Rohkost – so geht natürlichster Genuss

„Ist aus einem gekochten Apfel jemals ein neuer Baum erwachsen?“– Simpler lässt sich nicht fassen, nach welchem Raster Lebensmittel als essentiell nahrhaft oder als denaturiert und damit kraftlos eingeteilt werden können. Je mehr lebendige Nahrung wir essen, umso lebendiger können wir uns auch fühlen. Martina Guthmann sprach mit Winfried Holler, dem Pionier der deutschen Rohkostbewegung und erlebte in der Roh-Akademie, wie vielfältig vegane Rohkostküche ist.

In der Roh-Akademie laufen Vorbereitungen für das Mittagsbuffet. Herbert mit seinen 88 Jahren beeindruckt mich ganz besonders: Vor einigen Monaten spürte er zunehmend, dass ihm reine Frischkost am meisten Energie gibt. Damit er noch möglichst lang autark bleiben kann, ist er in die Lüneburger Heide gekommen, um in der Roh-Akademie zu lernen, wie er mit ausgewogenen Zutaten, den richtigen Küchen-Geräten und mit überschaubarem Aufwand noch mehr Vielfalt in seine Rohkostküche bringen kann. Und dies zu vermitteln, gelingt den Seminarleitern vortrefflich. Egal ob bei den Zucchini-Spaghetti mit Tomatensalsa und Cashew-Knoblauch-´Parmesan´, bei Pizza aus gekeimtem Buchweizen mit veganer ´Käsecreme´ aus Nüssen und Gemüse, bei Smoothie, Müsli-Crunch mit Mandelmilch, Fruchtsorbet und Rohkostpraline – die ganze Gruppe, die vorher eifrig mit dem Hochleistungsmixer Vitamix, dem Spiralschneider oder dem Dörrgerät am Werkeln war, ist nun ganz schweigsam beim Genießen.

Rohkost für sich entdecken
Winfried-Holler„Dass sich Rohkost und Genuss ausschließen, ist nur eines der typischen Vorurteile gegen diese Küche, das wir in unseren Seminaren schnell widerlegen“, schmunzelt Winfried Holler, der Gründer der Roh-Akademie und  Inhaber des Keimling Naturkost-Versandes. „Es braucht nur das richtige Handwerkszeug, entsprechendes Know-how bei der Kombination von Zutaten und vor allem Nahrung, die keinerlei Denaturierung erfahren hat. Damit lässt sich so viel Leid und Krankheit auf der Welt vermeiden.“
Holler selbst ging schon vor über 45 Jahren als Teenager ein Licht auf, als er seine Eltern beobachtete, die wider besseren Wissens ihre Gesundheit ruinierten, obwohl sie schon damals Fachliteratur zu veganer Rohkost lasen. „Dem Wissen um natürliche, gesunde Ernährung muss auch die Hilfe bei der konkreten Umsetzung im Alltag folgen: Was kaufe ich ein? Welche Geräte sind hilfreich? Wie bereite ich ohne Erhitzen eine leckere Mahlzeit zu? Wie bringe ich Abwechslung in meine Küche? Wie umgehe ich Gewohnheits-Fallen?“ Holler hat recht: Am stärksten beeinflusst und konditioniert sind wir alle durch unsere liebgewordenen Gewohnheiten – vom Sonntagsbraten bis zum Festtagskuchen, von der obligatorischen Biergarten-Brezel bis zum Kaffeeklatsch mit Latte macchiato. Das Leben spinnt zwischen allen Ereignissen ein reiches Netz an Erinnerungen und Gefühlen, die wir mit bestimmten Gerichten verbinden.
Und diese Ernährungsmuster abzulegen und Alternativen zu den omnipräsenten Gerichten und Produkten aus Fleisch, Eiern, Zucker, Milch und Mehl zu finden, ist die Herausforderung, bei der Keimling Naturkost und die Roh-Akademie mit Sachverstand und ganzem Herzen begleiten.

Tipps für die erfolgreiche Umstellung  
„Der Einstieg gelingt vielen Menschen am leichtesten über unsere Roh-Fasten-Kurse, die wie ein mentaler Reset wirken. Andere ersetzen zunächst eine oder zwei Mahlzeiten durch Rohkost oder führen einen Rohkost-Tag in der Woche ein“, erzählt Holler, der weiß, dass sich die Freude an dieser Ernährung entwickeln muss und nicht von außen aufoktroyiert werden kann. Das fängt mit ganz einfachen Tricks an, z.B. für den plötzlichen Heiß-Hunger eine gesunde Alternative wie Mandeln bei der Hand zu haben oder im Kühlschrank das Gemüse ins Blickfeld zu rücken. „Ein gesundes Verdauungssystem liebt die Rohkost. Anfangsschwierigkeiten mit Rohkost weisen auf eine Schwäche im Stoffwechsel hin, die sich wiederum am besten mit einer möglichst wenig denaturierten Nahrung beheben lässt“, weiß Holler. Dabei heißt es genau hinschauen und Produktwissen aufbauen: So ist z.B. per Gesetz jede kalifornische Mandel pasteurisiert und dadurch ebenso denaturiert wie eine geröstete. Das Beraterteam von Keimling Naturkost steht mit Tipps für die Umstellung auf Rohkost-Ernährung zur Seite. So ist Hollers Traum, möglichst allen Menschen in allen Lebenssituationen schmackhafte Rohkost nahezubringen, schon ein Stück weit Realität. An seiner Vision, Rohkost-Coaches in Kinderkrippen, Betriebskantinen und Seniorenheime zu entsenden, bleibt er dran. Holler: „Man kann nicht früh genug auf ausgewogene Rohkost umstellen – aber es ist auch nie zu spät dafür.“

Foto: © Keimling Naturkost

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Rezepte-Tipp: Rohkost-Creme