Michel Foucault (1926 bis 1984) war ein französischer Philosoph, der mittlerweile in den Geistes- und Sozialwissenschaften den Ruf eines Klassikers erworben hat und als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts gilt. In seinem umfangreichen Werk beschäftigte er sich vor allem mit Fragen des Zusammenhangs von Wissen und Macht. Hierbei ging es ihm um die kritische Betrachtung bestimmter Rationalitäten und Grunderfahrungen, die in den westlichen Gesellschaften zu Objekten des Wissens und der Wahrheit wurden. Die von ihm angewandte Methode bezeichnete er als Wissenschaftsarchäologie oder auch Diskursanalyse, das heißt, er untersuchte den Zusammenhang zwischen sprachlichem Handeln und gesellschaftlichen, insbesondere institutionellen Strukturen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welcher sprachlicher Strukturen sich Institutionen bedienen, um ihre Interessen durchzusetzen.  Foucault gehört der philosophischen Richtung des Poststrukturalismus an, die in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Frankreich ihren Ursprung hatte. Diese Richtung stellt feste Wahrheiten und Strukturen in Frage und betont die Unbestimmtheit, Mehrdeutigkeit und historische Wandelbarkeit von Sprache, daher auch die Methode der Wissenschaftsarchäologie. Außerdem beschäftigte sich Foucault mit den unterschiedlichen Wirkungsweisen der Macht. Für ihn ist Macht kein Besitz, den jemand hat, wie zum Beispiel ein König über seine Untertanen, sondern Macht ist ein dynamisches Beziehungsnetz, das den gesamten Alltag durchzieht. Macht wird ausgeübt. Macht ist nicht nur unterdrückend wie bei der sog. Königsmacht, sondern sie kann auch positiv und produktiv sein, sie formt Wissen, Diskurse, unser Verhalten und letztendlich unsere Identität. Macht wirkt überall, von Gesprächen zwischen einzelnen Personen bis zu Institutionen. Wissen und Macht sind für Foucault untrennbar. Was in einer Gesellschaft als „wahr“ gilt, wird durch Machtdiskurse festgelegt. Was als „wahr“ oder „normal“ gilt, ist somit das Ergebnis von Machtstrukturen. Macht wirkt nicht nur von oben durch den Staat, sondern auch „von unten“, überall im Alltag. Dies kann in der Schule, im Krankenhaus, in einer Firma aber auch in der Familie der Fall sein. Der Mensch ist nicht der souveräne Schöpfer von Bedeutung, sondern wird durch Diskurse und Machtverhältnisse geprägt.  Eine besondere Macht stellt die sogenannte Disziplinarmacht dar, die Foucault als „Panoptismus“, bezeichnet. Foucaults Hauptwerk ist das Buch „Überwachen und Strafen, die Geburt des Gefängnisses“, in dem er die Entstehung von Disziplinartechniken und Machtpraktiken in der Neuzeit analysiert. In diesem Buch nutzt er das Bild eines Panoptikums in Form eines zentralen Wachtturms in einem Gefängnis, von dem aus man Einblick in die Zellen hat. Damit will er zeigen, wie die Menschen, in diesem Fall die Gefangenen, ihr Verhalten anpassen, weil sie sich überwacht fühlen, sie kontrollieren sich selbst. Foucault sieht das Gefängnis und die Verhaltensweisen der Gefangenen als Symbol der modernen Disziplinargesellschaft, das heißt  der heutigen Gesellschaft. Von Helga Ranis.

BUCH-TIPP

LEICHTER LEBEN MIT PHILOSOPHIE

Helga Ranis

Edition Quell ISBN 978-3-9819936-2-2, 14,90 Euro

Seit Jahren beschreibt Helga Ranis für www.quellonline.de die Erkenntnisse der großen Denkerinnen und Denker, die uns die Herausforderungen des Lebens leichter bewältigen lassen. Über die Jahre ist eine beeindruckende Sammlung an Rezepten und Strategien entstanden. Sie geben Inspirationen, wie die Menschen ihren Alltag gestalten können. Der Weg zur inneren Freiheit des stoischen Philosophen Epiktet fehlt in dieser philosophischen Hausapotheke ebenso wenig wie moderne Überlegungen über das Wesen der Arbeit von Axel Honneth. Das Spektrum reicht von Adorno bis Zizek.

Die Autorin Helga Ranis studierte Theologie und Philosophie und schöpft aus einem großen Fundus philosophischen Wissens.

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