Der Rücken – das Tor zur Seele

Wie die alternative Medizin Kreuzschmerzen heilen kann. Von Peter Maier

Ein Wochenende vor einigen Jahren. Ich hebe gerade eine Kiste auf den Schrank. Plötzlich ein Stich in meinem Rücken. Am nächsten Tag wache ich mit Kreuzschmerzen auf. Als nach drei Tagen die Schmerzen eher zunehmen, werde ich unruhig. Mein Rücken ist verrenkt, die Muskeln haben sich total verkrampft. Ein Bekannter empfiehlt mir, zu einem Chiropraktiker zu gehen. Nach etwa fünf weiteren Tagen bekomme ich endlich einen Termin bei einer Ärztin, die auch chiropraktisch arbeitet.

Eine üble Rückenverrenkung

Die Behandlung wird eine große Überraschung für mich, denn die Ärztin verwickelt mich zunächst in ein unerwartetes Gespräch. Schon im dritten Satz fragt sie mich: „Haben Sie gerade ein Problem mit ihrem Vater?“ Diese Frage trifft mich wie ein Blitz. Denn tatsächlich gibt es seit Wochen große Schwierigkeiten in meiner Herkunftsfamilie. Mein Vater wird in zwei Monaten seinen Betrieb, den ursprünglich ich hätte erben sollen, an meinen jüngeren Bruder übergeben. Das löst viele Gedanken, Gefühle und Verlustängste in mir aus. Die Frage der Ärztin ist also ein Volltreffer. Offensichtlich war das Verrenken mit der Kiste nur ein Auslöser, nicht aber die tiefere Ursache. Denn mich treiben gerade viele Fragen wegen der Erbangelegenheiten um – mental und psychisch. Die Ärztin setzt mir dann Akupunkturnadeln. Erst ganz zum Schluss renkt sie mich durch kräftigen Druck mit beiden Händen auf die verspannte Rückenpartie im Lendenwirbelbereich ein. Es gibt einen heftigen Knacks. Jetzt weine ich hemmungslos, weil sich plötzlich die Verkrampfung im Rücken löst, die sich seit Tagen immer stärker aufgebaut hatte. Für den Moment bin ich sehr erleichtert. Der geschilderte Vorfall ist jedoch nur der Beginn eines mehrjährigen Rückenleidens. Das weiß ich aber zum damaligen Zeitpunkt noch nicht.

Rückenschmerzen eine Volkskrankheit

Mehr als sieben Millionen Deutsche leiden an Rückenproblemen, wie zum Beispiel ein Bericht in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Es ist ein Kreuz“ eindrucksvoll belegt. Daher kann man durchaus von einer Volkskrankheit „Rückenleiden“ sprechen. Wieso gibt es so oft keine Heilung? An der grundsätzlichen Möglichkeit von Rücken­operationen liegt es nicht. Kritiker sagen vielmehr, dass hier eher zu viel als zu wenig operiert wird, weil Operateure eben operieren wollen, die Krankenkassen solche Eingriffe im Normalfall zahlen und viele Patienten hoffen, dass alle Probleme durch eine entsprechende Operation schlagartig beseitigt werden könnten. Leider ist dem häufig nicht so. Es wäre auch zu einfach. Denn am Rücken hängt meist viel mehr dran. Gerade im Rücken zeigen sich die Grenzen einer rein schulmedizinischen Behandlung und Betrachtungsweise, wenn man isoliert nur einen Körperteil eines Patienten operiert, ohne gleichzeitig die Gesamtverfassung des Menschen in den Blick zu nehmen. Wer schon einmal über einen langen Zeitraum starke Schmerzen erlebt hat, die nicht beseitigt werden konnten, hat nur eines im Sinn: die Schmerzbefreiung oder zumindest eine deutliche Schmerzlinderung. Trotzdem haben Schmerzen eine wichtige Funktion: Sie wollen auf ein Ungleichgewicht oder eine Energieblockade im menschlichen Gesamt-System hinweisen. Denn körperliche Symptome dienen häufig nur als Indikator, als „Sprache der Seele“. Weil so viele Menschen keinen Zugang zu ihrem Inneren und zu ihrer Seele haben, gibt es häufig eine Symptomverschiebung von einem energetischen oder seelischen Problem auf die körperliche Ebene. Dort wird dann das unbeachtete, ungelöste und nicht bewusste Thema durch den Schmerz angezeigt und offenbar. Anscheinend eignet sich gerade der (breite) Rücken als Körperregion „hervorragend“ dafür, uns durch das Symptom „Schmerz“ auf solche ungelösten seelischen Themen oder Probleme aus der Vergangenheit hinzuweisen.

