Glücklich sein wieder lernen

Wenn man traurig oder wütend ist, fällt es schwer, positiv zu denken. Mit einer neutralen Sichtweise kann es gelingen, Unabänderliches zu akzeptieren und sich dem Glück zu nähern.

Ein cooler Manager-Typ, ein eingespieltes Rentner-Ehepaar, eine Studentin, eine Frau nach der Chemotherapie, ein junges Pärchen, eine frisch gebackene Friseurmeisterin – so eine bunte Gruppe hat sich in der Hotel-Bibliothek für das Glücks-Seminar zusammengefunden. „Es ist uns ein Herzensanliegen, unseren Gästen auch Impulse für ein erfülltes Leben mit nach Hause zu geben.“, sagt Karin Leeb vom Hotel Hochschober. Das im Sinne der Gemeinwohl-Ökonomie geführte Hotel auf der Turracher Höhe lässt keine Wünsche offen – Rundumversorgung vom beheizten Seebad bis zum orientalischen Hamam. Doch oft wird Menschen gerade in Momenten des Innenhaltens bewusst, dass ihnen die Fähigkeit, Glück zu empfinden, verloren gegangen ist. Das individuelle Glück kennt weder Gesundheitszustand noch Bildungsgrad, weder Familienstand noch Vermögen, weder Ort noch Zeit, das individuelle Glück kann sich immer nur im Kopf einstellen.

Formbares Gehirn

„Wenn wir das Gefühl, glücklich zu sein, nicht trainieren wie einen Muskel, verlernen wir im wahrsten Sinne, Freude zu empfinden“, so erklärt die Gehirnforscherin Dr. Katharina Turecek. Zusammen mit der Psychologin Heide-Marie-Smolka hat sie ein Buch über Glücks-Training geschrieben. Im Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe berichten sie von ihren Erkenntnissen. Dass das Gehirn tatsächlich ein Leben lang veränderbar ist, lässt sich am Beispiel von Londoner Taxifahrern zeigen. Als diese begannen, ein Navigationssystem zu benutzen, verkümmerten deren neuronalen Strukturen im Hippocampus, die für gute Orientierung zuständig sind. Diese Verästelungen konnten wieder reaktiviert werden, als man sie wieder ohne Navi fahren ließ. Auch in Bezug auf Emotionen kann sich das Gehirn permanent verändern. Jedes Mal, wenn wir eine Emotion ausleben, stärken wir die entsprechenden neuronalen Strukturen. Es geht nicht darum, einfach eine rosarote Brille aufzusetzen, sondern darum, die eigene Haltung bewusster wahrzunehmen. Was bringt mich auf die Palme oder in den Frust? Was passiert dabei auf körperlicher, psychischer und seelischer Ebene und bringt mich dadurch womöglich noch mehr in aggressive oder depressive Stimmung?

Neutrales Beobachten

Wer sich als neutraler Beobachter seiner Selbst diese Zusammenhänge bewusst macht, kann zwar nicht den Reiz, aber die Bewertung des Reizes verändern. Turecek: „Die Herausforderung dabei ist, dass der Thalamus, unser Zwischenhirn, schneller das emotionale Zentrum, die Amygdala, informiert als den präfrontalen Cortex, der uns besonnen denken und handeln lässt. Evolutionsbedingt sind Flucht oder Kampf die Überlebensstrategien gegenüber dem Säbelzahntiger.“ Heute braucht das Großhirn die Chance, den eingehenden Reiz kognitiv zu verarbeiten, bevor wir emotional überreagieren. Bewusst tief durchzuatmen, einfach nur langsam „Aha“ sagen, rückwärts zählen – das sind Methoden, dem Verstand Zeit zu geben und zu verhindern, dass Angst, Wut oder Traurigkeit uns übermannen. Selbstbeherrschung und Gelassenheit lassen sich auch durch regelmäßige Meditation trainieren. Heidemarie Smolka, auf positive Psychologie und Glücksforschung spezialisiert: „So gelangen wir leichter in die neutrale Bewertung einer Stress-Situation und werden lösungsorientierter.“ Statt zum Opfer werden wir zum Gestalter und aktivieren automatisch konstruktive Gehirnregionen. Gerade von glücklichen Menschen mit hartem Schicksal können wir lernen, dass in der Anpassung an das Unabänderliche der Schlüssel zum Glück liegt.

Übungen zum Glücklich werden

1. Mimik, Körperhaltung, Gangart: Hochgezogene Mundwinkel machen nachweislich positive Gefühle, aufrechte Haltung und beschwingtes Gehen haben eine Rückkopplung auf die Stimmung.
2. Gute-Laune-Liste: Der Tunnelblick im Schlechtfühlmodus blockiert uns. Daher macht eine Auswahl bewährter Mittel, die uns herausholen, Sinn: Musik oder Badewanne, frische Luft oder eine Tasse Tee?
3. Zauberwort DANKE: Jeden Tag für drei Dinge, Glücksfälle, Menschen danken, auf eine immer länger werdende Liste schreiben, die uns Zug um Zug dankbarer und damit auch glücklicher macht.
4. JETZT und ohne Kommentar: Glücksmomente sind immer die bewussten Momente im Jetzt. Sich beim Duschen auf das Wasser, beim Essen auf den Geschmack, beim Spaziergang auf die Natur konzentrieren.
5. Sprachhygiene: MUSS und SCHNELL, diese Worte setzen wir oft für Aktivitäten ein, auf die wir nicht verzichten möchten. Stattdessen bewusst sagen: Ich darf aufstehen, ich darf zur Arbeit, zum Sport. Nichts geht schneller durch das Wort „Schnell“, es hindert uns nur daran, bewusst im Jetzt zu sein.
6. Ein Wort, das dem Tag seine Aura gibt, wählen: Gelassenheit, Hoffnung, Friede. Es ist leichter, an dieses gute Wort zu denken, als bewusst das auszublenden, was traurig oder wütend macht.
7. Sich selbst im inneren Dialog wohlwollend Lob und Mut zusprechen, statt sich selbst runter zu ziehen.
8. Regelmäßige Pflege-Rituale für die Seele im Tagesablauf einbauen. Zeit zum Glücklich sein gehört nicht nur in den Urlaub. Den Krug von Glücksgefühlen nie leer werden lassen, immer wieder auftanken.

 

Buch-Tipp
Heide-Marie Smolka, Katharina Turecek
Zum Glück mit Hirn
Ein verlockendes Angebot für Glücks-Skeptiker:
Lebenslang lassen sich Gehirnstrukturen verändern und Wege aus Jammertal, Wut, Hyperaktivität oder Lethargie trainieren – hin zu einem glücklichen, ausgeglichenen Leben.

Springer Verlag, 178 Seiten
ISBN 978-3-662-54452-5
Preis: 19,90 Euro

CD -Tipp
Tankstelle für die Seele
Ein Audiovortrag mit hilfreichen Übungen

www.glueckstraining.at

 

 

Hotel – HOCHSCHOBER mit Seminarangebot.  Vom Gückstraining bis Yoga-Retreat – alle Kurse sind im Preis inklusive. www.hochschober.com

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