Buch-Tipp: Einen Sommer lang

Buch-Lesung Einen Sommer lang

 

Der Erstlings-Roman von Kerstin Maria Pöhler.

Über den Sinn seines Lebens hat Leonard Zepp selten nachgedacht. In den vergangenen Jahren galt seine Aufmerksamkeit seiner Baufirma, die er mit seiner Frau zu einem erfolgreichen Unternehmen ausbaute. Dabei sind Familie und persönliche Wünsche auf der Strecke geblieben. Nun steht er vor einem neuen Lebensabschnitt. Die Jahre der Pflicht liegen hinter ihm. „Der Augenblick, den ich in den letzten Jahren herbeigesehnt hatte, war da. Alles Schwere fiel von mir ab. Ich genoss das Gefühl der Leichtigkeit. Endlich frei!“

Eindringlich schildert Kerstin Maria Pöhler in ihrem ersten Roman „Einen Sommer lang“ Leonards Neuorientierung und seine Phasen von Euphorie, Enttäuschung und neuem Lebensmut. Doch Leonards Sehnsucht nach einem glücklichen Lebensabend wird jäh enttäuscht, er hat sich von seiner Familie entfremdet: Seine Ehe versinkt in Sprachlosigkeit, zu seinem erfolgreichen Sohn findet er keinen Kontakt und seiner Tochter kann er in ihrer Krise nicht beistehen. Er hat über Jahre in einer Scheinwelt gelebt und ist nun mit der Frage nach dem Sinn seines Lebens konfrontiert. In der Philosophie hofft er eine Antwort zu finden, doch auch die Beschäftigung mit Epikur und der Stoa mündet in eine emotionale Sackgasse. Ist Philosophieren nicht eine Flucht vor den Herausforderungen des Lebens? In dieser Phase der Zerrissenheit begegnet er Isabel, einer ungewöhnlichen Frau, die sein Leben verändert. In ihrer Beziehung erleben sie ein unerhofftes Glück und ein erfülltes Leben scheint greifbar.

In „Einen Sommer lang“ steht Leonards Denken, sein Fühlen und Handeln im Mittelpunkt. Durch die Fokussierung auf den Protagonisten entwickelt Kerstin Maria Pöhler seine Beziehungslosigkeit zu seiner Umwelt und seinen Gefühlen. Erst mit Isabel gelingt es ihm, das ‚in sich selbst Kreisen’ aufzubrechen und – als fast es zu spät ist – eine wirkliche Verbindung zu einem Du aufzubauen. Leonard Zepp, so die Autorin, sei typisch für die Kriegsgeneration, dazu erzogen worden, keine Gefühle zu zeigen. Geredet wurde wenig, schon gar nicht über Zwischenmenschliches, es zählten Arbeit und Erfolg. Darüber vergaßen sie sich selbst. Leonhard Zepp ist zwar Kind seiner Zeit, trägt aber das Potenzial zur Veränderung in sich.

Leseprobe: Eine mutige Reise zu sich selbst

507171419351Kerstin Maria Pöhler
Einen Sommer lang
Roman
Quell Verlag, 325 Seiten, gebunden
Preis: 24,90 EUR
e-book, 19,90 EUR
ISBN 978-3-9812667-5-7
Erhältlich im Buchhandel oder im Quell-Shop