Aqua Walking in Deutschland: Wassersport-Trend an Seen und Küsten

Über die Sportart LongeCôte, die bereits vor 15 Jahren in Frankreich entwickelt wurde hat Quell bereits des öfteren berichtet. Darüber wie  LongeCôte nach  Deutschland kam, über den Sport als solches, seine gesundheitlichen Effekte und die ersten Standorte an der Ost- und Nordsee .

Nun fand am Starnberger See  in Kooperation mit dem Europäischen Wanderverband die bundesweit erste Ausbildung für Instrukteurinnen und Instrukteure in der Sportart International Aqua Walking / Wasserwandern nach der Methode von LongeCôte statt. Ein guter Schritt vorwärts, um die Sportart von Oberbayern bis Mecklenburg-Vorpommern, von der Leipziger Seenplatte bis zu den Nordsee-Inseln anbieten zu können.  Sven Hähle vom Wanderverband Bayern, der mit bei der Schulung war,  berichtet darüber: 

Tag 1: Anbaden!

“Wasser ist Medizin”, bekräftigte Lorena Rasolo während der Vorstellungsrunde gleich zu Ausbildungsbeginn, und erklärte, dass Wasserwandern gelenkschonend, ein hervorragendes Herz-Kreislauf-Training und eine ideale Sportart sei, um Gewicht zu reduzieren. Da das eigene Körpergewicht deutlich weniger verspürt werde als beim Wandern an Land, sei das Wasserwandern auch für stark übergewichtige Personen ein idealer Einstieg “in ein neues Lebensgefühl”, ergänzte Maddalena Canepa.

Die Kälte des Wassers und einen “Massageeffekt” auf der Haut zu spüren, nannten die Ausbilderinnen als weitere Pluspunkte des Trendsports, der in Frankreich erfunden und dort schon seit einigen Jahren immer beliebter wird. Allein in Frankreichs bekanntestem “Wasserwander-Club” Alison Wave Attitude sind 250 begeisterte Menschen organisiert, die meist zwei- bis dreimal pro Woche trainieren.

Nachdem die Fragen geklärt waren, wer Wasserwandern ausüben kann, wo es möglich ist und welche Ausrüstung benötigt wird, begaben sich die Teilnehmer/innen der deutschlandweit ersten Wasserwanderführer/innen-Ausbildung zur ersten Praxis-Einheit an die “Küste” des Starnberger Sees.

“Super, dass der Wanderverband Bayern etwas Neues anbietet”, freute sich Teilnehmerin Martina Geyer. Jaqueline Paton, wie Martina Geyer eine an der Heimat- und Wanderakademie Bayern ausgebildete Wander-, Natur- und Landschaftsführerin, staunte über die Möglichkeiten des Wasserwanderns: “Für mich ist es absolutes Neuland, obwohl ich sehr viel wandere. Mein erster Eindruck: Es macht sehr viel Spaß!”.

Am Abend schauten die Teilnehmer/innen der Ausbildung Videos von Wasserwander-Events in Frankreich und Italien an. “Unglaublich, dass es Wettkämpfe mit über 700 Teilnehmer/innen gibt”, war Dr. Gerhard Ermischer überrascht. Der Vizepräsident der Europäischen Wandervereinigung und Präsident des Wanderverbands Bayern nimmt selbst an der Ausbildung teil.

 

Tag 2: Üben, üben, üben!

Der ganze Vormittag des zweiten Ausbildungstages stand im Zeichen praktischer Übungen: Die zukünftigen Instrukteurinnen und Instrukteure Wasserwandern verbrachten volle drei Stunden ohne Pausen im 20°C warmen Wasser des schönen Starnberger Sees. Nach Aufwärmübungen wurde das Gehen allein, in Zweier-, Dreier-, Vierer- und Fünfergruppen geübt – anfangs ohne und später mit einem speziellen, für das Wasserwandern entwickelten Paddel. Die Ausbilderinnen achteten besonders auf die korrekte Technik, das synchrone Wandern in Gruppen und den “Führungswechsel” in den Teams: Jede/r Teilnehmer/in musste die Kleingruppe mindestens einmal anleiten.

Wie gründet man einen Verein für Wasserwanderer? Wie führt man ihn? Und welche Aufgaben kommen den Wasserwanderführer/innen zu? Diese und viele andere spannende Fragen rund ums organisierte Aqua Walking beantworteten die Ausbilderinnen Maddalena Canepa und Lorena Rasolo am Nachmittag des zweiten Ausbildungstages. Dazu zeigten sie anschauliche Beispiele von Aktivitäten rund ums Wasserwandern – ob in Italien, Frankreich oder Tunesien.

Interessant: In Italien und Frankreich müssen Vereinsmitglieder regelmäßige ärztliche Gesundheitschecks durchführen lassen und nachweisen, damit sie in Wasserwander-, aber auch in “normalen” Wandervereinen Mitglied sein können und versichert sind. Ob sich dieses Modell wohl auf Deutschland übertragen ließe?

 

 

Tag 3: Gruppenarbeit und Prüfungen

Der dritte Ausbildungstag begann wie der zweite endete: im Wasser. Nachdem die Teilnehmer/innen im Abendprogramm des zweiten Ausbildungstages spezielle Gehtechniken erarbeiteten und das bisher Erlernte festigten, mussten sie am Vormittag des dritten Tags zum ersten Mal selbst Gruppen anleiten. Dazu wurde die gesamte Ausbildungsgruppe in drei Einzelgruppen geteilt:

Jede Teilgruppe beschäftigte sich mit einem Thema und leitete die anderen Teilnehmer/innen an. Die erste Gruppe vermittelte International Aqua Walking für Einsteiger, die zweite Gruppe erklärte die Benutzung des Paddels, die dritte Gruppe organisierte eine “Aqua Walking Session” für Menschen, die bereits mit der Sportart vertraut sind. Anschließend wurden die einzelnen Gruppenleistungen durch die Ausbilderinnen kritisch ausgewertet.

