Biodiversität: Was Unternehmen tun können

„Biodiversität“ ist ein junger Name für etwas sehr Altes und Kostbares: die Artenvielfalt auf unserem Planeten. Sie ist die Grundlage der Welt, wie wir sie kennen – und sie ist in Gefahr. Jeden Tag. Der Klimawandel, die voranschreitende  Bodenversiegelung und vor allem auch die Intensivierung der Landwirtschaft vernichten zunehmend den Lebensraum unserer Pflanzen und Tiere.

Alle sechzig Minuten sterben bis zu fünf Arten aus. Für immer. Mit ihnen verschwindet neben den Farben, Klängen und Gerüchen, die unsere Umwelt so lebenswert machen, auch die genetische Vielfalt, die für das Fortbestehen des Lebens auf unserem Planeten so immens wichtig ist. Um auch zukünftigen Generationen eine lebenswerte Existenz zu sichern, müssen wir deshalb umdenken. Wir müssen aufhören, von der „Substanz“ unserer Welt zu leben und uns wirklich aktiv für den Schutz unserer Lebensgrundlagen einsetzen. Eine Aufgabe, die zugegeben nicht leicht ist und gerade auch unsere Unternehmen vor Herausforderungen stellt, die mit betriebswirtschaftlichem Denken allein nicht zu lösen sind.

Ökologisches Reinheitsgebot
Dabei gibt es durchaus Beispiele, die zeigen, wie ein solches aktives Engagement praktisch aussehen kann und wie man es auf Dauer erfolgreich in den Unternehmens-alltag integriert. So geschehen etwa bei der Traditionsbrauerei Neumarkter Lammsbräu. Beim Bio-Pionier aus der Oberpfalz verfolgt man schon seit über dreißig Jahren konsequent das Ziel, seine Getränke immer im Einklang mit der Natur auf nachhaltige Weise herzustellen. 1995 stellte man als einer der ersten Getränkehersteller kompromisslos auf einhundert Prozent Bio-Produktion um und verwendete fortan nur noch Zutaten aus dem Ökolandbau. Streng nach Lammsbräus „Ökologischem Reinheitsgebot“. Und obwohl man schon dafür zunächst eher Unverständnis erntete, ließ man es dabei nicht bewenden: Stück für Stück durchleuchtete man bei Lammsbräu jeden Winkel des Unternehmens, stellte Umweltpläne auf und verpflichtete sich zu jährlichen Nachhaltigkeitsberichten, die auch der Fortschrittskontrolle dienen. Immer mit dem Ziel noch schonender zu wirtschaften und als Unternehmen seinen Teil dazu beizutragen, dass auch zukünftige Generationen eine lebenswerte Umwelt vorfinden. Selbst eine eigene, regionale Öko-Erzeugergemeinschaft, die EZÖB,  wurde gegründet, von der Lammsbräu heute alle Braurohstoffe vom Aromahopfen bis hin zur Öko-Gerste bezieht. Mit viel Hingabe überzeugte man die Bauern der Region von den Vorzügen des Ökolandbaus. Schon dies ein Riesenschritt für den Artenschutz, wird auf den Feldern der EZÖB doch aus Prinzip auf jede Art von Agrochemie, wie Pflanzen- und Insektenvernichtungsmittel, verzichtet.

