Die Sprache der Wolken

In früheren Zeiten konnten die Menschen die Sprache der Wolke verstehen und richteten sich in ihren Vorhaben nach den Zeichen, die der Himmel ihnen gab. Den modernen Menschen ist dieses Wissen abhanden gekommen – doch für Wanderungen in die Berge, für Ausflüge per Fahrrad oder Boot ist es hilfreich, die Botschaften der Wolken wieder neu interpretieren zu lernen. Von Dr. Andreas Walker.

Die Wolken haben eine Sprache Zeigt mir das Ding in der Welt, das schöner ist als Wolken sind! Sie sind Spiel und Augentrost …sie sind Zorn und Todesmacht. Sie sind zart, weich und friedlich wie die Seelen von Neugeborenen, sie sind schön, reich und spendend wie gute Engel… Sie schweben silbern in dünner Schicht, sie segeln lachend weiss mit goldenem Rand, sie stehen rastend in gelben, roten und bläulichen Farben… So schilderte Hermann Hesse „seine“ Wolken.
Eine Wolke ist eigentlich nichts anderes, als eine Anhäufung von verschiedenen kleinen Wassertropfen oder Eiskristallen oder von beidem gemeinsam. Bevor wir sie sehen, ist sie mit Luft gemischter Wasserdampf. Gasförmiges Wasser, welches völlig unsichtbar einen Bestandteil unserer Lufthülle bildet. Kalte Luft enthält weniger Wasserdampf als warme Luft. Wird die Luft abgekühlt kondensiert überschüssiges Wasser in Form von kleinen Wolkentröpfchen aus. Meistens werden diese Tröpfchen von einem schwachen Aufwind in der Schwebe gehalten und driften als Wolken über den Himmel.

Die Bildung von Wolkentröpfchen
Für die Entstehung der Wolkentröpfchen braucht es vor allem zwei Bedingungen:
Erstens: Die Luft muss mit Feuchtigkeit gesättigt sein, d.h. die relative Feuchte muss 100 Prozent betragen (Taupunkt).
Zweitens: Es müssen genug Kondensationskeime vorhanden sein, woran sich die Feuchtigkeit anlagert und zu einem Wolkentröpfchen wird. Diese mikroskopisch kleinen Kondensationskeime sind Produkte von verschiedenen Vorgängen auf der Erde wie z.B. Verbrennungen, Vulkanausbrüchen, Staubstürmen, Salzwassergischt etc. Meistens sind genug Kondensationskeime für die Wolkenbildung vorhanden. Ist dies nicht der Fall, können sich die Wassertröpfchen ohne zu gefrieren stark unterkühlen bis zu -36° C. Unterhalb dieser Temperatur beginnt der unterkühlte Wasserdampf auch ohne Kondensationskeime zu gefrieren. Bestehen erst einmal Eisteilchen, kann sich direkt Wasserdampf daran anlagern. Fliegt z.B. ein Flugzeug durch unterkühlte Wassertröpfchen, so bleiben diese Tröpfchen an den Tragflächen hängen und gefrieren sofort.
Am Boden führt der Aufprall von unterkühlten Regentropfen zur Glatteisbildung. Sie gefrieren, sobald sie auf  den Boden, auf Häuser, Autos, Bäume etc. aufschlagen und sofort sind alle Gegenstände mit einer glasig klaren Eisschicht überzogen.
In Trockengebieten kann man (sofern in der Höhe genug Feuchtigkeit vorhanden ist) die Wolken mit Kondensationskeimen „impfen“ (z.B. Silberjodid) und somit die Niederschlagsbildung anregen.
Wolken sind für eine Wettervorhersage gut geeignet, da sie uns Auskunft geben, welche Vorgänge sich in der Luft abspielen. Wer ihre Sprache versteht, kann abschätzen was das Wetter für die nahe Zukunft bringen wird.

Linsenwolken

  • Ausgangslage: Wenn der Wind ein Gebirge überquert, wird die Luftströmung in eine wellenförmige Schwingung versetzt. Dabei entstehen die typischen Linsenwolken, die vor allem bei Föhnlagen auftreten.
  • Prognose: Warmes föhniges Wetter
    Solange die Linsenwolken vorhanden sind, hält der Föhn an. Sie werden deshalb auch als „Föhnfische“ bezeichnet. Beginnen sie zu zerfasern oder weisen sie an den Rändern Wellen auf, bricht oft bald der Föhn zusammen.

