Stoffwechselharmonie

Der vor 60 Jahren verstorbene Mediziner Max Gerson hat immer noch viele Fans. Denn mit der nach ihm benannten Methode gelang es ihm, bei vielen Krankheiten phänomenale Erfolge zu erzielen. Von Eva von Hase-Mihalik.

Der kleine Max Gerson, 1881 im damals noch deutschen Wongrowitz (heute Polen) geboren, liebte es, als Junge bei seiner Großmutter auf dem Lande im Gras zu liegen und zu beobachten: die summenden Insekten auf den Blüten, die krabbelnden Käfer, und wie der künstliche Dünger auf den Kartoffelpflanzen die Regenwürmer das Weite suchen ließ. Er bestaunte, wie verschieden die Pflanzen sich entwickelten, je nachdem welche Nährstoffe sie aus dem Boden aufnahmen. Und er stellte fest, dass alles, was in den Boden gelangte, auch seine Auswirkungen auf die Pflanzen – aber auch auf die Lebewesen, die die Pflanzen aßen – hatte: Sowohl positive, als auch negative. Manche nährten den Körper (von Mensch und Tier), andere wiederum vergifteten ihn.

Selbstversuch bei Migräne

Sein Interesse an den Stoffwechselprozessen der Natur und des Menschen brachte Max Gerson dazu, dann später Medizin zu studieren. Ehe der junge Mediziner seine Doktorarbeit schrieb, wurde er allerdings von schweren Migräneanfällen geplagt. Keine der während des Studiums erlernten Methoden konnte ihm helfen. Bis er – nach vielen Versuchen während zwei ganzer Jahre – herausfand, dass die Migräne verschwand, wenn er sich vor allem von rohem Gemüse und Obst, hauptsächlich Äpfeln, ernährte und gleichzeitig komplett auf Salz, Gewürze, Fleisch, Fett und Alkohol verzichtete.
1918, mittlerweile war Max Gerson selbst Arzt geworden, hatte sich seine „Gerson-Diät“ als erfolgreiches Mittel gegen Migräne herumgesprochen – als einem seiner Patienten auffiel, dass gleichzeitig auch seine Hauttuberkulose verschwunden war. Erfolgreich kurierte er dann, auch innerhalb von Wochen, die schon lange an Tuberkulose erkrankte Tochter Albert Schweizers. Jahre später wurde auch ihr Vater durch Gerson von seiner Diabetes geheilt.
Auf Gerson aufmerksam geworden, lud ihn dann der Lungenspezialist Prof. Ferdinand Sauerbruch 1924 in seine Klinik ein, um bei 450 seiner Patienten, die an Hauttuberkulose litten, einen medizinischen Versuch mit seiner Methode durchzuführen. Berichten zufolge konnten tatsächlich 446 der ihm vorgestellten 450 Patienten geheilt werden. Nach Bekanntwerden der phänomenalen Behandlungserfolge bei Prof. Sauerbruch verbreitete sich Gersons Diät schnell über Ländergrenzen hinweg. Gerson kümmerte sich in der Folgezeit um mehrere europäische Kliniken, die seine Diät zur Therapie der Tuberkulose anwandten und veröffentlichte dazu Artikel in verschiedenen medizinischen Fachzeitschriften.
Da Max Gerson Jude war, emigrierte er 1933, nach der Machtübernahme Hitlers, vor der NS-Verfolgung nach Frankreich. Sieben seiner Geschwister jedoch, die in Deutschland geblieben waren, kamen bei dem Holocaust ums Leben. Später, als auch in Frankreich die Lage für Juden nicht mehr sicher war, zog die Familie Gerson in die USA um. Während der vierziger Jahre begannen die Erfolge des deutschen Arztes mit seinen „einfachen“ Methoden die New Yorker klinische Gemeinde zu faszinieren. Aber auch Kritiker, die ihn der Scharlatanerie bezichtigten, tauchten auf.
Anfang 1946 wurde der deutsche Arzt – auf Initiative des Senators Pepper, der eine Gesetzesvorlage zur sich immer weiter ausbreitenden Krebsepedemie erarbeiten wollte – mit fünf Patienten vor den Senat eingeladen. Dort sollte er die medizinische Unterlagen über ihre Heilungserfolge vorlegen. Seine Aussagen und die medizinischen Belege der Heilungserfolge mit seiner Therapie waren so erstaunlich, dass der berühmte ABC-Korrespondent Raymond Graham Swing am Abend des 3. Juni 1946 in einer national ausgestrahlten Sendung davon berichtete, dass tatsächlich eine Heilmethode gegen Krebs gefunden worden war. Die Reaktionen der Zuhörer waren enthusiastisch: Jeder wollte sich über die „Gerson-Methode“ informieren und wissen, wo man dementsprechend behandelt werden könnte.
Doch nur zwei Wochen nach dieser aufsehenerregenden Hörfunksendung wurde der Journalist Raymond Graham, der dreißig Jahre lang für die ABC gearbeitet hatte, entlassen. Die, von einigen medizinisch interessierten Abgeordneten erarbeitete Gesetzesvorlage zur Krebsprävention und -behandlung mit dem Namen des Abgeordneten „Pepper Lilly Anti-Cancer Bill“mit der Urkundennummer 8947 verschwand seitdem in den Archiven der amerikanischen Staatsdruckerei. Max Gerson brachte ein Buch heraus, in dem er an 50 Fallbeispielen seine alternative Krebsbehandlung erklärte. Bald darauf, 1959, starb er. Offizielle Todesursache soll eine “Lungenentzündung“ gewesen sein. Zeitgenossen bezweifelten allerdings, dass er eines natürlichen Todes starb.