Kulturlandpläne zur Wiederansiedlung gefährdeter Arten
Aber das reichte den umtriebigen Oberpfälzern noch nicht. Gemeinsam mit den EZÖB-Landwirten erarbeitete man bei Lammsbräu deshalb sogenannte Kulturlandpläne, um die Wiederansiedlung und den Schutz gefährdeter Pflanzen und Tiere noch weiter zu fördern. Nach eingehender Analyse der örtlichen Gegebenheiten wurden so spezielle Maßnahmen auf den Weg gebracht, deren Effekte auf den Fel-dern rings um Neumarkt kaum mehr zu übersehen sind. Maßnahmen wie das Anlegen von breiten Ackerrand- und Blühstreifen, die Pflege von Waldrändern und artenreichem Grünland sowie das Pflanzen von Bäumen, Hecken und sonstigen Gehölzen tragen zur Vielfalt bei und schaffen Schutzräume für gefährdete Arten. Gleichzeitig fördern diese Maßnahmen den Humusaufbau und damit das Bodenleben.
Auch die Mitarbeiter in der Brauerei selbst setzen sich für den Artenschutz ein. Im eigens ins Leben gerufenen Projekt „Streuobstwiese“ kümmern sie sich um diesen speziellen Lebensraum rings um heimische Obstbäume. Sie pflegen den Baumbestand, pflanzen Hecken, bauen Fledermauskästen und Insektenhotels als Kleinstbiotope und erhöhen die Artenvielfalt durch die gezielte Wiederansiedlung von Wiesenpflanzen. Besonders am Herzen liegt die Biodiversität auch den  Azubis von Lammsbräu,  die für die Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd eigens einen Info-Pavillon zum Thema entwickelten.

Renaturierung von Flüssen
Und weil man zusammen mehr erreichen kann, engagiert sich Lammsbräu auch abseits der eigenen Brauerei für den Arten- und Biotopenschutz. So arbeitet man schon seit Jahren eng mit dem örtlichen Landschaftspflegeverband (LPV) zusammen und unterstützt diesen zum Beispiel bei der Renaturierung von Flüssen. Zusammen mit dem LPV und dem Landesbund für Vogelschutz initiierte Lammsbräu zudem regelmäßig stattfindende Unternehmerstammtische, um sich mit anderen Betrieben über die Möglichkeiten des Artenschutzes auszutauschen und möglichst viele Menschen für diese wichtige Aufgabe zu begeistern. Genau hier setzt auch das Engagement der Oberpfälzer im bundesweiten Unternehmensnetzwerk „Biodiversity in Good Company“ an, wo man gemeinsam mit anderen Unternehmen und unter dem Motto „Wirtschaften im Einklang mit den Bedürfnissen der belebten Natur“ an praktischen Lösungen für die sich stellenden Herausforderungen arbeitet. Neben seinem praktischen Engagement unterstützt Lammsbräu auch die Forschung. So hat man mit anderen Bio-Firmen das Biodiversitäts-Forschungsprojekt „Firmen fördern Vielfalt“ auf den Weg gebracht (siehe Randspalte).

Firmen fördern Vielfalt
Das „Forschungsprojekt: Firmen fördern Vielfalt” hat sich die Erforschung der Biodiversität auf die Fahnen geschrieben. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Bio-Firmen, zu denen auch Lammsbräu gehört. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und getragen vom Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover in Kooperation mit der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL), der Bioland Beratung sowie der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Im Projekt arbeitet man an Methoden, die es erlauben, die biologische Vielfalt eines Ökosystems schnell erfassen und seine mögliche Entwicklung vorhersagen zu können.
Ein überaus wichtiger Beitrag, denn nur wer den Ist-Zustand wirklich kennt und die Folgen seines Engagements einschätzen kann, kann sich auf
bestmögliche Weise für die Zukunft eines Lebensraumes einsetzen – und das möchte man bei Mitinitiator Lammsbräu. Ein Beispiel, dem hoffentlich viele Firmen folgen.

Und ich selbst?
• Gestalten Sie Ihren Balkon oder Garten naturnah.
• Basteln Sie Rückzugsräume für Insekten, Vögel oder Fledermäuse.
• Kaufen Sie bewusst: Geben Sie Bio-Produkten den Vorzug und unterstützen Sie Firmen, die sich für den Artenschutz einsetzen.
• Informieren Sie sich bei Naturschutzverbänden, hier können Sie z.B. auch bei der Pflege von Biotopen oder Streuobstwiesen helfen.

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