Nach Aussagen der Vereinten Nationen (UN) ist Wasser das Element, durch das die Welt die Effekte des Klimawandels als erstes zu spüren bekommt. Schon heute zeichnet sich ab: Niederschläge lassen sich immer schwerer voraussagen; in Regionen, wo es früher genug Wasser gab, leidet die Landwirtschaft mehr und mehr unter Wasser-Mangel. Und die Landwirtschaft ist der größte Wasser-Verbraucher: 70 Prozent des weltweiten Wassers wird auf die Felder der Landwirte geleitet.

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Schon heute leben zwei Milliarden Menschen in Ländern mit Wasser-Mangel und bis zum Jahr 2040 wird ein Viertel der Kinder weltweit in Gegenden aufwachsen, in denen Wasser zu einer extrem knappen Ressource geworden ist. Wasser-Mangel könnte dazu führen, dass bis zum Jahr 2030 bis zu 700 Millionen Menschen ihre Heimat auf der Suche nach besseren Lebensgrundlagen verlassen, so analysiert die UN.

Beispiele aus Kalifornien, Spanien und Australien

In ihrer Studie, die Wissenschaftler von der Universität von Adelaide (Australien) vorlegten, fanden sie heraus, dass Wasser-Diebstahl überall vorkommt. Nicht nur in armen Ländern sondern auch in so wohlhabenden Ländern wie der Schweiz oder Deutschland. Anhand von drei Beispielen zeigten sie auf, welche Formen der Wasserdiebstahl annehmen kann: In Südspanien beispielsweise sorgt der massive Raubbau etlicher Bauern, die mit illegalen Brunnen ihre Erdbeer-Plantagen bewässern, für leere Grundwasserspeicher und einen Umweltskandal. Denn dieser Wasserdiebstahl gefährdet die Zukunft des berühmten Doñana-Nationalparks, eines der wichtigsten Natur- und Vogelschutzgebiete Südeuropas, das auch zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Rund die Hälfte des Erdbeer-Wasserstroms, so die Schätzungen, wird ohne Genehmigung auf die Felder gepumpt. Bis zu 2000 illegale Brunnen hat man im Umfeld des Doñana-Feuchtgebiets entdeckt. Für den Doñana-Park stellt dies eine tickende Zeitbombe dar.

In Nordkalifornien ist illegaler Marihuana-Anbau eine der großen Ursachen von Wasserdiebstahl. Milliarden Liter werden dafür aus nahe gelegenen Flüssen und Bächen abgezweigt, berichtete der TV-Sender PBS. Im Zusammenspiel mit der biblischen Dürre, die den Südwesten der USA seit rund 14 Jahren im Griff hat, führt der Wildwuchs zu dramatischen Folgen: Die Grundwasserpegel sind stark gesunken, wie Auswertungen von Satellitendaten zeigen. Die Region zehrt offenbar schon seit Jahren von ihren Reserven.

In Australien wurden Diebstähle bei Baumwollbewässerungsanlagen erstmals 2017 aufgedeckt. Die dortigen Bauern entnahmen trotz Verboten zum Schutz der Umwelt Wasser für ihre Plantagen. Mehr als neunzig Prozent der Baumwolle Australiens wird am Oberlauf des Murray-Darling-Flusssystems angebaut. Baumwollpflanzen sind enorm durstig und so kommt am Unterlauf des Flusses Murray nur noch wenig Wasser an – Wasser auf das beispielsweise Schafzüchter dringend angewiesen sind.

Was gegen Wasser-Diebstahl helfen kann

Nach Aussage von Dr. Adam Loch, dem Leiter der australischen Studie, kommt es vor allem dort zu Diebstählen, wo es keine oder nur unzureichende Kontrollen und Gesetze gibt. In Kalifornien beispielsweise ist Wasserraub ein Symptom eines tiefergehenden Problems, das die Wasserversorgung des amerikanischen Bundesstaats ernsthaft bedroht: Die Grundwasser-Entnahme wird nicht zentral dokumentiert, und sie ist kaum kontrollierbar. So gibt es in Kalifornien fast 30.000 Besitzer von Wasserentnahme-Lizenzen, doch längst nicht alle haben Wasserzähler installiert oder würden ihren Verbrauch vorschriftsgemäß melden, berichtete die Zeitung “The Fresno Bee”.

Oft werden auch Behördenvertreter, die Wasserdiebstähle aufdecken, von den Nutznießern des gestohlenen Wassers, angegriffen. So konnte in den USA die Polizei oft nur machtlos zusehen, wenn Marihuanabauern Wasser aus Hydranten abzapften. In Spanien wurden Aufsichtsbehörden angegriffen, als sie versuchten, gegen Wasserdiebe vorzugehen. Neben strengeren administrativen Einrichtungen brauche es nach Einschätzung von Studienleiter Loch auch mehr Durchsetzungskraft.

Durch Investitionen und Technologien im Bereich der Wassereffizienz wird weltweit in der Landwirtschaft daran gearbeitet, Wassermengen einzusparen. Mit neuen Technologien können 10 bis 20 Prozent des Wassers gespart werden. Könnte zusätzlich das gestohlene Wasser wieder dem normalen Kreislauf zugeführt werden, wären die Einsparungen enorm – und die Ressource Wasser könnte gerechter verteilt werden.

Bildnachweis: depositphotos|casadaphoto

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