Schließlich stand am Ende des Vormittags noch die Wasserrettung auf dem Ausbildungsprogramm: Jede/r Teilnehmer/in musste einmal üben, wie Verunfallte oder Bewusstlose aus dem Wasser gerettet werden können – sowohl mit als auch ohne Hilfsmittel.

Am Nachmittag des dritten Ausbildungstages gab es einen bunten Mix aus Theorie und Praxis: Die Teilnehmer/innen diskutierten Möglichkeiten für Vereinsangebote des Wasserwanderns, ideale Standorte in Bayern und deutschlandweit, sowie den Aufbau einer “Mannschaft” für die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen und Wettkämpfen.

Nach heißen Diskussionen war Abkühlung notwendig: In einer Praxis-Einheit wurde das Gehen in Gruppen und allein geübt. Schwerpunkte waren der Umgang mit dem richtigen Tempo, Tempowechsel sowie das meditatives Wandern im Wasser. Zum Schluss machten die Teilnehmer/innen – wie nach jeder Einheit – Stretching-Übungen.

 

Tag 4: Finale!

Vierter und letzter Tag der deutschlandweit ersten Ausbildung für Instrukteurinnen und Instrukteure im International Aqua Walking: Nachdem alle Teilnehmer/innen die praktischen Prüfungen bestanden hatten, erhielten sie ihre Zertifikate als Wasserwanderführerinnen und Wasserwanderführer. “Die Ausbildung erfolgte nach den Regeln des Europäischen Wanderverbands”, betonte Dr. Gerhard Ermischer, Vizepräsident der Europäischen Wandervereinigung, bei der Zertifikatsübergabe. “Und sie wurde in Kooperation zwischen diesem und der Heimat- und Wanderakademie des Wanderverbands Bayern organisiert – das macht mich besonders stolz”, so Ermischer, der auch Präsident des Wanderverbands Bayern ist. Er dankte den Ausbilderinnen aus Italien und Martina Guthmann, die das Wasserwandern am Starnberger See etablierte, für die hervorragende Zusammenarbeit und das großartige Engagement.

Wie es sich für Aqua Walking gehört, fand das Finale der Ausbildung im kühlen Nass statt: Noch einmal ging die Gruppe gemeinsam zum Üben in den Starnberger See. “Jetzt könnte es gern noch eine Woche oder länger so weitergehen”, meinte Teilnehmerin Agnes Wiedemann, die in Zukunft Wasserwanderungen am Waginger See und am Chiemsee in Oberbayern anbieten will. Wasserwander-Angebote am Tegernsee kann sich Jeanette Heyne gut vorstellen: “Ich fände es toll, dort einen ‘Spot’ zu haben.”

“Wenn es uns gelingen sollte, eine Sektion Wasserwandern im Wanderverband Bayern aufzubauen, wäre das sicherlich ein weiterer Meilenstein”, resümierte Dr. Gerhard Ermischer im Hinblick auf die nahe Zukunft. “Mit dem Wanderverband Bayern an unserer Seite wird das Wasserwandern hierzulande möglicherweise so attraktiv wie es heute schon in Frankreich, Italien und anderen Ländern ist”, freute sich Martina Guthmann über Ermischers Angebot.

Fazit: Ein hervorragender Start fürs Wasserwandern in Bayern und Deutschland – wir bleiben dran!

 

Dr. Gerhard Ermischer, Vizepräsident der Europäischen Wandervereinigung und Präsident des Wanderverbands Bayern, mit Absolventinnen des deutschlandweit ersten Ausbildungslehrgangs für Wasserwanderführer/innen.

 

Dr. Gerhard Ermischer, Vizepräsident der Europäischen Wandervereinigung und Präsident des Wanderverbands Bayern, mit den Ausbilderinnen Lorena Rasolo und Maddalena Canepa (v.l.n.r.) von Aqua Walking Alassio/ Italien, wo – ähnlich wie in Frankreich  Aqua Walking eine große Bewegung begeisterter Anhängern ist.

Aqua Walking in Deutschland

Auch in Deutschland kommen immer mehr Menschen auf den Geschmack der Sportart Aqua Walking, die bereits 2007  unter dem Namen LongeCôte von dem Rudertrainer Thomas Wallyn entwickelt wurde. Martina Guthmann, die Longecôte 2011 in Nord Pas de Calais entdeckte, hat Aqua Walking nach der Methode von Longecôte nach Deutschland gebracht,  an den Starnberger See, nach Sylt und an die Hohwachter Bucht.  Quell berichtete darüber.  In Kürze wird es  auch  am Waginger See, am Tegernsee,  voraussichtlich auch auf anderen Nordsee-Inseln sowie Seen und Küste Mecklenburg-Vorpommerns Aqua Walking Angebote geben.  Nähere Informationen über Aqua Walking Deutschland, bei Martina Guthmann,E.: martina.guthmann@longecote.de

Aqua Walking ist eine attraktive Wasser-Sportart, die das Zeug zum geselligen Breitensport genauso wie zum sportlichen Wettbewerb hat.