Darm: die Mitte stärken

Der Darm ist der Ort, in dem das Leben aber auch die Krankheit wohnt. Für unsere Gesundheit ist viel gewonnen, wenn wir diesem sensiblen Mittelpunkt unseres Immunsystems Gutes tun: Indem wir gezielt gute Bakterien zuführen und diese nähren.

Wunderwerk Darm: Der Darm trainiert zwei Drittel unseres Immunsystems und er hat das größte Nervensystem nach dem Gehirn. Wenn man ihn gut behandelt, dann bedankt er sich dafür. Wenn man ihn vernachlässigt oder malträtiert, dann schlägt das auf den gesamten Menschen zurück, denn „Allergien, unser Gewicht und unsere Gefühlswelt sind eng mit unserem Bauch verknüpft”, erklärt die Wissenschaftlerin Giulia Enders in ihrem Bestseller „Darm mit Charme”.
Ein entscheidender Punkt für das Wohlbefinden in unserem Darm ist die Zusammensetzung der sogenannten Darmflora (obwohl es dabei nicht um Pflanzen geht, wie der Name nahe legt, sondern um Bakterien). Insgesamt wiegt unsere Darmflora bis zu zwei Kilo und beherbergt rund 100 Billionen Bakterien, die aus bis zu 400 verschiedenen Stämmen bestehen können. Bakterien leben mit den Menschen in einer Symbiose mit gegenseitigem Nutzen. Zahlreiche Einflüsse können diese Symbiose jedoch stören. Umweltbelastungen, Fehlernährung, Medikamente, besonders Antibiotika, Konservierungsstoffe, aber auch die Reizüberflutung, physischer und psychischer Stress machen gesunder Darmflora den Garaus. Die Folge: Die Tür steht offen für Fremdkeime wie Pilze und Fäulnisbakterien. Sie breiten sich übermäßig im Darm aus. Sind sie einmal in unserem Organismus, beginnen sie, fortlaufend gärende und saure Stoffe aus unverdauten Nahrungsresten zu produzieren – nichts anderes als „saure Gifte“, die unseren Stoffwechsel ungünstig beeinflussen und zur Übersäuerung führen.
Normalerweise ist die Darmschleimhaut ein dichtes Maschennetz, das große Moleküle nicht passieren lässt. Bei einer bakteriellen Fehlbesiedlung jedoch werden die Maschen infolge der ständigen Schleimhautbelastungen immer größer, so dass immer mehr und vor allem auch große Moleküle das Netz durchdringen können. So gelangen unverdaute Eiweißbestandteile und unerwünschte Abbauprodukte der Bakterien über die Darmschleimhaut in die Blutbahn und zu anderen Regionen des Organismus. Unverträglichkeiten und Allergien (zum Beispiel Zöliakie oder Laktoseintoleranz) und Entzündungen („Reizdarm“) können die Folge sein.

Probiotika: gute Bakterien zuführen
Um die natürliche Barrierefunktion des Darms wiederherzustellen, sollten dem Organismus gesunde Bakterien in Form von Probiotika zugeführt werden. Denn probiotische Mikroorganismen können das Gleichgewicht in unserer Darmflora beeinflussen. Dadurch verändert sich das Milieu im Darm positiv, so dass krankmachende Bakterien, Fäulnisbakterien, Pilze und Krankheitserreger auf natürliche Weise verdrängt werden. Probiotika sind Nahrungsmittel, die lebende Mikroorganismen enthalten, wie etwa Sauerkraut, Joghurt, Kefir, Buttermilch oder Molke.
Ein Mittel, mit dem Angela Pfaffenhuber bei Magen- und Darmproblemen besonders gute Erfahrungen gemacht hat, ist Molke, die zu einem Drittel aus Stuten- und zu zwei Drittel aus Ziegenmilch besteht. „Stutenmilch enthält ein Enzym, das bestimmte Bakterien zerstört und die Abwehrkraft des Organismus stimuliert”, so erklärt die Heilpraktikerin aus Reit im Winkl. Beide Milchsorten sind gut verträglich; auch Kuhmilchallergiker haben nach ihrer Erfahrung damit keine Probleme. „Was die Unterstützung der Selbstheilungskräfte und das Vorsorgepotenzial anbelangt, stehen beide Milchsorten ganz oben auf der Skala”, so die erfahrene Fastenleiterin, die StuZi-Molke vom St. Leonhardshof zur Stimulation des Stoffwechsels in die von ihr abgehaltenen Heilfasten-Wochen integriert.
Nicht nur beim Fasten: Die durch die Molke angekurbelte Verdauung kommt Menschen mit verschiedensten Krankheitsbildern zugute. So berichtete ihr beispielsweise ein 72jähriger Patient mit Depressionen und Gedächtnislücken, sich nicht mehr „so verstopft” und „weniger melancholisch” zu fühlen. „Bei Menschen mit einem gereizten Darm kann die Verbindung zum Hirn sehr belastend sein”, erklärt Giulia Enders diesen Zusammenhang. „Jeder, der unter ängstlichen oder depressiven Stimmungen leidet, sollte sich daran erinnern, dass auch ein gebeutelter Bauch ungute Gefühle auslösen kann”, so die Autorin.

Präbiotika: die guten Bakterien nähren
Zucker, Aromen und Konservierungsstoffe haben in darmfreundlicher Ernährung nichts zu suchen. Im Gegenteil, sie verhindern die Ausbildung einer gesunden Darmflora. Der Grund: Zucker ist für Gärungsbakterien und Pilze der Hauptenergielieferant und einer der stärksten Säurebildner. Deshalb sollte der Zuckerkonsum auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Konservierungsstoffe hemmen das Wachstum von Bakterien. Folglich ist es nicht möglich, eine gesunde Bakterienflora aufzubauen, wenn diese gleichzeitig immer wieder durch Konservierungsstoffe geschädigt wird.
Bei Präbiotika geht es darum, gute Bakterien zu fördern, damit diese immer mehr Macht gegenüber den schlechten Bakterien bekommen. Präbiotika sind bei weitem nicht so gut erforscht wie Probiotika. Doch steht heute schon fest: Präbiotika liefern Ballaststoffe, die von schlechten Bakterien nicht oder kaum verwertet werden können – wohl aber von den guten. Artischocke, Spargel, Chicorée, grüne Banane, Topinambur, Knoblauch oder Zwiebel zählen ebenso zur bevorzugten Ernährung von guten Bakerien wie Pastinake, Schwarzwurzel, Roggen, Hafer oder Lauch. Aber auch in Milch – in Muttermilch, Kamelmilch, Schafsmilch, Ziegenmilch, Kuhmilch und Stutenmilch – sind Präbiotika enthalten. Damit lassen sich effektiv hilfreiche Bifidobakterien und Lactobazillen ernähren, die bei einer aus der Balance geratenen Darmflora im Vorfeld über Probiotika zugeführt werden. Probiotika und Präbiotika sind zusammen ein starkes Team.

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Fotos: Volker Lannert

Tut gut: Molke vom St. Leonhardshof

Buch-Tipp: Darm mit Charme

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