E-Mobilität

Das E-Bike wird für Millionen von Deutschen immer mehr zu einem praktischen Mobilitätspartner.

Ob für den Weg zur Arbeit oder in der Freizeit, das E-Bike ist vielseitig einsetzbar. Darüber hinaus bieten E-Lastenräder eine saubere, leise und platzsparende Alternative für die private und gewerbliche Warenlogistik in unseren Städten. Von Claudia Schwarzmaier.

Fahrradfahren hat bekanntermaßen viele Vorteile, man bewegt sich an der frischen Luft, kommt schnell von A nach B und es ist umweltfreundlich. Es kann aber auch ganz schön anstrengend werden. Kein Wunder also, dass die Idee eines Elektrofahrrads nicht neu ist. Schon vor 120 Jahren verkehrten erste elektrische Fahrräder auf europäischen und amerikanischen Straßen. Doch die Speicherung der elektrischen Energie und die Regulierung des Elektroantriebs waren ein großes Problem, der Durchbruch blieb aus. Heute wächst der E-Bike Markt im Rekordtempo. Im Jahr 2017 wurden allein in Deutschland 720.000 E-Bikes verkauft. Claus Fleischer, Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems, prognostiziert: „Wir halten es für realistisch, dass in zehn Jahren jedes zweite neu verkaufte Fahrrad in europäischen Kernmärkten ein eBike ist“. Momentan sind 99 Prozent aller verkauften E-Bikes eigentlich Pedelecs oder modern ausgedrückt „E-Bikes 25“; sie bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Pedelecs gelten als Fahrräder und sind noch nicht zulassungspflichtig, sie dürfen aber eine Maximalgeschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde nicht überschreiten. Ganz anders bei den „echten“ E-Bikes: Sie fahren auf Knopfdruck auch ohne Pedalunterstützung. E-Bikes 45 sind schnelle E-Bikes, für die man eine Fahrerlaubnis, eine Versicherung und ein Kennzeichen braucht und für die überdies Helmpflicht besteht.

In der Stadt das schnellste Verkehrsmittel

Viele Faktoren tragen zum Erfolg der E-Bikes bei. Optisch unterscheiden sie sich kaum noch von einem „normalen“ Fahrrad, der Akku ist integriert. Die Produktpallette ist beachtlich, da ist für jeden etwas dabei, vom hippen E-Urban-Bike über E-Trekkingräder und E-Mountainbikes bis zum E-Lastenrad. Und es gibt interessante neue Geschäftsmodelle rund um das E-Bike, wie Leasing, Cargo oder Bikesharing und ein großes Potential liegt beim täglichen Weg zur Arbeit. Immerhin gibt es rund 20 Millionen Berufspendler, von denen die Hälfte weniger als 10 Kilometer täglich fährt. Auf diesen Strecken im Stadtverkehr ist das E-Bike das schnellste Verkehrsmittel. Laut Umweltbundesamt sind die CO2-Emissionen bei einem Pkw rund vierzigfach höher als beim Fahrrad mit Elektromotor. Wer für kurze Strecken also statt aufs Gaspedal zu treten auf das E-Bike setzt, schont die Umwelt – und ist zudem leise und ökonomisch unterwegs. Noch besser, wenn der Arbeitgeber ein E-Dienstrad unterstützt (siehe Randspalte). Aber auch im gewerblichen und privaten Transport können E-Lasten- oder Cargoräder einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der chronisch verstopften Städte leisten. Innerhalb der Flotten großer Logistikdienstleister finden sich vermehrt E-Lastenräder. Die Deutsche Post DHL Group beispielsweise betreibt mit rund 12.000 E-Bikes und E-Trikes sowie ihren E-Fahrzeugen die größte E-Flotte in Deutschland. Interessant für Unternehmen, Kommunen oder Organisationen: Seit dem 01. März 2018 sind unter anderem elektrisch unterstützte Lastenräder und -anhänger durch einen Zuschuss von 30 Prozent bis maximal 2.500 Euro förderfähig. Dies wird durch die sogenannte Kleinserien-Richtlinie des Bundesumweltministeriums geregelt.

Sicher mobil

Die Vorteile der E-Bike Nutzung liegen auf der Hand, stellt sich die Frage, was es für Hindernisse gibt. Einer der größten Bremsklötze ist sicher die noch nicht optimale Infrastruktur. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband ZIV fahren E-Biker deutlich häufiger, länger und im Schnitt rund zwei Km/h schneller als mit dem konventionellen Fahrrad. Dafür müssen passende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das bedeutet: breite und durchgängige Radwege, ausreichend Ladestationen und diebstahlsichere Abstell-möglichkeiten. Es bedarf einer ausgeklügelteren Straßenführung, die besser auf die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer abgestimmt ist, um Konflikte zu minimieren. Wie so oft lohnt es sich als Bürger aktiv zu werden, um die Politiker zu motivieren, sich dieser Themen anzunehmen (siehe Randspalte). Ideen sind vorhanden, bis hin zu modernen Hochstraßen nur für E-Bikes und E-Motorräder. Doch ein Faktor wird auch in Zukunft der wohl wichtigste bleiben, egal wie optimal die Infrastruktur sich entwickelt: Das verantwortungsbewusste Handeln jedes Einzelnen. Nur mit Rücksicht auf Natur und Mensch profitieren alle Beteiligten. So praktisch E-Bikes auch sind, man muss nicht alles damit erobern, schon gar keine Berge. Gerade in der Freizeit wäre Entschleunigung sicher nicht schlecht.

Diensträder – Eine Win-Win Situation

Laut ADAC sind Arbeitnehmer, die zur Arbeit radeln, zufriedener als ihre Kollegen, die mit dem Auto pendeln und sie sind auch seltener krank. Es lohnt sich deshalb für Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern Diensträder zur Verfügung zu stellen. Für die Arbeitnehmer wird es besonders interessant, wenn das Dienstrad ein E-Bike ist. Diese sind nicht gerade günstig und kosten schnell mal 2.000 Euro und mehr, gibt der Chef aber Geld dazu, wird es als Dienstrad erschwinglich und es darf auch privat gefahren werden. Es empfiehlt sich, die Diensträder zu leasen statt zu kaufen. Als Arbeitgeber hat man kaum Aufwand, wenn man mit der Abwicklung einen Leasing-Anbieter wie beispielsweise Jobrad oder Eurorad beauftragt. Als Arbeitnehmer muss die Privatnutzung des Fahrrads lediglich mit einem Prozent des Fahrradneuwerts als „geldwerter Vorteil“ versteuert werden.

www.jobrad.org
www.eurorad.de

Bürgersinn – Für eine emissionsfreie Zukunft

In den Niederlanden gingen die Bürger schon in den 1970er Jahren auf die Straße, um für bessere Verkehrskonzepte zu kämpfen. Heute diskutiert man in Amsterdam nicht mehr darüber, ob man Parkplätze für Radwege opfern könne, jetzt wird gefragt, warum überhaupt noch Autos in die Innenstädte fahren dürfen. In der Schweiz erreichte eine Initiative, dass der Bund vermehrt Radwegenetze fördert. Auch in Deutschland bilden sich Radentscheid-Initiativen. Mit Bürgerentscheiden wollen diese eine fahrradfreundlichere Mobilitätspolitik erreichen.

www.radentscheid-­frankfurt.de

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Bildnachweis: Titelbild Riese & Müller

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