Ackergifte? Nein Danke!

Das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft engagiert sich dafür, dass künftige Generationen ökologischen Landbau betreiben und unbelastete Nahrung zu sich nehmen können.

Was hat ein Wasserhersteller mit Ackergiften zu tun? Eine ganze Menge. Denn Ackergifte können durch das Erdreich in die Wasservorkommen gelangen und das führt zu immer größeren Problemen in Punkto Wasserqualität. So hat eine kürzlich veröffentlichte Übersichtsstudie zum Zustand des deutschen Grund- und Trinkwassers erschreckende Ergebnisse gezeigt: Seit 2012 wurden im deutschen Grundwasser 35 verschiedene Pestizide und Herbizide gefunden. Bereits in 63 Prozent der untersuchten Grundwässer sind Abbauprodukte von Herbiziden zu finden (siehe auch Übersichtskarte: Der Zustand von Grund- und Leitungswasser). Bislang ist das für Martin Abfalter kein Problem. Seine unter den Marken St. Leonhards und St. Georgs vermarkteten Tiefenquellen sind seit Jahrzehnten von gleichbleibender Qualität. Dennoch engagiert sich der Firmenchef der St. Leonhards-Vertriebs GmbH & Co KG im Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Dieses hat es sich auf die Fahnen geschrieben, dem Gebrauch von Ackergiften wie etwa Glyphosat gute Argumente und umweltfreundliche Alternativen entgegen zu setzen.

Aktion von Biopionieren

Im Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft hat Abfalter erfahrene Mitstreiter: Biopioniere wie Rapunzel oder Neumarkter Lammsbräu zählen ebenso dazu wie Sonnentor oder die Schweisfurth Stiftung. Viele der Bündnispartner sind Bio-Hersteller und Bio-Händler der ersten Stunde. Sie wollen mehr, als nur heute für gute Lebensmittel zu sorgen. Sie wollen, dass auch künftige Generationen ökologischen Landbau betreiben und unbelastete Nahrung zu sich nehmen können. Denn den Bündnispartnern ist bewusst geworden, dass sich die verwendeten Ackergifte flächendeckend über das Land ausbreiten und ins Erdreich eindringen. In ihrem Bestseller „Die Geschichte der Bienen“ beschreibt die norwegische Autorin Maja Lunde aufrüttelnd, wie der Einsatz von Ackergiften zum Sterben von bestäubenden Insekten und schließlich zum Kollaps unseres bisherigen Lebensstils führt: denn ohne Bestäubung bringen viele Pflanzen keine Früchte hervor. Die fatalen Folgen sind Hungersnöte aufgrund eines extrem eingeschränkten Nahrungsmittelangebots sowie Energieknappheit durch den Wegfall von Energiepflanzen. In ihrem Roman setzt Maja Lunde den Kollaps für das Jahr 2045 an.

Bündnis für eine Enkeltaugliche Landwirtschaft

Den Vorboten einer derartigen Entwicklung will das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft nicht tatenlos zusehen: Am 27. November 2017 stimmte die EU-Kommission dafür, den Einsatz des Ackergifts Glyphosat für weitere fünf Jahre zu gestatten. Entgegen den politischen Regeln votierte der damalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt für Glyphosat – und brüskierte damit die Regierungskoalition und die ökologische Lebensmittelwirtschaft. Am Tag danach, dem 28. November 2017, riefen dreizehn Bündnispartner das „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ ins Leben. Damit wollen die Bündnispartner sich einem Problem entgegenstemmen, das viel weitere Kreise zieht, als viele Menschen annehmen. Dass Ackergifte nicht nur eine Angelegenheit ihrer Nutzer sind, belegte eine Feldstudie des Jahres 2015. In der so genannten „Urinale“-Studie, hatten insgesamt 2.011 in Deutschland lebende Teilnehmer ihren Urin zur Untersuchung zur Verfügung gestellt. Das erschreckende Ergebnis: 99,6 Prozent der Teilnehmenden hatte das Ackergift Glyphosat im Urin. Da sich mehr als die Hälfte der Probanden überwiegend „bio“ ernährte und Bio-Produkte erwiesenermaßen kaum Pestizidrückstände aufweisen, stellte sich die Frage, woher das Gift kam. Der Verdacht: „Es liegt in der Luft. Die Verfrachtung von Pestiziden macht nicht am Rand konventioneller Felder halt, sondern treibt über Bio-Äcker bis hinein in die Städte“, ist in der Broschüre der Kampagne „Ackergifte nein danke“ nachzulesen. Pro Jahr werden in Deutschland rund 40.000 Tonnen Pestizide auf die Felder gestreut.

Studie Baumrinde 2018

Um weitere Erkenntnisse über die Verbreitung von Ackergiften zu gewinnen, gab das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft kürzlich die Studie „Baumrinde 2018“ in Auftrag. Denn Baumrinden sind gute Indikatoren, da sie Substanzen aus der Umwelt speichern. Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2017 hat bereits gezeigt: Selbst an städtischen Standorten, wie dem Englischen Garten in München, waren Pestizide nachweisbar. Mit der Baumrinden-Studie will das Bündnis als nächsten Schritt dazu beitragen, eine belastbare Grundlage für die Abschätzung der Luftverfrachtung von Ackergiften zu schaffen. „Wir arbeiten für einen pragmatischen Wandel hin zu einer Landwirtschaft ohne Ackergifte. Dabei setzen wir auf Dialog und fundierte Argumente. Dazu bedarf es einer unabhängigen Forschung, die die Komplexität der lebendigen Zusammenhänge in den Blick nimmt“, so bringt das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft sein Engagement auf den Punkt.
www.enkeltauglich.bio

Die Kampagne – Ackergifte?Nein danke!
Das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft ist davon überzeugt: „Gifte haben auf unseren Äckern und in unserem Essen nichts zu suchen!“ Weil sich aber Ackergifte flächen-deckend über das Land ausbreiten, besteht die Gefahr, dass ökologische Landwirtschaft und Bio-Lebensmittel in Deutschland künftig nicht mehr möglich sind. Deshalb setzt sich diese Initiative dafür ein, dass ökologische Landwirtschaft zum Normalfall wird. Die Bündnispartner sehen sich dabei als Visionäre und nicht als Träumer. Sie wissen, dass das Ziel nicht von heute auf morgen zu erreichen ist. Beständig arbeiten sie an einem pragmatischen Wandel hin zu einer Landwirtschaft ohne Ackergifte.

www.ackergifte-­nein-­danke.de

 

Vorlage Grafik: Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V.

 

 

 

Buch-Tipp

Ackergifte? Nein danke!
Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft
Ute Scheub

Die Autorin zeigt, welche Lobbys den Einsatz von Gift auf unseren Äckern propagieren, sie deckt Unwahrheiten auf, mit denen die Verbraucher beruhigt werden sollen und beschreibt Lösungen, die zu einer gesunden, vielfältigen und enkeltauglichen Landwirtschaft führen.

ISBN: 978-3-927369-87-0
Verlag: thinkOya , 128 Seiten, 10 Euro

Buch-Tipp

Die Geschichte der Bienen
Maja Lunde

Der internationale Bestseller aus Norwegen beschreibt drei Familien in England, USA und China, die – getrennt durch Jahrhunderte – durch die
Geschichte der Bienen verbunden sind.

ISBN: 978-3442756841
Verlag: btb Verlag
511 Seiten, 20 Euro

 

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Bildnachweis: Titelbild, Monika Frei-Herrmann

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