Entschleunigen mit dem Mond

Johanna Paungger ist Bestseller-Autorin und Unternehmerin. Trotz ihres Erfolgs sagt sie von sich selbst, dass sie sich niemals gestresst fühlt. Im Gespräch mit Quell-Herausgeberin Andrea Tichy erzählt sie, wie ihr dieser wunderbar entschleunigte Lebensstil gelingt.

Quell: Vor etwas mehr als 25 Jahren ist Dein erstes Buch „Zum richtigen Zeitpunkt“ auf den Markt gekommen. Das alte Mondwissen, das Du darin zusammen mit Deinem Co-Autor und heutigen Ehemann Thomas Poppe formuliert hast, hat Millionen von Lesern dazu inspiriert, die bewährten Mondrhythmen in ihrem Alltag anzuwenden. Trotzdem ist der Stress für viele Menschen in der Zwischenzeit nicht weniger geworden. Was läuft da verkehrt?
Johanna Paungger: Was ich nicht verstehe, kann ich nicht beseitigen. Der Umgang mit Stress wird ja nirgends gelehrt. Man kann ihn nicht bekämpfen mit den Methoden, mit denen man ihn sich selbst auferlegt. Das geht heute so weit, dass selbst Yoga, eine ultimative Methode zur Entspannung, zu einem Leistungssport verkommen ist, mit eigenen Hochglanzmagazinen. So viel ist sicher: Das Übermaß an Produkten in der modernen Welt, mit denen sich die Menschen belasten, sorgt für Stress pur. Wir horten zu viele Dinge, weil wir uns nicht die Zeit nehmen, richtige Entscheidungen zu treffen. Wir geben eigener Erfahrung und Intuition keine Chance, es scheint uns auf den ersten Blick zu zeitaufwändig. Ein Beispiel von vielen: Man steckt uns ungefragt Proben in die Einkaufstüte. Statt sie sofort wegzuwerfen, horten wir sie, um sie irgendwann zu testen. Dieses Irgendwann kommt aber nie. Jedes unnötige Objekt in unserem Alltag belastet und frisst Energie. Ausmisten und Loslassen helfen ungemein.

Mondkalender, Johanna Paungger Poppe, Thomas Poppe

Quell: Inwiefern kann das Wissen um die Mondrhythmen den Menschen dabei helfen, mit dem Alltag entspannter klar zu kommen?
Johanna Paungger: Das hängt ganz vom Beruf ab, den jemand ausübt. Hausfrauen zum Beispiel könnten viele Tätigkeiten nach dem richtigen Zeitpunkt im Mondkalender ausrichten. Beispiel Fensterputzen: Die besten Ergebnisse lassen sich an Wassertagen bei abnehmendem Mond erzielen. Putze ich zum falschen Zeitpunkt, dann bleiben Schlieren, ich ärgere mich und muss schon bald wieder putzen. Ich selbst arbeite im Haushalt nur dann, wenn der Zeitpunkt dafür ideal ist. Damit gewinne ich viel Zeit! Allerdings findet Mondwissen nicht in allen Berufen sinnvoll Anwendung.

Quell: Hast Du für solche Berufsgruppen auch einen guten Tipp?
Johanna Paungger: Ja, der persönliche Biorhythmus. Ihn zu kennen, ist ein großer Segen. Seine Kräfte wirken auf Körper, Geist und Seele vom Tag unserer Geburt an und färben vieles von dem, was wir tun, fühlen und denken. Sich dieses Farbenspiel bewusst zu machen kann in vielen Lebensbereichen, im Berufs- und Privatleben von großem Vorteil sein, in erster Linie deshalb, weil die Auswirkungen in vieler Hinsicht vorhersehbar sind. In unserer Familie kennen wir unsere problematischen Tage genau und können uns darauf einstellen. Es passiert nur sehr selten, dass einer von uns aus heiterem Himmel die Nerven verliert.
Quell: Wie hast Du dieses Wissen erlangt? Ist es ein Ergebnis Deiner Lebenserfahrung?
Johanna Paungger: Das Mondwissen stammt von meinem Großvater, der in Österreich Bergbauer war. Es ist uraltes Wissen, das in meiner Familie wie selbstverständlich angewandt wurde. Mit 14 Jahren habe ich das alles schon gewusst und mich dann später in der Großstadt gewundert, wie unwissend die Menschen dort offensichtlich lebten.
Quell: Was ist Dir denn da besonders aufgefallen?
Johanna Paungger: Man beobachtet sich selber nicht mehr und macht sich nicht mehr die Mühe, herauszufinden, was einem gut tut und was einem schadet. Das beginnt schon beim Essen. Wer zum Beispiel kurz vor Vollmond am Abend spät isst und dann noch das Falsche, das nicht seinem Ernährungstyp entspricht, der braucht sich nicht wundern, wenn er keinen Schlaf findet und wie gerädert aufwacht. Dazu kommen Elektrosmog, Lichtverschmutzung oder aufwühlende Gedanken. Viele Menschen können gar keine Ruhe mehr zulassen und fliehen in die Arbeit.
Quell: Wie können Menschen aus dieser Stress-Spirale herauskommen?
Johanna Paungger: Pauschal kann ich nichts anbieten, denn es gibt ganz unterschiedliche Entspannungstypen. Der eine chillt auf dem Sofa, der andere joggt gern, der Dritte tanzt gern, der Vierte entspannt sich am besten im Wirtshaus. Bei mir ist eine Sofortmaßnahme gegen Stress, das Ego zur Ruhe zu bringen. Zum Beispiel, indem ich mich gedanklich einschneien lasse.
Quell: Wie funktioniert denn „Einschneien“?
Johanna Paungger: Wenn der erste Schnee in dicken Flocken gefallen ist, haben wir uns als Kinder auf ein Holzbrett gelegt und uns komplett einschneien lassen. Dieses Zugedeckt-Werden vom Schnee hat in mir einen großen inneren Frieden erzeugt. Heute mache ich das gedanklich und es funktioniert genauso.
Quell: Mit Deiner inneren Ruhe und Deinen inneren Gewissheiten faszinierst Du bei Deinen Seminaren viele Menschen. Was können sie tun, um auch zu innerer Ruhe zu finden?
Johanna Paungger: Das Grundproblem vieler Menschen ist, dass sie oft Ja sagen, wenn sie Nein denken und fühlen. Entscheidungen, zu denen man nicht steht, verursachen immer Stress. Die härteste Arbeit, die größten Herausforderungen verursachen mir keinen Stress, wenn ich dazu stehe. Die Menschen müssen lernen, Ja oder Nein zu sagen, zu denken und dann auch so zu handeln. Das bedeutet überhaupt nicht, ohne Kompromisse durchs Leben zu gehen. Grundsätzlich sollte ich aber nach meinen Überzeugungen handeln und immer daraus lernen.

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