von Lama nach Bocca Serriola – persönliche Eindrücke vom Franziskusweg Tag 3

Direkt hinter Lama passieren wir ein Sonnenblumen-Feld, das jedem Pilger ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Überhaupt werden wir in den nächsten Stunden von der Schönheit der Natur immer wieder von neuem  und anders überrascht. Die sanfte, endlos erscheinende umbrische  Hügel-Landschaft, die sich hinter Lama fortsetzt, steht der Landschaft des Vortags an Schönheit in nichts nach. Selbst in der Ferne ist keine Verkehrsstraße zu sehen oder hören. Für September ist es sehr grün und uns wird bewusst, dass der Appenin auch in den Sommermonaten genügend Wasserquellen und Wasservorräte hat. Wir füllen unsere Flaschen an einer Wasserstelle an, passieren einem Bach und rasten an einen türkisschimmernden See. Langsam aber  stetig geht es in den 6 Stunden Marsch bergauf und mit dem Rucksack auf dem Rücken kommen  wir ins Schwitzen. Zusätzlich zu körperlichen Herausforderung bietet der Franzsikus-Weg auch immer geistige Herausforderungen. Denn die Wegbeschreibungen in den einschlägigen Wanderführern erfordern Konzentration und Interpretationsgeschick. Wer mit zwei verschiedenen Reiseführern ausgestattet ist, ist zwar grundsätzlich im Vorteil, hat aber auch im Zweifelsfall die Qual der Wahl. Die Erleichterung beim Wiedererkennen einer markanten Stelle am Weg ist nur schwer in Worte zu fassen, aber sie ist groß und erfüllt mit Freude. Zwischen Lama und Bocca Serriola ist dies ein verrostetes Auto, von dem wir für alle Pilger hoffen, dass der Zahn der Zeit nicht allzu schnell an ihm nagt. Dann passieren wir ein imposantes Gehöft aus Stein, das von vergangenem Reichtum des ansässigen Bauern zeugt. Weiter geht es steil bergauf auf einer Karrenspur und jetzt ohne schattenspendendes Grün. Die fast rutschigen glattgeschliffenen Steinen in der ansonsten wilden Natur regen die Phantasie an und die Bewunderung über deren Bauweise. Dieser Weg, der uns auf den Bergkamm mit grandioser Aussicht führt, könnte eine wichtige Handelsstraße aus Römerzeiten sein. Er hat es aber auch in sich und erfordert Trittsicherheit.

Die Pilgerinnen, die wir beim Frühstück in Lama kennengelernt haben, gehen ungefähr im gleichen Tempo wie wir und so treffen wir uns an diesem Tag immer wieder. Es sind Zwillings-Schwestern, die sich einmal im Jahr gemeinsame Wander-Zeit schenken und schon durch halb Europa gepilgert zu sein scheinen. An die Karrenspur haben sie allerdings gemischte Erinnerungen, denn hier endete vor einigen Jahren ihr Versuch, den Franziskus-Weg zu bewältigen mit einem Beinbruch – damals muss es in Strömen geregnet und die Steine noch rutschiger gewesen sein. Während wir vom Bergkamm aus weiter gehen, werde ich mir immer wieder vorstellen, wie sich dieser Weg mit gebrochenem Bein und bei Regen anfühlen muss, denn bis Bocca Serriola mussten es die beiden auch damals trotz widriger Bedingungen schaffen. Am Marterl der Madonna setzen wir die Rucksäcke ab und machen eine Rast. Es ist ein wunderschöner Platz zum Innehalten, den sich die Schöpfer des Marterls auserkoren haben. Wir genießen den Ausblick aufs Tal, den Duft und die Geräusche der Natur und das Gefühl, wieder einen Berg heil geschafft zu haben. Bis zum Refugio von Bocca Serriola ist es immer noch eine knappe Stunde durch einsame Natur und jetzt wird der Weg wieder zunehmend bewaldet. Das Refugio erinnert mich an eine Berghütte und der Hüttenwirt empfängt uns auch entsprechend herzlich. Wir beziehen unsere Betten, während die abendliche Kühle am Berg einzieht und wir dankbar für warme Fleece-Pullis und warme Wolldecken für die Nacht sind. Dann trinken wir noch köstlich schmeckenden isotonischen Hopfensaft an der Bar an der Straße. Denn wie so oft beim Wandern: von der anderen Seite ist dieser Berg leicht mit dem PKW zu erzwingen. Nur würde dann das Bier nur halb so gut schmecken.

Um 19.00 wird er für uns für die Zwillingsschwestern und zwei weitere Pilgerinnen kochen und musizieren, er wird uns Geschichten von anderen Pilgern erzählen und uns ausfragen. Er genießt es sichtlich, uns zu verköstigen – kommt nur zum Refugio, wenn sich Pilger ankündigen und das war seit über 8 Wochen nicht mehr der Fall. Auf diese Weise lernen wir unsere Wegbekanntschaften etwas kennen: Wir alle haben unsere Männer zu Hause gelassen ” das hier ist nur was für harte Mädels ” – da sind sich alle Frauen in der Runde einig:  7 km Franziskus weg auf holprigen Wegen und teilweise durchs kniehohe Gestrüpp mit 7 Kilo auf den Rücken fühlen sich unendlich viel anstrengender an als eine morgendliche heimische komfortable Jogging Runde.

Dann werden wir wie jeden Abend todmüde in unsere Betten fallen, nach getanem Tagwerk. Das Gefühl, das erreicht zu haben, was man sich für den Tag vorgenommen hat, ist einfach beglückend und macht süchtig. Wir freuen uns schon auf den nächsten Tag und die nächste Etappe

 

 

 

 

 

 

 

Dann werden wir wie jeden Abend todmüde in unsere Betten fallen, nach getanem Tagwerk. Das Gefühl, das erreicht zu haben, was man sich für den Tag vorgenommen hat, ist einfach beglückend und macht süchtig. Wir freuen uns schon auf den nächsten Tag und die nächste Etappe.

 

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Über die erste Woche der Pilgerwanderung auf den Spuren des heiligen Franz von Assisi – vom Start in Florenz bis nach Sansepolcro – lesen Sie in dem Beitrag von Andrea Tichy.

Zur Fortführung unseres Weges von Sansepolcro  über Montecasale nach Lama:

https://www.quellonline.de/persoenliche-eindruecke-vom-franziskus-weg/

https://www.quellonline.de/von-montecasale-bis-lama-eindruecke-vom-franziskusweg/

Waren Sie selbst auch schon auf Pilgerschaft und möchten uns über Ihre Erlebnisse berichten. Schreiben Sie uns gerne ! martina.guthmann@quell-online.de

Sie überlegen,  den Franziskus-Weg in netter Gesellschaft einer Gruppe zu erwandern? Dann lesen Sie über eine wunderbare Möglichkeit der Entschleunigung mit   Oliva-Reisen.