“Einer der größten Genies”

Albert Schweitzer würdigte ihn mit den Worten: »Für mich ist er eines der größten Genies in der Geschichte der Medizin. Er hinterlässt ein Vermächtnis, das Aufmerksamkeit verlangt und das ihm den Platz sichert, der ihm gebührt.“ Viele seiner grundlegenden Ideen wurden übernommen, ohne dass sein Name damit in Verbindung gebracht wurde. Dennoch hat er mehr erreicht, als unter widrigen Umständen möglich schien. Er hinterlässt ein Vermächtnis, das Beachtung fordert und sicher noch vielen Tausenden, die an dieser tückischen Krankheit leiden, eine Perspektive schenken kann.

Gerson-Therapie
Entgiftung von Galle und Leber
Die Gerson-Therapie ist eine Ernährungstherapie, die salzfrei ist und vor allem aus frisch gepressten (Bio)Frucht- und Gemüsesäften besteht. Die Patienten trinken täglich 13 Gläser à 0,25 l frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte. Rund sechseinhalb Kilogramm Obst und Gemüse werden dafür entsaftet und mit Mineralien angereichert. So sollen Toxine aus dem Gewebe entfernt und über die Leber entgiftet werden. Durch Bio-Kaffee-Einläufe sollen Galle und Leber stimuliert werden, Gifte in den Darm zu entlassen, wo sie dann ausgeschieden werden. Viele Krankheiten sprechen gut auf diese Therapie an.

www.zentrum-der-gesundheit.de/gerson-therapie.html

Buch-Tipps
Eine Krebstherapie
50 Fälle
Dr. Max Gerson  30 Jahre klinische Erfahrung in der Behandlung fortgeschrittener Krebsfälle durch Diät-Therapie

Verlag: AKSE;  ISBN 978-3981128680
363 Seiten, 48 Euro

Das Große Gerson Buch
Charlotte Gerson

Die bewährte Therapie gegen Krebs und andere Krankheiten

Verlag: MobiWell
ISBN 978-3981409840
612 Seiten, 24 Euro

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