Boden gut machen

Erde ist das erste der vier von Aristoteles definierten Elemente (zu denen auch Wasser, Feuer und Luft gehören)und als solches die Wurzel unserer Existenz und für das Leben auf unserem Planeten unentbehrlich. Doch die Methoden der industrialisierten Landwirtschaft haben der Bodenfruchtbarkeit auf unserem Planeten schwer zugesetzt: Neben Monokulturen und Agrochemikalien ist auch die Bodenverdichtung, also das Zusammendrücken der Böden durch schwere landwirtschaftliche Maschinen, ein Risiko für den Lebensraum Boden, seinen Nährstoff-, Wasser- und Luftgehalt.

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LEBENSRAUM BODEN 

Durch diese massiven Eingriffe weisen heute fast die Hälfte der Böden weltweit einen zu geringen Humusgehalt auf. In einem gesunden Boden leben pro Hektar rund 25 Tonnen lebende Organismen, also Bakterien, Pilze, Regenwürmer, Ameisen, Mücken und Käferlarven. Entzieht man dieser Biodiversität ihre Lebensgrundlage, ihren Lebensraum und ihre Nahrung, wird aus fruchtbarer Erde über kurz oder lang wertloser kontaminierter, erosionsgefährdeter Dreck, der kein Wasser mehr speichern und mangels mikrobiologischer Aktivität auch dann kein CO2 mehr speichern kann. Wenn wir nicht die Notbremse ziehen, wird sich mit einer weiteren Intensivierung des konventionellen Ackerbaus, mit dem spekulativen Welthandel von Nahrung und mit der Konkurrenz durch Biotreibstoffe die Bodenkrise, der Klimawandel und der Welthunger also nur noch weiter verschärfen.

Renommierte Wissenschaftler wie Prof. Dr. Winfried E.H. Blum und David R. Montgomery warnten schon vor Jahrzehnten vor dieser selbstmörderischen Entwicklung und zeigten andere Wege auf. Schließlich sind die Prinzipien der humusaufbauenden Kompostierung bereits seit 5.000 Jahren bekannt und werden praktiziert. Prosperierende Regionen waren immer die, die auch ihren Boden wertschätzten und kultivierten.

ÖKOLOGISCHER LANDBAU 

Einzig und allein der ökologische Landbau hat die nachhaltige Antwort auf Welthunger und Klimakrise. Für sein Familienunternehmen, die Hofpfisterei, hat es sich Siegfried Stocker bereits in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Lebensaufgabe gemacht, Bauern zur Umstellung auf ökologischen Anbau zu inspirieren und gleichzeitig fair bezahlte Abnahmekanäle für das hochwertige Öko-Getreide zu schaffen. Dieser Devise folgend bleibt sich das Unternehmen treu und hat in den letzten 40 Jahren maßgeblich zur Verbreitung des Öko-Anbaus in Bayern und über die Landesgrenzen hinaus beigetragen.

Zu Bayerns Öko-Bauern der ersten Stunde zählen Josef und Irene Braun: Seit 1984 betreiben sie auf ihrem Hof in der Nähe von Freising neben biologischem Ackerbau auch biologische Viehzucht: Während sich auf konventionell bewirtschafteten Äckern durchschnittlich 16 Regenwürmer pro Quadratmeter finden lassen, sind es bei den Brauns ungefähr die 25-fache Menge an kleinen, fleißigen Helfern, deren Lebensraum nicht durch schwere Maschinen platt gewalzt wird und für die eine eigens gesäte Kleekräutermischung als Winterfutter dient. Der Regenwurmkot liefert dafür eine bis zu zwei Zentimeter dicke Humusschicht pro Jahr. Die zwei Meter tiefen Regenwurmröhren können bis zu 150 Liter Wasser aufnehmen und im Boden speichern. Es darf also gerne auch mal stark regnen. Keine Maschine gräbt hier den Boden um, so wird das vielfältige Wurzelprofil, etwa von wildwachsenden Luzernen und Bibernellen, nicht zerstört. Die Tiefwurzler leiten Mineralien aus den tieferen Bodenschichten nach oben. Die Mikroorganismen, die im Unterboden mit wenig Sauerstoff ihre Boden-Arbeit verrichten, werden nicht aus ihrem Aktionsradius gerissen. Im artenreichen Grün finden die Wildbienen ausreichend Nahrung. Und der lebendige Boden schenkt seinen Nutzpflanzen alle Stoffe, die sie brauchen, um gesund zu bleiben und uns Menschen gesund zu nähren.

HUMUS ALS CO2 SPEICHER

Josef Braun, der sein Wissen über sein Lebenswerk im Bioland-Stiftungs-Vorstand teilt, ist überzeugt: Wenn weltweit vier Prozent Humus auf den Ackerflächen wieder aufgebaut würde, ließe sich das klimaschädliche freigesetzte CO2 wieder im Boden speichern. Biolandbau ist also noch viel mehr als der Verzicht auf chemische Düngung: Humusreicher Boden kann Klima retten. Bauernfamilien wie die Brauns und Unternehmen wie die Hofpfisterei machen Mut: Ihr nachhaltiges visionäres Denken und Handeln werden unsere Kinder und Enkel zu schätzen wissen. Wenn wir nur wollen, können wir unsere Erde wieder im überschaubaren Zeitraum fruchtbar machen und mit dem Überleben der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt auch unsere Existenz sichern.

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AKTIVER KLIMASCHUTZ

Pionierarbeit der Hofpfisterei
Seit fast 40 Jahren unterstützt die Hofpfisterei Landwirte in der Umstellung auf ökologischen Getreideanbau. Mit dem hochkarätigen Symposium „Der Boden. Quell des Lebens“ rüttelte sie 2010 viele Landwirte wach und leistet bis heute unermüdliche Aufklärungsarbeit für den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Erde: Denn Bio-Humus ist nicht nur die Grundlage guter Nahrung, er speichert auch klimaschädliches CO2 .

Buch-Tipp

Amy Stewart
Der Regenwurm ist  immer der Gärtner

Jeder kann etwas tun für die Bodenfruchtbarkeit, durch die Achtung und Wertschätzung des Regenwurms. Wer die Hommage der leidenschaftlichen Gärtnerin Amy Stewart an diese blinden und tauben Helden des Erdreichs gelesen hat, wird Darwins Würmer dafür lieben, dass sie für uns das Erdreich bewegen und ein mikrorganismenreiches Bodenmilieu schaffen.

Oekom Verlag
256 Seiten, Feb. 2020
ISBN 978-3-492-22869-5
Preis: 11,00 Euro

Mehr Infos zum Thema Bodenschutz

Unser größter Schatz – der Boden

Interview mit dem Vorsitzenden des Bodenschutzfonds Matthias Forster

Buch-Tipp: Rettet den Boden

20. Mai 2021
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