (Uba) im April 2021 den Wasserwerken hervorragende Arbeit: Das Trinkwasser größerer Wasserversorger sei zu mehr als 99 Prozent von „guter bis sehr guter Qualität“, so der Trinkwasserbericht des Umweltbundesamtes. Er basiert auf Tausenden von Analysen, die die Wasserversorger selbst in den Jahren von 2017 bis 2019 erhoben. Demnach wurden Grenzwerte nur selten überschritten. Von 349 überprüften chemischen Stoffen wie Pestiziden und Arzneimitteln waren lediglich vier Pestizide negativ aufgefallen, darunter Glyphosat. Bei diesen Stoffen lagen nur ein Prozent der Proben über dem Limit. 

Was aber kaum jemand weiß: Um den Trinkwasserversorgern das Einhalten der Grenzwerte möglich zu machen, wurden die Normen in den vergangenen Jahrzehnten sukzessive entschärft. Beispiel elektrische Leitfähigkeit, mit der die Anteile von Schwebeteilen im Wasser gemessen werden (Mineralstoffe oder Schmutz). Dieser Wert spielt für die Gesundheit der Verbraucher eine wichtige Rolle
und er wurde im Laufe der Zeit ständig erhöht: von 130 Mikrosiemens im Jahr 1963 auf heute 2.890.

Wasser wertschätzen

„Wertschätzung ist ein zentraler Begriff, der sich jetzt auch bei uns etabliert“, sagt der Wasserexperte Siegfried Gendries im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk anlässlich des Weltwassertages 2023. Viele Verbraucher vermögen sehr wohl zwischen qualitativ gutem und qualitativ schlechtem Wasser zu unterscheiden, unabhängig von den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung. 

Um unterschiedliche Wasserqualitäten wahrzunehmen, genügt es schon, ein Glas Wasser ganz bewusst – so wie bei einer Weinprobe – zu trinken. Leitungswasser aus der Frankfurter Innenstadt wird dabei wohl kaum als wohlschmeckend empfunden. 

Artesisches Wasser – ein Geschenk der Natur

Ganz anders verhält es sich bei Wasser aus geschützten Tiefenquellen, wie etwa bei den Wässern von St. Leonhards. Denn das Unternehmen mit Quellen in St. Leonhardspfunzen und Ruhpolding hat sich darauf spezialisiert, ausschließlich artesisches Wasser abzufüllen. Dieses Wasser besticht durch besondere Qualitätseigenschaften: Das Wasser ist vollkommen rein, natürlich und ursprünglich. Auf seinem Weg vom Himmel, von dem es als Regen
herabkam, durch die Erdschichten, für die das Wasser oft Tausende von Jahren benötigt, wird es von Schadstoffen befreit, verwirbelt und mit den Informationen der Erdschichten angereichert. Weil es aus geschützten Wasservorkommen in großer Tiefe kommt, ist es von den Auswirkungen der Zivilisation wie Düngemittel- oder Medikamentenrückstände noch unberührt. Und jedes Wasser hat seinen eigenen Charakter, dieser entsteht während seiner langen Reise durch Erd- und Gesteinsschichten. Diese Wässer dürfen zu Recht als „Lebendiges Wasser“ ausgelobt werden.

Sorge, dass die Entnahme des Wassers den Vorräten der Natur schadet, brauchen die Verbraucher dabei nicht zu haben. Denn das artesische Wasser steigt aus eigener Kraft aus dem Boden und es sprudelt auch nur so viel, wie die Erde von sich aus hergeben mag. Mit artesischen Wässern kann jeder Verbraucher sicher sein, keinen Raubbau an der Natur zu betreiben.
QC68W01

Die Nationale Wasserstrategie

Die Nationale Wasserstrategie bündelt erstmals wasserbezogene Maßnahmen in allen wichtigen Sektoren: Landwirtschaft und Naturschutz, Verwaltung und Verkehr, Stadtentwicklung und Industrie. Erstmals sind alle Akteure mit an Bord: Bund, Länder und Kommunen, die Wasserwirtschaft und alle wassernutzenden Wirtschaftsbereiche und Gruppen. Gemeinsam werden sie bei der Umsetzung der Strategie daran arbeiten, einen naturnahen Wasserhaushalt wiederherzustellen und die Wasserwirtschaft klimaresilient zu machen. Rund 80 Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2030 ergriffen werden, um für einen nachhaltigen Umgang mit unserem Wasser zu sorgen. Zur Erreichung ihrer Ziele setzt die Nationale Wasserstrategie auf einen Mix aus Förderung, rechtlichen Regelungen, Wissensaufbau und Dialog. www.bmuv.de

Wasser schützen – das kann jeder tun

Keine Arzneimittel, Lacke oder Farben in die Toilette

Vom Antibiotikum bis zum Röntgenkontrastmittel, vom Empfängnisverhütungsmittel bis zum Antiepileptikum wurden mittlerweile eine ganze Reihe pharmazeutischer Wirkstoffe im Trinkwasser gefunden. Die Zahlen sind erschreckend: Rund 30.000 Tonnen Arzneimittel werden in Deutschland jährlich verabreicht und das meiste davon gelangt in den Wasserkreislauf. Denn von den eingenommenen Medikamenten werden mehr als 85 Prozent vom Körper wieder ausgeschieden und über die Toiletten in die Kanalisation gespült. Auch von dem Drittel verschriebener Medikamente, die die Patienten erst gar nicht einnehmen, wandert ein Großteil ins Klo und stellt für die Kläranlagen eine kaum zu bewältigende Herausforderung dar. Das gilt auch für Farben und Lacke, die in der Toilette entsorgt werden. Es ist ein Bumerang, der früher oder später auf die Verbraucher zurückschlägt. Denn Wasser aus Kläranlagen oder Mülldeponien sickert ins Grundwasser, aus dem die Wasserwerke später wieder Wasser gewinnen.

