Kneipp’scher Knieguss

Eine Minute für die Gesundheit: Ein Kneipp’scher Knieguss ist die pragmatische Art, das Immunsystem anzukurbeln.

Manchmal sind es die einfachen Dinge, die Dinge, die uns oft als zu simpel erscheinen, die für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit schier unglaubliche Effekte bringen. Davon jedenfalls ist Dr. Dr. Bernhard Uehleke überzeugt: „Mit einem Zeitaufwand von nur einer Minute, lässt sich der Körper vor Infektionen schützen und sogar gegenüber Stress abhärten“, erklärt der Arzt und Physiker, der sich an den Abteilungen für Naturheilkunde der Charité Berlin und des Universiätsspitals Zürich unter anderem mit den segensreichen Effekten der Kneipp’schen Anwendungen beschäftigt.
Dass Güsse, Bäder und Waschungen mit warmem oder kaltem Wasser positiv auf die Gesundheit wirken, das hat sich mit der Kneipp’schen Gesundheitslehre mittlerweile landläufig herumgesprochen. Die Geschichte von Sebastian Kneipp hätte Hollywood nicht schöner erzählen können: Nachdem er es als Sohn bettelarmer Weber endlich geschafft hatte Priester zu werden, traf ihn ein neuer Schicksalschlag. Mit 26 oder 27 Jahren erfuhr er, dass er an Lungentuberkulose litt, einer damals tödlichen Krankheit. Kämpfernatur Kneipp kann aber die vernichtenden Prognosen der Ärzte nicht akzeptieren und beginnt medizinische Bücher zu studieren. Eines Tages fällt ihm ein Buch über die Wassertherapie in die Hände. Die darin beschriebene Heilmethode beeindruckt ihn tief. Er fängt damit an, sich nach den Anleitungen des Buches zu behandeln und experimentiert mit drastischen Methoden: Im Winter 1849 badet er zwei- bis dreimal die Woche im eiskalten Wasser der Donau. Mit dieser Methode besiegt Kneipp seine Krankheit.
Mittlerweile hat die Kneipp’sche Methode in zahlreichen Kurorten eine eingeschworene Fan-Gemeinde gefunden. Doch wer die segensreichen Wirkungen der Kneipp’schen Anwendungen am eigenen Leib spüren möchte, der muss nicht gleich eine mehrwöchige Kur buchen. Viele Anwendungen lassen sich auch im heimischen Badezimmer mit wenig Zeitaufwand durchführen. Beispielsweise der Knieguss (siehe auch Randspalte).

Kaltreiz auf warmen Körper
Wichtig bei dieser – wie prinzipiell jeder Kneipp’schen – Anwendung ist der Wechsel zwischen warm und kalt. Die Anwender sollten unbedingt auf vorherige Wärme achten, sei es durch eine heiße Dusche, einen Dauerlauf oder einen Saunagang, damit die Wiedererwärmung des Körpers nach dem kalten Guss sicherer funktioniert. Wie oft auch der Wechsel zwischen warm und kalt praktiziert wird, sollte die Anwendung immer mit einem kalten Guss enden. „Das kälteste Wasser ist das beste“, so lautet Kneipps Devise. Prinzipiell sollte das Wasser für den kalten Guss nicht wärmer als 15° C sein, was in etwa der normalen Leitungswassertemperatur entspricht. Wichtig für den Effekt ist auch, dass der Wasserstrahl gebündelt ist, denn dann ruft dieser einen isolierten Kältereiz hervor. Ein derart gebündelter Strahl lässt sich durch eine Gießkanne ohne Aufsatz erzeugen oder aber durch einen speziellen Duschaufsatz, wie ihn beispielsweise der Schiltacher Armaturenhersteller hansgrohe anbietet.
„Die Temperatur-Regelung hat bei Warmblütlern die höchste Priorität“, erklärt Dr. Uehleke die starke Wirkung der Wechseltemperaturen. Man kann den Körper damit so aufregen, dass er das Abwehren von äußeren Reizen trainiert. Die Abhärtung betrifft jedoch nicht nur die Abwehr von Bakterien und Viren sondern auch von psychischem Stress.

Keine kalten Füße mehr
Für die Wirkung der Kneipp’schen Anwendungen ist der Kaltanteil besonders wichtig. Er muss nicht mehr als eine Minute betragen und führt trotz seiner kurzen Zeit dennoch zu lang anhaltenden Effekten: Denn durch ihn wird die Mikrozirkulation des Stoffwechsels für mindestens eine Stunde angeregt – auch in den erkältungsanfälligen Schleimhäuten. Bei regelmäßiger Anwendung – am besten täglich – kommt es nach einigen Wochen zur Durchblutungsregulation: Hoher Blutdruck geht zurück; niedriger Blutdruck steigt an. Die Stresshormone, die normalerweise die Durchblutung in den Extremitäten drosseln, führen seltener zu kalten Füssen und kalten Händen. „Mit 40 oder 50 Jahren ist mittels Kneipp’scher Anwendungen gut was zu holen“, macht Uehleke Mut, vorbeugend für den Körper aktiv zu werden.
Die Effekte der Abwehrstärkung mittels Kältereize klingen fast zu schön, um wahr zu sein: Damit soll sich eine ähnliche Schutzwirkung wie durch eine Grippeschutzimpfung oder pflanzliche Mittel erzeugen lassen. Die Häufigkeit von Erkältungen soll um rund die Hälfte zurückgehen. Es gibt wohl kaum eine andere Gesundheitsmaßnahme mit einem solch günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht.

Knieguss: So wird’s gemacht
Führen Sie den gebündelten Wasserstrahl von den Zehen des rechten Beines über den Fußrücken zur Unterschenkelseite und die Wade hinauf bis zur Kniekehle und dort einige Male hin und her. Leiten Sie dann den Strahl wieder die Wade hinab und wechseln Sie auf die Vorderseite des Unterschenkels. Nun wieder bis kurz oberhalb des Knies ein paar Sekunden verweilen und wieder nach unten. Anschließend kommt das linke Bein dran.