Stromtanken auf der Zeil

Das Förderprogramm “Modellregionen Elektromobilität” stellt für Deutschland eine Chance dar, sich auf dem wachsenden Weltmarkt der E-Mobility zu etablieren. Konkrete Projekte sollen deutsche Unternehmer fit für den Wettbewerb in Sachen Elektromobilität machen. Antonia Bäzol berichtet aus der Modell-Region Rhein-Main.

Auf der Frankfurter Hauptwache steht seit März 2009 ein ungewöhnliches Solar-Objekt. Am Ausgangspunkt von Deutschlands umsatzstärkster Einkaufsmeile, der Zeil, wartet die erste Solartankstelle in Frankfurt auf mobile Nutzer: Hier können Pioniere der Elektromobilität alle Arten von Elektrofahrzeugen mit kostenlosem und emissionsarmem Strom auftanken. Initiator des innovativen Projekts ist das Umweltforum-Rhein-Main. Vorstand Hans-Georg Dannert hat gemeinsam mit Unternehmen aus der Region das „Frankfurter Strom Tankstellen-Netz” ins Leben gerufen, zu dem mittlerweile fünf Stromtankstellen gehören. Es soll die Entwicklung der Elektromobilität in Frankfurt fördern und die Zeit überbrücken helfen, bis große Infrastrukturlösungen zur Verfügung stehen. „Wir möchten Nutzern von Elektrofahrzeugen eine Mobilitätsgarantie bieten können”, so bringt Dannert die Motivation für das Projekt auf den Punkt. Soll heißen: Niemand soll mit seinem Elektrofahrzeug im Rhein-Main-Gebiet liegen bleiben, nur weil er keine erreichbare Steckdose findet. So bietet zum Beispiel die Weilburger Firma KWB (Hersteller von Solaranlagen) ihren Kunden und Besuchern an, sich beim Parken auf dem Firmengelände kostenlos an ihrer Stromtankstelle zu bedienen, die sich aus den Überschüssen speist, die die hauseigene Photovoltaikanlage erzeugt. Ein anderes Beispiel sind die Solar-Stromzapfsäulen, die die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) Besuchern und Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung stellt. Auch die Mainova – Frankfurts Stromversorger – engagiert sich in Sachen E-Mobility und richtete im vergangenen Jahr acht Stromtankstellen ein. Im gesamten Rhein-Main-Gebiet gibt es derzeit 115 Strom-Ladepunkte, die aber nicht immer für jedermann zugänglich sind. Manche davon sind nur den eigenen Kunden oder Mitarbeitern vorbehalten. Damit E-Mobility für die Umwelt wirklich was bringt, bleibt noch viel zu tun. Zum einen sollten Stromtankstellen öffentlich zugänglich sein. Zum anderen muss der Strom der Tankstellen aus grüner Energie (Solaranlagen, Wasser- oder Windkraft) gespeist sein, denn nur so können Elektrofahrzeuge auch eine umweltbewusste Alternative sein. Die Mainova zum Beispiel nutzt für ihre Stromtankstellen ausschließlich Strom aus ihrem Programm „Nova-Natur”.  Außerdem hat das Unternehmen in Parkhäusern einen Kombifahrkartenautomaten eingeführt, der erstmals das gleichzeitige Parken und Stromtanken möglich macht.

Modellregionen Elektromobilität
Deutschlandweit gibt es eine Reihe von Initiativen, die die Elekektromobilität voranbringen sollen. Diese werden derzeit vom Programm „Modellregionen Elektromobilität” finanziell gefördert (siehe Randspalte). Rhein-Main gehört dabei zu den interessantesten Modellregionen. Denn durch die Funktion als Verkehrsknotenpunkt gilt Rhein-Main als „kleines Deutschland” und die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich auch auf andere Metropolen übertragen. Eines der herausragendsten Projekte ist dabei „Bike & Business 2.0″, das den Einsatz von Pedelecs (elektrounterstützten Fahrrädern) für die betriebliche Mobilität fördern soll. Als größter Nutzer hat die TU-Darmstadt 86 Hybrid-Räder für ihre Mitarbeiter geordert, die sie für ihre Arbeitswege einsetzen und während der Testphase darüber Protokoll führen sollen. Durch die Förderung konnten die Kosten für die Fahrräder – etwa 3.500 Euro pro Stück – auf knapp die Hälfte reduziert werden. Um Elektromobiliät dauerhaft einzuführen, ist nicht nur der Aufbau der Infrastruktur, sondern selbstverständlich auch der Preis der Elektrofahrzeuge ausschlaggebend, sagt Janine Mielzarek von der Projektleitstelle der Modellregion Rhein-Main in Offenbach. Elektroautos sind derzeit dreimal so teuer wie vergleichbare Benzinmodelle. Umso wichtiger ist es, diese neue Technologie auch auf Dauer bezahlbar zu machen, damit die Nachfrage auch über die Förderzeit hinaus erhalten bleibt. An der Begeisterung der Tester, sagen die Projektteilnehmer, könne man jedoch sehen, dass der Markt Zukunftspotential hat.

Beitrag Elektromobilität in Deutschland

Beitrag Drei verschiedene Steckdosen

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 Link Umweltforum Rhein Main
 Link KWB – Kraft und Wärme aus Biomasse GmbH
 Link Mainova – Stromversorger aus Frankfurt
 Link Modellregion Rhein Main
 Link Bike and Business