Wasser sparsam einsetzen

Das meiste Wasser wird in privaten Haushalten für die Körperpflege verbraucht. Wer unter die Dusche statt in die Badewanne steigt, kann schon viel einsparen: Für ein Vollbad beispielsweise verbraucht man rund 140 Liter Wasser, für eine Dusche hingegen nur etwa 15 Liter pro Minute. Auch der von vielen so belächelte Waschlappen-Tipp des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann spart Wasser und schont zudem das Mikrobiom der Haut. An vielen Stellschrauben kann drehen, wer im Haushalt Wasser einsparen möchte. Ein kleiner Trick, der viel bewirkt, ist beispielsweise das Abstellen des Wasserhahns beim Händewaschen während des Einseifens. Bis zu 70 Prozent des sonst benötigten Wassers lässt sich so einsparen. Ähnlich sind die Relationen für denjenigen, der beim Zähneputzen einen Becher verwendet, statt das Wasser laufen zu lassen. Und wer’s technisch mag, der kann Durchflussbegrenzer (auch Luftsprudler oder Perlator genannt) in die Wasserhähne installieren. Das lässt sich leicht selber machen. 

Regenwasser nutzen

Die einfachste Variante, Regenwasser zu nutzen, sind Tonnen, die auf dem Balkon oder im Garten aufgestellt werden und mit denen sich die Pflanzen in der Umgebung wässern lassen. Aufwändiger ist der Einbau privater Regenwasserzisternen. Neben der Bewässerung des Gartens kann das Regenwasser beispielsweise auch für die Toilettenspülung genutzt werden. Ein 4-Personen-Haushalt kann durch eine Regenwasserzisterne bis zu 80.000 Liter Trinkwasser pro Jahr sparen. Wieviel Potenzial in der Nutzung von Regenwasser steckt, zeigt sich an aktuellen Forschungsprojekten zur Verdunstungskühlung in Städten durch Fassaden- und Dachbegrünungen. Eine Weiterentwicklung sind wassergesättigte Vegetationsbeete, auch Urban Wetlands genannt, die in der Nähe versiegelter Flächen, Straßen oder am Rand von Kanälen Sinn machen. Werden diese Wasserflächen aus in Zisternen gespeichertem Regenwasser gespeist, dann können diese bewachsenen Wasserflächen bei starkem Regen Überschwemmungen verhindern und in trockenen Perioden die Luft im städtischen Raum kühlen.

Mikroplastik vermeiden

Mikroplastik ist mittlerweile überall. Forscher vermuten, dass sich bereits 100 bis 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren angesammelt haben und jährlich kommen etwa neun Millionen Tonnen dazu. Von diesem Plastikmüll sinken rund 70 Prozent auf den Meeresboden; was an der Oberfläche schwimmt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch wenn der Großteil des Plastikmülls aus Asien stammt, können die Verbraucher in Deutschland ihre Hände noch längst nicht in Unschuld waschen. Denn auch Mikroplastik aus synthetischer Kleidung und Autoreifen verschmutzen in einem bislang nicht bekannten Ausmaß die Ozeane. Die winzigen Teilchen reiben sich beispielsweise beim Waschen von Fleece-Jacken oder beim Autofahren permanent ab. Über Abwasser, Wind oder Regenwasser gelangen diese dann ins Meer. Hinzu kommt dann noch das sogenannte primäre Mikroplastik, das sich in Zahnpasta und Kosmetik findet. Andere Beispiele sind Polypropylen (PP), das zum Beispiel für die Herstellung von „Coffee to go“-Bechern und deren Plastikdeckeln benutzt wird, und von Polyethylen (PE), aus dem Plastiktüten, Tuben und sonstige Verpackungen produziert werden. Die Handlungsmöglichkeiten in Sachen Plastikmüll lassen sich mit vier Schlagworten umschreiben: Vermeiden, Verzichten, Informieren und aktiv werden. 

Bioprodukte einsetzen

Bei den Kreisläufen, wie in hunderten von Jahren aus Regenwasser „lebendiges Wasser“ wird, spielt der Bodenschutz eine wichtige Rolle. Schadstoffeinträge, vor allem durch Düngemittel, Gülle und Pestizide aus der industriellen Landwirtschaft, aber auch industrielle Substanzen haben direkte Auswirkungen auf unsere Trinkwasserqualität. Aus diesem Grund unterstützen Verbraucher den Wasserschutz, wenn sie auf Bioprodukte setzen. Chemisch-synthetischer Dünger und Pflanzenschutzmittel sind hier verboten. So bemüht sich etwa das Unternehmen St. Leonhardsquelle immer weiter darum, Grünflächen zu pachten oder zu kaufen, um diese auf Bio umzustellen und nach traditionellen Methoden ohne Chemie zu bewirtschaften. Mehr als eine Million Quadratmeter Vielfalt kann St. Leonhards mittlerweile durch seine unternehmerische Initiative bewahren. In Zukunft will das Unternehmen noch mehr Grünflächen auf bio umstellen. Doch auch Privatleute können aktiv werden und im eigenen Garten auf chemische Pflanzenschutzmittel und Biozide verzichten und Dünger nur sparsam verwenden.

Mehr zum Thema

Beitrag Lebendiges Wasser versus Leitungswasser

Beitrag Chemiecocktail Leitungswasser

Beitrag Sorge ums Wasser