Schifffahrt und Klimawandel

Die Seefracht ist die Lebensader der globalisierten Welt. Mehr als 80 Prozent des weltweiten Handelsvolumens wird mit Schiffen transportiert. Und die Schifffahrt ist auch ein Treiber des Klimawandels: Sie stößt so viel Treibhausgase aus wie ganz Deutschland. Höchste Zeit, die rußenden Klimasünder mit in die Verantwortung zu nehmen.

Ohne Schiffe wäre unser Lebensstil gar nicht möglich: Die Seefracht macht uns vielfältige Güter unseres täglichen Lebens verfügbar – von Bananen bis hin zur Bekleidung. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Wirtschaft in Deutschland und Europa. So gehört die Europäische Union weltweit zu den größten Exporteuren und Importeuren von Waren.

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Treiber des Klimawandels

Allerdings ist die Seefracht nicht nur ein wichtiger Treiber für die Globalisierung, sondern auch für den Klimawandel. Auch wenn sie gemessen an ihrer Transportleistung als vergleichsweise umweltverträgliches und energieeffizientes Transportmittel gilt, produziert die globale Schifffahrt 1.076 Millionen Tonnen Treibhausgase (Kohlendioxid, Methan und Stickstoffoxid) im Jahr. Mit steigender Tendenz: Schätzungen gehen davon aus, dass ohne weitere Klima-Maßnahmen die Schifffahrtsindustrie bis zum Jahr 2050 jährlich bis zu 50 Prozent mehr C02 ausstoßen könnte (bis zu 1.500 Millionen Tonnen jährlich. Zum Vergleich: 2018 waren es 1.000 Millionen Tonnen).

Möglich macht diese fatale Entwicklung eine Lücke im Pariser Klimaabkommen. Denn dort wird die internationale Schifffahrtsindustrie (wie auch die Luftfahrtindustrie) nicht explizit angesprochen. Anders als beim Kyoto Protokoll von 1997 wurde die Verantwortung für das Erreichen der Klimaziele auch nicht explizit an die International Maritime Organisation (IMO) übertragen. Die IMO ist eine Agentur der Vereinten Nationen und verantwortlich für die Steuerung der globalen Schifffahrtsindustrie. 

Die IMO verpflichtete sich zwar im Jahr 2018 „zu einem Pfad, die C02 Emissionen übereinstimmend mit den Pariser Temperaturzielen zu reduzieren“, setzte sich allerdings zeitgleich recht bescheidene Klimaziele. Der jährliche  Treibhausgasausstoß der globalen Schifffahrts­industrie soll laut IMO bis 2050 nur um mindestens 50 Prozent im Vergleich zu 2008 gesenkt werden. Nach Einschätzung des UNEP GAP Report von 2020 müsste die Schifffahrtindustrie bis 2050 jedoch CO2-neutral werden, um das Pariser Ziel von deutlich unter 2 °C maximaler Erd­erwärmung erreichen zu können.

Bislang bewertet der Climate Change Tracker die Maßnahmen der Schifffahrtsindustrie im Sinne des Pariser Klimaabkommens als höchst ungenügend. Auch die New York Times beklagt, dass die IMO die Erderwärmung weiter antreibt, statt den Klimawandel zu bekämpfen und dass sie ihrer Rolle als Regulator der Schifffahrtsindustrie nicht gerecht wird. Denn schon jetzt produziert, laut New York Times, die globale Schifffahrt mehr Kohlendioxid als alle amerikanischen Kohlekraftwerke zusammen. 

Widerstand von verschiedenen Gruppen

Aber es regt sich Widerstand gegen die Passivität der IMO von mehreren Seiten – von politischen Akteuren wie der Europäischen Union und den Pazifischen Inseln (insbesondere den Marschallinseln), der Zivilgesellschaft, privaten Initiativen und Unternehmen, wie von der dänischen Reederei Maersk, der größten Reederei der Welt.

