Die Kraft der Musik 

Musik klingt nicht nur schön – sie ist auch gut für die Gesundheit. Von den ersten Stunden des Lebens bis ins hohe Alter kann Musik unser Leben lebenswerter gestalten. 

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Im Hintergrund läuft sie wieder, meine Lieblingsmusik, und beschwingt widme ich mich dem Schreiben. Die Musik ist nicht nur ein eigener Kosmos, sie ist tief in unserer Spezies verwurzelt. Nach Ansicht des international führenden Neurowissenschaftlers Prof. Stefan Kölsch hätte es der Mensch ohne Musik nicht durch die Evolution geschafft. Eine Welt ohne Musik wäre für ihn eine Welt ohne Menschen. Dabei bilden zwei musikspezifische Eigenschaften unseres Gehirns die Grundlage für die gesundheits- und gemeinschaftsfördernden Effekte von Musik: wir können in einer Gruppe einen Takt halten und gemeinsam Töne singen. Beides fördert die Bereitschaft zur Kooperation und zu prosozialem Verhalten wie Teilen und Helfen. Und was keine andere Spezies kann, können Menschen bereits wenige Monate nach der Geburt. Im Rahmen einer Studie hörten Babys im Alter von fünf bis zehn Monaten schwungvolle klassische Musik und auf faszinierender Weise passte der Takt ihrer Bewegungen zum Takt der Musik.

Musik wirkt

Im Grunde ist ein Ton nichts Weiteres als eine Welle mit unterschiedlichen Frequenzen – ein physikalischer Vorgang, der die Ausbreitung von Druck und Dichte in der Luft beschreibt. Doch auf seiner Reise vom Ohr ins Gehirn wird die Musik im Kopf geboren. Egal ob man nun Musik hört, selber spielt, singt oder tanzt – Musik bewirkt einiges. Durch Studien wurde nachgewiesen, dass Musik zentrale Strukturen emotionaler Verarbeitung im Gehirn aktivieren kann. Durch Musik hervorgerufene Emotionen sind also keine Einbildung. Es gilt inzwischen auch als sicher, dass fröhlich klingende Musik dabei hilft positive Gedanken zu denken. Es empfiehlt sich deshalb darauf zu achten, welche Musik wir hören, denn traurig-melancholische Musik kann negative Effekte auf unsere Stimmung haben. Für einen erfolgreichen Start in den Tag ist deshalb positive Musik ratsam. Der Direktor des Zentrums für präventive Kardiologie am Medizinischen Zentrum der Universität von Maryland Dr. Michael Miller empfiehlt ebenfalls fröhliche Musik zu hören, um das Herz bei guter Gesundheit zu halten. Doch Musik ist nicht nur gut für die Gesundheit, sie unterstützt uns auch dabei jung zu bleiben. Gerade, wenn wir  selber Musik machen, wird im Gehirn u.a. der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet. Dieser Botenstoff schützt das Gehirn vor Sklerose.

Musik hilft

Musik wird aber auch immer mehr zur Unterstützung der Heilung bei schweren Krankheiten eingesetzt. Viele Krankenhäuser, darunter solch renommierte Namen wie das Massachusetts General und die Mayo Klinik behandeln ihre Patienten gleichzeitig mit Musik und Medikamenten. Die Musiktherapie wird bei Patienten auf der Intensivstation, bei Krebspatienten und Patienten mit Hirnleistungsstörungen mit verblüffendem Erfolg eingesetzt. Tatsächlich wird die Musiktherapie schon seit tausenden von Jahren angewendet, doch erst jetzt beginnen Wissenschaftler zu verstehen, wie sie funktioniert. Dr. Claudius Conrad, Forscher und Lehrender an der Harvard Medical School, fand beispielweise heraus, dass schwer kranke Patienten, nachdem sie nur eine Stunde lang Klaviersonaten von Mozart gehört hatten, einen geringeren Bedarf an Sedativa hatten und der Blutdruck und der Herzschlag sich normalisierte. Der bereits zitierte Prof. Stefan Kölsch hat in seinem Buch „Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik“ viele spannende Beispiele zum positiven Einfluss von Musik bei den unterschiedlichsten Krankheiten aufgeführt. Dabei reicht das Spektrum von Alzheimer-Demenz, über Depressionen bis zu Parkinson und Schlafstörungen. Bei Patienten mit Alzheimer-Demenz ist Musik besonders zu empfehlen.

Heilsames Singen

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss. Eine besonders einfache Methode die seelische und körperliche Gesundheit zu stärken, ist das sogenannte Chanten. Beim Chanten geht es um das Singen von Kraftliedern allein oder in der Gruppe. Die Freude am Singen steht im Vordergrund, es geht nicht um Perfektion, sondern um Hingabe, nicht um Leistung sondern darum, aus dem Herzen zu singen. Dabei ist Chanten eine Anknüpfung an Rituale, die es seit Urzeiten in der Menschheitsgeschichte gibt. Es ist wie eine Reise zum Selbst. Die Kraftlieder kommen aus der ganzen Welt. Beispiel sind:  „This little light of mine“, „Kuate“, „E Malamba“ und „Epo-i-Tai Tai-E“. Lassen Sie sich von den teilweisen eigenartigen Titeln nicht abschrecken, hören Sie einfach mal rein.

Bildnachweis: depositphotos | Vitalik Radko

18. April 2021
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