QC13L04

 

Nebel in den Tälern

  • Ausgangslage: Gleichmässige Schichtwolke, die vor allem im Winterhalbjahr entsteht, wenn sich kalte schwere Luft in den Tälern als Kaltluftsee ansammelt.
  • Prognose: In den Tälern trüb – in den Bergen schön
    Der Nebel entsteht bei stabilen, anhaltenden Hochdrucklagen. Während in den Niederungen das Wetter trüb und grau ist, herrscht in den Bergen eine kristallklare Fernsicht. Ein Absinken der Nebelgrenze bedeutet in der Regel ein Andauern des schönen Wetters, da dies meist als Folge einer kalten trockenen und stabilen Luftzufuhr geschieht.
    Ein Ansteigen dagegen hat meist schlechtes Wetter zur Folge, da der Anstieg durch die Windströmung eines herannahenden Tiefs verursacht wird.

Kaltfronteinbruch

  • Ausgangslage: Das Eintreffen einer Kaltfront ist vor allem im Sommer meistens mit heftigen Gewittern verbunden, die eine markante Abkühlung bewirken. Der Beobachter, der sich unmittelbar vor der Kaltfront befindet, sieht eine dunkle Wolkenwand auf sich zukommen. Plötzlich setzen heftige Windböen ein und mit dem einsetzenden (meist starken) Regen beginnt die Temperatur rasch abzusinken.
  • Prognose: Schneller Wetterumsturz mit Sturm und meist heftigen Gewittern
    Manchmal kann nach einer Stunde das Wetter bereits wieder freundlich werden. Bleibt die Kaltfront jedoch an den Bergen „hängen“ erfolgt längerer und intensiver Niederschlag.

Kleine Quellwolken – Schönwetterwolken

  • Ausgangslage: Quellwolken entwickeln sich, wenn von der Sonne erwärmte Warmluftblasen aufsteigen und das Wasser in der aufsteigenden und sich abkühlenden Luft zu einer Wolke kondensiert.
    Im Verlauf eines Sommertages entstehen zuerst kleine Wolkenhäufchen, welche bei weiterer Thermik im Verlaufe des Tages immer grösser werden können.
  • Prognose: Schönes Wetter
    Die Entwicklung von Quellwolken ist stark von der Tageszeit und der Stabilität der Atmosphäre abhängig. Bleiben diese Wolken bis zum Spätnachmittag klein, ist das Wetter stabil.

Mächtige Quellwolken

  • Ausgangslage: An schwülen
    Sommertagen können sich aus kleinen Wolkenhäufchen schnell mächtige Quellwolken entwickeln.
  • Prognose: Aufkommendes Gewitter
    Wenn sich bereits am Vormittag oder anfangs Nachmittag riesige Wolkentürme entwickeln, muss bald mit Gewitteraktivitäten gerechnet werden. Es besteht in diesem Falle eine große Wahrscheinlichkeit, dass sich diese riesigen Quellwolken zu Schauer- und Gewitterwolken
    entwickeln.

Hohe Eiswolke mit Haloerscheinung

  • Ausgangslage: Durchscheinender, weißlicher Wolkenschleier, der meistens gleichmäßig den ganzen Himmel bedeckt. Typisch für diese Wolken sind Halo-Erscheinungen (Ring um die Sonne oder den Mond), welche von Eiskristallen in großer Höhe (bis über 10 km) hervorgerufen werden.
  • Prognose: Warmfrontaufzug (langsamer Wetterumschlag) Da solche Eiswolken fast immer mit dem Vorstoß einer Warmfront verbunden sind, gelten Haloerscheinungen als typisches Schlechtwetterzeichen – in einigen Stunden wird es regnen. Bei einem typischen Warmfrontaufzug erscheint in der Regel nach den Eiswolken mit Halo eine hohe Schichtwolke, durch die man die Sonne noch diffus erkennen kann.

Fotos: Andreas Walker

QC13L04

Beiträge von Dr. Walker

Beitrag Die drei Weisen und der Weihnachtsstern

Beitrag Kosmisches Schattenspiel: Sonnen- und Mondfinsternisse

Beitrag Polarlichter: Wenn der Himmel in Flammen steht

Beitrag Vom Götterzorn zur Hochspannung am Himmel

Beitrag Die Sprache der Wolken

Link

Die aktuelle Lage und eine ausführliche Vorhersage vom Deutschen Alpenverein, mit     Satellitenbild.

Link

Das Wetter für die Berge in Bayern, Österreich und Südtirol mit der Vorhersage zum Bergsteigen und Wandern in den Alpen und bayerischen Mittelgebirgen

Link

ORF-Bergwettervorhersage. vom Wetterdienst des Österreichischen Rundfunkes mit Bergwetter-vorhersage. für Tirol, Salzburg, Südtirol und Norditalien