Vom Zauber der Rauhnächte

In den dunkelsten, längsten Nächten des Jahres, vom 20. Dezember bis zum 6. Januar, ist es Brauch in den Alpenregionen, den bösen Geistern mit Lichterglanz, Weihrauch und anderen Ritualen Einhalt zu gebieten. Auch im eigenen Zuhause sind Rauhnacht-Rituale hilfreich, um das alte Jahr achtsam zu vollenden und von guten Mächten geborgen in das neue starten zu können. Von Martina Guthmann

Vergehen und Werden sind um den Jahreswechsel so präsent wie sonst selten im Jahr. Seit alters her wird diese spezielle Zwischen-Zeit begleitet von uralten Bräuchen und reinigenden Räucherritualen. Es wird weniger gearbeitet, um Altes abzuschließen und den Weg für Neues zu bereiten. Jede Region, jede Kultur, jede Familie pflegt in dieser Zeit spezielle Traditionen, vom Bleigießen bis zum Sternsingen.

Besinnung

Als die vier bedeutendsten Rauhnächte gelten die längste Nacht des Jahres vom 20. zum 21. Dezember, die Christnacht an Heilig Abend, die Silvesternacht und die Nacht auf den Dreikönigstag am 6.Januar. Aber auch die anderen Tage und Nächte in diesem Zeitraum sind eine gute Zeit, um innezuhalten, um zurück und gleichzeitig nach vorne, in die Zukunft zu schauen.

Räucher-Rituale

Rauhnacht – das Wort klingt schaurig und schön zugleich, es leitet sich vom Wort Rauch ab, von dem uralten Brauch, zwischen den Jahren mit verschiedenen Harzen und Kräutern zu räuchern, um böse Geister in der fünften Jahreszeit zu vertreiben.

Das Räuchern, die Reinigung des Hauses von alten Energien, wirkt in diesen Tagen am intensivsten, vor allem, wenn diese auch noch auf abnehmenden Mond fallen. Mondexpertin Johanna Paungger: „Man kann beim Räuchern nichts falsch machen, wichtig ist einen für sich angenehmen Duft zu finden, das muss kein Weihrauch sein. Nach dem ersten Räuchern, das der Reinigung dient, ist es wichtig, gut zu lüften, um in der folgenden Räucherphase dann neue Energie in den Raum geben zu können.“

Bedeutsame Träume

Die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar werden auch Nächte außerhalb der Zeit genannt. Das rührt daher, dass ein Sonnenjahr mit 365 Tagen berechnet wird, ein Mondjahr jedoch nur mit 354 Tagen. Jede Nacht steht in Verbindung mit der Energie eines Monats im folgenden Jahr. So wird das, was wir in der 1. Rauhnacht träumen, Bedeutung für den Januar haben und das, was wir in der 12. Rauhnacht träumen, für den Dezember. Gleichzeitig steht jede Nacht für ein anderes Thema, die Silvester-Nacht zum Beispiel für den Übergang, in dem Altes durch Neues abgelöst wird.

Neuorientierung

Es hat etwas Magisches und Feierliches zugleich, diese Zeit der Besinnung und Neuorientierung  ganz bewusst für sich zu zelebrieren oder im Kreise der Familie und bei strahlenden Kinderaugen alte Bräuche zu erleben.

Die Mystikerin Yvonne Hrdy sieht die Rauhnächte in einem größeren Kontext und rät, bereits einige Wochen vor der Wintersonnwende damit zu beginnen, Dinge abzuschließen und ruhiger zu werden. Denn tatsächlich kommt mit der Wintersonnwende bereits das Licht zurück und damit stellen sich die neuen Jahresenergien ein. Darum ist der Advent so wichtig, um sich vom alten Jahr zu verabschieden und sich gleichzeitig auf die Weihnachtszeit zu freuen.

Buchtipps:

„Rauhnächte: Die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren (erweiterte Neuausgabe) von Elfie Courtenay (Heyne Verlag ISBN 9783453704008) 9,99 Euro

Das handliche Taschenbuch beschreibt eine Vielzahl alter Bräuche und  enthält auch ganz konkrete praktische Tipps, zum Beispiel zum Räuchern.

„Die Rauhnächte – Im Fluss der Zeiten“ von Annett Hering (Kampenwandverlag ISBN 9783966985468) 18,80 Euro

Das stimmungsvoll gestaltete Workbook ist eine gelungene Kombination von Wissen, Anregung zum Tun und zur Selbstreflexion, mit der Möglichkeit,  persönliche Gedanken, Träume, Erlebnisse und Wünsche in den 12 Rauhnächten zu notieren.

 

 

 

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19. Dezember 2021