Gesund werden und bleiben durch die Natur: 125 Jahre Jungborn

Bewegung, Sonnenlicht, frische Luft und eine gesunde Ernährung – was heute als banales Rezept für Gesundheit und Wohlbefinden erscheint, war im 19. Jahrhundert revolutionär. Am 21. Juni 1896, vor 125 Jahren, eröffnete Adolf Just (1859–1936)  im Eckertal bei Stapelburg im Harz den Jungborn als „Lehranstalt für naturgemäße Heil- und Lebensweise“. Mit seiner Kur, die wir heute als „Medical Wellness“ bezeichnen würden, traf Just den Nerv der Zeit: Der Jungborn entwickelte sich zur größten Naturheilanstalt in Deutschland. Bis zu 350 Besucher kamen täglich, um das naturnahe Leben zu erfahren, darunter viele vermögende und berühmte Menschen. So suchten die Schauspielerin Marika Rökk, der Schriftsteller Franz Kafka oder der Philosoph und Anthroposoph Rudolf Steiner den Jungborn auf, um ihre Leiden zu kurieren oder sich zu erholen. Neben Licht, Luft und Wasser war natürliche Heilerde ein zentrales Element bei den Anwendungen einer Jungborn-Kur.

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Heilung in der Natur gefunden

„Die Natur irrt nicht, sie hat immer recht“, war die Überzeugung von Adolf Just, denn sie hatte ihn selbst geheilt[1]. Aufgrund eines Nervenleidens hatte er sich erfolglos an die Schulmedizin gewandt. Erst seine konsequente Hinwendung zur Natur führte zur ersehnten Heilung. Er lebte dazu in einer zugigen „Licht-Luft-Hütte“ im Wald, schlief auf bloßem Boden, lief im Sommer wie im Winter barfuß und ernährte sich ausschließlich vegetarisch. Seine erfolgreiche Eigentherapie sprach sich herum und Just gewann immer mehr Anhänger.

Sie drängten ihn, eine eigene Heilanstalt für das von ihm entwickelte Verfahren zu eröffnen. Am 21. Juni 1896 war es soweit: Auf einer Waldlichtung im Harz errichtete Just zwei nach Geschlechtern getrennte Licht-Luft-Parks mit offenen und geschlossenen Licht-Luft-Häuschen. Unter Leitung seines Bruders Rudolf Just wuchs das Gelände auf etwa zehn Hektar an, um die steigende Zahl der Kurgäste unterbringen zu können. Der Tag im Jungborn begann mit dem Weckruf früh morgens. Man begab sich zumeist nackt ins Freie, nahm ein erfrischendes Bad im „naturkalten“ Wasser und stürzte sich mit Eifer in die Morgengymnastik. Danach standen Wanderungen, Sport, Kuranwendungen und vegetarische Kost auf dem Programm. Eine Gärtnerei stellte die Versorgung mit Obst und Gemüse sicher.

Das Naturheilmittel Heilerde wiederentdeckt

Im Jungborn legte Adolf Just den Grundstein für eine in Vergessenheit geratene Heilmethode: Er behandelte seine Patienten mit heilender Erde, für die er den Begriff „Heilerde“ prägte. Zunächst nutzte er sie in Form von Wickeln, Packungen und Bädern zur Behandlung von Wunden. Später führte er auch die innerliche Anwendung der Heilerde ein. Während Luvos-Heilerde zu einem unverzichtbaren Teil der modernen Naturheilkunde wurde, musste der Kurbetrieb im Jungborn zum Ende des zweiten Weltkrieges eingestellt werden; die Anlage wurde beschlagnahmt. Sie diente erst als Lazarett für die Wehrmacht, später zur Kinderlandverschickung. Nach dem Krieg war das Gelände Teil der sowjetisch besetzten Zone und beherbergte eine Tuberkulose-Heilstätte. 1960 bis 1962 noch als Altersheim genutzt, fiel der Jungborn 1964 im Zuge der Maßnahmen zur Sicherung der innerdeutschen Grenze der Abrissbirne zum Opfer.

Die Erinnerung an das Naturheilzentrum hält der Förderverein Jungborn Harz e. V. auf dem damaligen Kurgelände wach. Er präsentiert das ganzheitliche Jungborn-Konzept vor Ort mit einem detailgetreuen Modell des Naturareals mit seinen etwa 70 Licht-Luft-Hütten, Villen, Badehäusern, Stallungen, Äckern und prachtvollen Bepflanzungen. Dazu kommen Infotafeln sowie Vorträge und Feste. Mit zwei im Original nachgebauten Licht-Luft-Häusern und einigen mobilen Einrichtungen versucht der Verein, die Jungborn-Atmosphäre von damals heute wieder erlebbar zu machen Info: www.jungborn-harz.eu.

[1] Genaueres über das Leben von Adolf Just erfahren Sie in der Biografie „Adolf Just“ von Andrea Schrickel, ISBN 978-3-00-053055-5, Herausgeber: Heilerde-Gesellschaft Luvos.

 

Adolf Just und die heilende Erde

Erde als Heilmittel sollte zu Adolf Justs Passion werden. 1908 übergab er die Leitung des Jungborns an seinen Bruder Rudolf und suchte nach einer Erde, die er für seine therapeutischen Zwecke einsetzen konnte. In der Nähe Blankenburgs stieß er schließlich auf ein geeignetes Lössvorkommen. Dieser Löss verfügt über eine optimale Zusammensetzung natürlicher Mineralien und Spurenelemente. Er eignet sich daher besonders für die innerliche und äußerliche Anwendung. Just entwickelte ein spezielles Verfahren zur Aufbereitung, indem er den Löss trocknete, siebte und vermahlte. Er nannte seinen Löss „Heilerde“ und gründete 1918 die Heilerde-Gesellschaft Luvos.

Justs Heilerde und ihre Bedeutung für die Naturheilkunde wurden über die Grenzen Europas hinaus bekannt. 1926 verlieh ihm die Hochschule für Naturheilkunde in New York das Diplom des „Doctor of Naturopathy“. Mahatma Gandhi schrieb in seiner Biografie über die guten Heilerfolge mit Heilerde; in seinem Buch „Nature Cure“ widmete er ihr das erste Kapitel. Heute ist Luvos-Heilerde das einzige zugelassene Naturarzneimittel mit dem Wirkstoff Heilerde zur innerlichen Anwendung bei Sodbrennen, funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen wie Reizdarm und Reizmagen sowie zur Bindung von Cholesterin und Schadstoffen aus der Nahrung.

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22. Juni 2021
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