Wohnen mit Lehm und Kalk

Schlechtes Raumklima, gesundheitsschädlicher Schimmel: Die Probleme, mit denen Mieter und Hausbesitzer heutzutage häufig zu kämpfen haben, kannten die Menschen früher kaum, da sie auf die richtigen Materialien setzten – auf Lehm und Kalk.

In keinem anderen Buch ist Kalk auf spielerische Weise derart in den Mittelpunkt gerückt als bei Tom Sawyer: Der jugendliche Held Tom Sawyer wird von Tante Polly dazu verdonnert, den langen Holzzaun zu kalken, was diesen nicht freut, da das Streichen mit Kalk anstrengend ist. Doch der pfiffige Tom findet eine Lösung: als seine Freunde auf dem Weg zum Ferienvergnügen bei ihm vorbeikommen und ihn verspotten, tut er so, als gäbe es keinen herausfordernderen Job als zu kalken. Mit dem Ergebnis, dass seine Freunde ihm sogar ihre Habseligkeiten abtreten, um den Pinsel mit dem Kalk führen zu dürfen und aufgrund ihres Andrangs der Zaun dreimal gekalkt wurde – so intensiv wie nie zuvor.
Was in früheren Zeiten auf der ganzen Welt eine Selbstverständlichkeit war – jedes Jahr die Wände zu kalken – ist heute gerade noch in einigen Dörfern Südeuropas die Regel. Denn aufgrund seines mühsamen Auftragens in mehreren Arbeitsgängen ist Kalk in den letzten Jahrzehnten durch die einfach zu streichende Dispersionsfarbe abgelöst worden. Doch dieser Komfort hat mehrere Haken: Dispersionsfarbe verschließt die Poren des Untergrunds und lässt die Wände nicht mehr atmen. Darüber hinaus sind die in Dispersionsfarben enthaltenen Weichmacher eine ideale Nahrungsgrundlage für Schimmel. Mit Kalkfarben behandelte Wände hingegen bleiben atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und frei von Lösemittel-Ausdünstungen. Darüber hinaus haben sie antibakterielle und schimmelabweisende Eigenschaften. Der Grund: Kalk hat einen hohen pH-Wert, der Schimmelwachstum verhindert und ein antiseptisches Milieu erzeugt. Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften widmeten übrigens die Alchimisten dem Kalk ein eigenes Zeichen – die Kalkrune. Sie symbolisierte den geheimnisvollen Umwandlungsprozess, bei dem mit Hilfe von Wärme aus Kalkstein Kalk und dann wieder Kalkstein wird.
QC15E05Heutzutage haben die Hersteller biologischer Farben dem Kalk viel von seiner Sperrigkeit bei der Verarbeitung genommen. Kalkfarbe lässt sich nun auch mit dem Farbroller auftragen, was früher nicht möglich war; außerdem hat moderne Kalkfarbe eine höhere Deckkraft als früher. Besonders für Feuchträume wie Küchen, Bäder, Keller, Treppenhäuser und Lagerräume, aber auch für Außenfassaden bietet sich Kalkfarbe an.

Ein Lob dem Lehmputz
Doch in der heutigen Zeit, in der die Wärmedämmung von Außenfassaden voranschreitet, droht der Schimmel auch aus einer unerwarteten Ecke: aus unserem Bestreben, möglichst viel Energie sparen zu wollen. Wenn die Wände durch Vollwärmeschutz dicht gemacht wurden und zudem auch die Fenster nicht mehr zu öffnen sind, dann bietet sich eine Pufferzone aus Lehmputz an, mit der Franz Kriechbaum aus Bad Endorf beste Erfahrungen gemacht hat. „Lehmputz kann 30 mal so viel Feuchtigkeit wie ein konventioneller Putz aufnehmen”, so Kriechbaum. Darüber hinaus wirkt Lehmputz antibakteriell und schimmelabweisend und sorgt für ein gesundes Raumklima.
Neben sauberer Luft ist für gesundes Raumklima die Luftfeuchtigkeit von großer Bedeutung. Die Luft sollte nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein. Denn trockene Luft (weniger als 40 Prozent Raumluftfeuchte) reizt Haut und Schleimhäute und macht diese anfälliger für Attacken von Erregern aller Art. Feuchte Luft (mit mehr als 70 Prozent Raumluftfeuchtigkeit) fördert die Schimmelbildung im Raum und wird von den Bewohnern als unangenehm empfunden. Lehmputz wirkt als Klimapuffer: Er kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, diese bei Bedarf aber auch wieder abgeben. Bereits eine dünne Schicht Lehmputz zeigt in Sachen Pufferwirkung erstaunliche Effekte: So beschlagen beispielsweise in Bädern die Spiegel nicht mehr, wenn Wände und Decke mit einem rund 2 Millimeter dicken Lehmputz beschichtet werden.

Moderne Zusatzfunktionen
Lehm gehört zu den traditionsreichsten Baumaterialien und wurde hierzulande in den meisten Gebäuden, die vor 1950 errichtet wurden, auf den Innenwänden und teilweise in den Geschossdecken eingesetzt. Zunächst besteht Lehmputz aus Wasser und Lehm, einer Mischung aus Sand, Schluff (Feinsand) und Ton. Durch die Beigabe von Zuschlagsstoffen lässt sich der Lehmputz heutigen Bedürfnissen anpassen: Beigemischte Pigmente können mehr als 300 Farbtöne erzeugen; die Zugabe haarfeiner Karbonfasern kann sogar eine erstaunliche Schutzwirkung gegen Elektrosmog bringen. Kein Wunder, dass die Materialien Lehm und Kalk bei gesundheitsbewussten Menschen voll im Trend liegen.

Foto: René Antonoff

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Franz Kriechbaum
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Beitrag Ein Meilenstein für den Baustoff Lehm