Die drei Weisen und der Weihnachtsstern

Der Stern von Bethlehem soll dafür gesorgt haben, dass sich die drei Weisen aus dem Morgenland auf den Weg machten den neu geborenen König der Juden zu finden. Was für ein Phänomen verbirgt sich hinter dem Weihnachtsstern und was passierte damals – vor etwa 2000 Jahren am nächtlichen Himmel? Von Dr. Andreas Walker.

Jeweils am 6. Januar wird das Fest der Heiligen Drei Könige gefeiert. Der Stern von Bethlehem soll dafür gesorgt haben, dass die drei Weisen aus dem Morgenland den Weg fanden, um den neu geborenen König der Juden zu finden. Diese Geschichte ist zur Weihnachtszeit jeweils in unzähligen Krippen mit dem bekannten Weihnachtsstern darüber, dargestellt.
Im Jahre 1304 malte der italienische Künstler Giotto di Bordone auf seiner Krippendarstellung den Halley’schen Kometen, der zu dieser Zeit mit bloßem Auge sichtbar war. Diese Darstellung – ein Stern mit kürzerem oder längerem Schweif – wurde seit damals übernommen und hat sich bis in die heutige Zeit gehalten.

Seltene Planetenkonstellation
Was verbirgt sich für ein Phänomen hinter dem Weihnachtsstern und was passierte damals – vor etwa 2000 Jahren – am nächtlichen Himmel? War der Weihnachtsstern ein übernatürliches Ereignis oder existiert ein realer Hintergrund dafür? Forschungen haben gezeigt, dass zur Zeit von Christi Geburt sich die Planeten Jupiter und Saturn in einer sehr seltenen Konstellation befanden. Sehr interessant ist die Tatsache, dass der Jupiter als Königsstern, der Saturn als Stern der Juden galt. Zudem wurde das Sternbild der Fische, in dem ein sehr nahes Zusammentreffen dieser beiden Planeten stattfand, Palästina zugeordnet.
Aus diesen astrologischen Zuordnungen könnten die Weisen aus dem Morgenland den Schluss gezogen haben, dass ein König der Juden geboren worden war. Die Heiligen Drei Könige werden oft auch als Magier oder die drei Weisen bezeichnet. Durch eine fehlerhafte Bibelübersetzung wurden sie Könige genannt. Der Ausdruck „Magier” oder „Weisen” ist viel zutreffender, denn sie stammten aus einer noblen Gesellschaftsschicht des babylonischen Hofes und hatten die Funktion von Priestern, die gleichzeitig auf den Gebieten der Astronomie und Astrologie ausgebildet waren. Zu dieser Zeit war das mesopotamische Babylon (im heutigen Irak) die astronomische und astrologische Hochburg des nahen Ostens. Durch das Studium der Sternkonstellationen sollten wichtige Ereignisse, die die Menschen betrafen, im Voraus erkannt oder bei einem Unglück wenn möglich abgewendet werden.

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War der Weihnachtsstern ein Komet?
Durch Jahrhunderte hindurch wurde der Weihnachtsstern als Stern mit einem runden Schweif dargestellt. Damit ist er jedoch vor allem einem Kometen sehr ähnlich. Kometen sind riesige Brocken aus gefrorenen Gasen und Staubteilchen – eine Art „schmutziger Riesenschneebälle”, die gigantische Strecken im Kosmos zurücklegen. Könnte zur Zeit von Christi Geburt ein Komet aufgetaucht sein? Unmöglich ist so etwas nicht. Allerdings sind solche kosmischen Vagabunden auch in der heutigen Zeit mit modernsten Methoden meistens erst Monate vorher auszumachen, da sie völlig unvorhersehbar aus den unendlichen Weiten des Weltalls auftauchen um danach meistens für immer wieder zu verschwinden.
Nur wenige Kometen sind periodisch, da sie von der Gravitation der Sonne eingefangen wurden. Der bekannteste davon ist der „Halley’sche” Komet, der alle 76 Jahre unser Sonnensystem besucht und 1986 zu sehen war. Der Jahrhundertkomet „Hale-Bopp”, der uns 1997 besuchte wird erst in etwa 2500 Jahren wieder zurückkehren.
Auch wenn das Aussehen der Darstellungen des Weihnachtssterns einem Kometen sehr ähnelt, fällt ein Komet als Kandidat mit großer Wahrscheinlichkeit aus. Kometen wurden nämlich als Unglücksboten angesehen, so dass man davon ausgehen kann, dass eine solche Erscheinung kaum jemanden in eine freudige Erwartung eines schönen Ereignisses versetzt hätte.

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Tipp: Krippensammlung im Bayerischen Nationalmuseum


Kaum jemand weiß, dass sich die wohl bedeutendste und künstlerisch wertvollste Krippensammlung der Welt in München befindet. Dort sind neben Figuren aus Bayern und Tirol auch viele Weihnachtsszenen aus den wichtigsten Krippenzentren Italiens zu sehen. Einen Höhepunkt der Sammlung bilden mehr als zwanzig Krippeninszenierungen mit tausenden Figuren aus neapolitanischem Hof- und Adelsbesitz, die sich durch barocke Verspieltheit und einen Detailreichtum auszeichnen, wie er seitdem nicht mehr erreicht wurde. Die Krippensammlung ist von Anfang November bis Ende Januar während der Museumszeiten geöffnet.

Fotos: Andreas Walker

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