Heilung der Rückenprobleme

In dem Eingangs geschilderten Fall war es ein schwelender Vaterkonflikt, der offensichtlich meinen Rücken blockiert und verrenkt hatte. Nach Meinung der amerikanischen Heilerin Luise Hay haben Probleme im oberen Rückenbereich mit mangelnder seelischer Unterstützung, im mittleren Rückenbereich mit Schuld und im Lendenwirbelbereich mit Existenzsorgen (Sorge ums Geld) zu tun. Ich hatte damals Probleme am vierten Lendenwirbel, also im unteren Bereich der Wirbelsäule. Mir war natürlich zunächst der mögliche Zusammenhang zu den Erbangelegenheiten nicht klar, bei denen es auch objektiv um viel Geld ging, wodurch in meinem Fall obige These von Frau Hay durchaus bestätigt werden kann. Es ging gleichzeitig um den Vaterkonflikt selbst. Ich fühlte mich von ihm nicht genügend anerkannt, geliebt und gewürdigt, ja sogar irgendwie um mein Erbe betrogen. Grund genug für einen Lendenwirbel, durch solch einen inneren (psychischen) Konflikt aus seiner Normalposition zu verrutschen wie in meinem Fall. Ich kam damals möglicherweise um eine Operation herum, weil ich bereit zur Seelenarbeit war. Dadurch konnte ich im Verlauf einiger Jahre tiefere Zusammenhänge erkennen. Als mir etwa die Verbindung meiner Rückenprobleme mit der Erbangelegenheit bewusst geworden war, ich zusätzlich meine Vaterbeziehung verbessert und noch andere Themen aus der Vergangenheit psychisch aufgearbeitet hatte, verschwanden meine Rückenprobleme wieder. Mein „Freund und Helfer“, mein „Diener vierter Lendenwirbel“, ermöglichte mir letztendlich eine umfassende Heilung, weil er mich auf tiefere Konflikte hinwies. Danke Wirbel! Danke verändertes Bewusstsein!

Drei Themen
Seelische Vergangenheit, ungelöste Beziehungsprobleme
Unser Rücken steht grundsätzlich für drei Themenkreise:

  • Auf einer sehr allgemeinen und symbolischen Ebene bedeutet unsere Wirbelsäule die Stütze für den Körper und damit für unser Leben insgesamt. Fühlen wir uns gerade nicht unterstützt, allein oder gar isoliert? Solche Emotionen können leicht zu Rückenverspannungen führen.
  • Unsere seelische Vergangenheit drückt sich häufig im Rücken aus, der das hintere Ende unseres Körpers darstellt, also „hinter“ uns liegt; wenn es unaufgelöste psychische Themen gibt, bietet sich der Rücken als Symptom-Anzeiger förmlich an – gleichsam als eine Art „Echo“ aus der Vergangenheit.
  • Im Speziellen können Rückenschmerzen auch ungelöste Beziehungsprobleme mit dem Vater indizieren. Denn traditionell und instinktiv wird vom Vater Schutz und Stütze in der Familie erwartet.

Der Autor

Peter Maier ist Gymnasiallehrer und Initiations-­Men­tor. Der in Ostbayern geborene Autor durchlief langjährige Fortbildung- en in Gruppendynamik, initiatischer Therapie und christlicher Kontemplation. Dazu kommen Selbsterfahrungen mit Visionssuchen, Familien­auf­stel­lun­gen, in der Männer- und Ritualarbeit und mit vielfältigen alternativen Heilmethoden.

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Bildnachweis: Titelbild; Fotalia |drubig-photo, Foto des Autors Peter Maier

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