Der europäische „Green Deal“ formuliert als Ziel die Klimaneutralität der EU bis zum Jahr 2050. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen der EU gegenüber 1990 um 55 Prozent reduziert werden. Im Transportbereich müssen die Treibhausgase bis 2050 um 90 Prozent reduziert werden. Deshalb sieht die EU Kommission die globale Schifffahrt auch als integralen Bestandteil, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. Und weil die IMO nach Einschätzung der EU nicht genug dafür tut, hat die Kommission Klimamaßnahmen für die internationale Schifffahrt in das Gesetzespaket „Fit for 55“ integriert, das im Sommer 2021 vorgestellt wurde. Damit soll der  Treibhausgasausstoß der Schifffahrt eingedämmt werden.

Die dabei wohl wichtigste Maßnahme besteht darin, die Treibhausgasemissionen von allen Schiffen, die in einem Hafen der EU anlanden und abfahren, zu bepreisen. Dies soll im Rahmen des European Emission Trading (ETS) geschehen und für alle Schiffe mit einer Tonnage von mehr als 5.000 Tonnen gelten. Auch plant die EU Kommission, alternative Kraftstoffe zu fördern sowie die Energieinfrastruktur an den europäischen Häfen zu verbessern. Schiffe sollen zum Beispiel künftig mit Landstrom versorgt werden. Zudem sollen Steuerprivilegien der Schifftreibstoffe abgeschafft werden. Mit diesen Gesetzesänderungen könnte die  EU Kommission viel bewirken, denn ein Drittel der Schiffsverkehre startet oder landet in Europa. Noch sind die Gesetzespakete nicht implementiert, aber sie sind ein wichtiger Schritt, um die globale Schifffahrts­industrie zum Umdenken zu bewegen.

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Marshall­inseln

Eine der größten Handelsflotten 

Die Marshallinseln setzen sich massiv für eine klimaneutrale, globale Schiff­fahrt bis 2050 ein. Die Marshallinseln bestehen aus mehr als 1.000 Inseln und Atollen und  sind massiv von den Folgen des Klimawandels bedroht, da diese im Durchschnitt nur zwei Meter über dem Meeresspiegel liegen. Trotz der kleinen Größe und der geringen Einwohnerzahl von knapp 60.000 Menschen spielen die Marshallinseln in der globalen Schifffahrtsindustrie eine wichtige Rolle, da unter ihrer Flagge eine der größten Handelsflotten der Welt unterwegs ist. Die Nutzung derartiger Billigflaggen ist aus Kostengründen eine gängige Praktik in der Schifffahrt. Panama, Liberia und die Marschallinseln haben die größten Schifffahrtsindustrie der Welt.

Konsumenten

Wir alle haben Einfluss auf Schiffe 

Unterstützung für eine klimaneutrale Schifffahrt kommt auch aus der Wirtschaft. So hat die weltweit größte Reederei, die dänische Reederei Maersk, ein eigenes Maßnahmenpaket beschlossen, um das net zero Ziel zu erreichen. Schon bis 2023 will Maersk das erste CO2 neutrale Container-Schiff betreiben. 

Die Motivation von Maersk: Die Hälfte ihrer besten Kunden verfolgen ihrerseits Klimaziele und Maersk möchte ihren Kunden helfen, diese Ziele zu erreichen. Dabei spielen auch die Entscheidungen von Konsumenten eine wichtige Rolle. Laut Global Maritime Forum, einer Nichtregierungsorganisation mit der Zielsetzung, die Weichen für eine nachhaltige Zukunft der internationalen Seefahrt zu stellen, würde die Zero-Emission-Schifffahrt beispielsweise beim Kauf von Marken-Turnschuhen zu Mehrkosten von bis zu einem Prozent führen. Das ist eine durchaus moderate Preissteigerung, die wohl jedem Konsumenten zugemutet werden kann.  

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Beitrag Grüne Wirtschaft

5. November 2021
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