Waldviertel: Traditionelles Handwerk innovativ weiterentwickelt

Im Waldviertel hat sich Reiseexpertin Martina Guthmann umgesehen. Hier ihr 2. Tipp zu dieser Region voller Gegensätze

Julian Weber, Ur-Ur-Urenkel der gleichnamigen Waldviertler Glasmacherfamilie, präsentiert sein Abschlussprojekt von der Glasfachschule: ein gläserner Couchtisch, der über Bluetooth Musik abspielt. Das Werk ist hörbar gelungen und öffnet nicht nur die Ohren, wie Glas schwingt und klingt, sondern auch die Augen für die jahrhundertelange Tradition des Glasschleifens im Waldviertel. Die faszinierende Ausstellung im Harbacher Kristallium zeigt die unersetzbare Bedeutung des Werkstoffes und seine zeitlose Schönheit. Jeder Gast hat dann die Möglichkeit, am Schleifstein selbst Hand anzulegen.
Ihr Glück im wahrsten Sinne in die Hand genommen und auf den Traditionen ihrer Ahnen aufgebaut haben viele Waldviertler. „Bestimmte Handarbeiten kann keine Maschine der Welt ersetzen,“ sagt Heini Staudinger über die Millimeter-Arbeit für den bequemen Gea-Schuh. Das gilt genauso für Unikate aus Gewebtem, aus Gewalktem, aus Stein, Holz, Keramik und Eisen.
Den Waldviertler Familienbetrieben liegt am Herzen, den Wert ihres Handwerks weiterzutragen. So können Gäste ganzjährig an Führungen teilnehmen und sich auch selbst versuchen – beim Amethyst-Schürfen, beim Seifen-Sieden, beim Perlmutt-Bearbeiten, beim Korbflechten und sogar beim Drechseln. Im März und April finden Handwerks-Wochen statt, bei denen etwa Drechsler-Meister Andreas Reiter Kniffe seines Handwerks zeigt und den Teilnehmern hilft, ein eigenes Werkstück zu gestalten. Unkonventionell und kreativ läuft seit 17 Jahren das Lernen in der Sommer-Akademie in Motten ab. Jährlich zwischen Mai und September organisiert der Künstler Alf Kraulitz unter freiem Himmel vielfältige Workshops vom Film- bis zum Töpfer-Kurs. Beim Eisenschmiede-Kurs haben sich auf diese Weise schon wahre Männer-Träume erfüllt. Sonnenuhren zu schmieden ist allerdings ein sehr schwieriges Unterfangen, das sich nicht in wenigen Tagen lernen lässt. Gleichwohl ist der Besuch bei der Familie Jindra im Süden des Waldviertels die Zeit-Reise in jedem Falle wert. „Sonne, Zeit und Ewigkeit“ heißt die Ausstellung und macht Lust auf eine eigene Sonnenuhr für zu Hause.
Bei all ihrem Werkeln schauen die Waldviertler über ihren Tellerrand hinaus. So beschäftigt sich die Sonnenwelt in Großschönau als interaktives Museum mit Mensch und Energie. Auch hier verbindet sich die Weisheit alter Kulturen mit der Technik der Zukunft.

www.waldviertel-handwerk.at ; www.kristallium.at ; www.sonnenuhren.com

Handarbeit – Waldviertler Schuhe
Das selten gewordene Schuhmacher-Handwerk betreiben im Waldviertel gleich zwei Unternehmen: Kult-Status haben die nach ihrer Heimat benannten „Waldviertler“- Schuhe von Gea. Und Yupitaze fertigt aus Waldviertler Karpfenleder nachhaltig extravagantes Schuhwerk, auch hochhackig.

www.gea.at
www.yupitaze.at.

QC49L03

Bildnachweis: Titelbild; www.POV.AT

Weiterer Artikel zum Waldviertel

Tipp 1: Zu Gast im Paradies auf Erden