Der Darm – Mittelpunkt des Wohlbefindens

“Der Tod sitzt im Darm”, so weiß der Volksmund. Für unsere Gesundheit ist viel gewonnen, wenn wir diesem sensiblen Mittelpunkt unseres Immunsystems Gutes tun. Von Dipl. Oecotrophologin Eva Deppe.

Unser Darm ist schlauer als wir denken: Er arbeitet wie ein zweites Gehirn, indem er uns Signale gibt, was für uns gut oder schlecht ist. Er ist ein Domizil für Gefühle; Er wirkt wie ein Türwächter, indem er unerwünschte Eindringlinge identifiziert und verhindert, dass schädliche Stoffe in die Blutbahn gelangen. Er verwandelt Essen und Trinken in Nährstoffe und versorgt unseren Körper mit Energie.
Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, ist der Darm wie ein Wunderwerk aufgebaut. Rund 100 Millionen Nervenzellen – mehr als im Rückenmark – überwachen das Geschehen im Verdauungstrakt. Würde man den Darm aufklappen und ausbreiten, käme man auf eine Fläche von 300 – 500 m2. Der Darm ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die bei den körpereigenen Abwehrkräften eine entscheidende Rolle spielt und die durch eine komplexe Darmflora besiedelt ist. Diese Darmflora gilt es besonders zu schützen.

Die Darmflora: mehr als nur Bakterien
Die Darmflora kann aus bis zu 400 verschiedenen Bakterienstämmen bestehen –aus Milchsäurebakterien wie Lactobacillen, Bifodobakterin, Enterokokken, aber auch aus gesunden Coli-Bakterien. Bakterien leben mit den Menschen in einer Symbiose mit gegenseitigem Nutzen. Babys kommen steril auf die Welt. Erst während der Geburt und durch das Stillen werden sie mit Darmbakterien ausgestattet, die ihren Darm wie einen Rasenteppich besiedeln. Aufgrund zahlreicher Einflüsse wird dieser Prozess jedoch frühzeitig gestört. Umweltbelastungen, Fehlernährung, Medikamente, besonders Antibiotika, Konservierungsstoffe, aber auch die Reizüberflutung, physischer und psychischer Stress machen schon in der Kindheit der Darmflora den Garaus. Die Folge: Die Tür steht offen für Fremdkeime wie Pilze und Fäulnisbakterien. Sie breiten sich übermäßig im Darm aus. Sind sie einmal in unserem Organismus, beginnen sie, fortlaufend gärende und saure Stoffe aus unverdauten Nahrungsresten zu produzieren – nichts anderes als „saure Gifte“, die unseren Stoffwechsel ungünstig beeinflussen und zur Übersäuerung führen.

Vergleichbar mit dem Regenwald
Normalerweise ist die Darmschleimhaut ein dichtes Maschennetz, das große Moleküle nicht passieren lässt. Bei einer bakteriellen Fehlbesiedlung jedoch werden die Maschen infolge der ständigen Schleimhautbelastungen immer größer, so dass immer mehr und vor allem auch große Moleküle das Netz durchdringen können. So gelangen unverdaute Eiweißbestandteile und unerwünschte Abbauprodukte der Bakterien über die Darmschleimhaut in die Blutbahn und zu anderen Regionen des Organismus. Unverträglichkeiten und Allergien (zum Beispiel Zöliakie oder Laktoseintoleranz) und Entzündungen („Reizdarm“) können die Folge sein. Der Darm hat im wahrsten Sinne des Wortes ein Leck. Die Medizin bezeichnet dieses Phänomen daher als „Leaky-Gut-Syndrom“. Hinzu kommt, dass ein leckender Darm nicht mehr ausreichend Immunzellen produzieren kann. Die Folge ist eine Schwächung des Immunsystems. Mit dem Darm verhält es sich wie mit dem Regenwald. Fehlen der Humusschicht wichtige, der Vegetation förderliche Mikroorganismen, kommt es zur Erosion. Genau dieses Phänomen tritt bei einer fehlbesiedelten Darmflora ein. Fehlen der Darmschleimhaut die Mikroorganismen, die für ein gesundes Milieu sorgen, wird sie abgetragen. Sie dünnt aus und kann ihre Funktionen nicht mehr erfüllen.
Um die natürliche Barrierefunktion des Darms wiederherzustellen, sollten dem Organismus gesunde, lebende Bakterien in Form von Probiotika zugeführt werden, wie beispielsweise Rayoflora von Rayonex. Probiotika sind Präparate, die lebensfähige, gesunde Bakterien enthalten („probiotische Mikroorganismen“). Probiotische Mikroorganismen können das Gleichgewicht in unserer Darmflora beeinflussen. Dadurch verändert sich das Milieu im Darm positiv, so dass krankmachende Bakterien, Fäulnisbakterien, Pilze und Krankheitserreger auf natürliche Weise verdrängt werden. Ein gutes Probiotikum zeichnet sich durch eine Mischung vieler verschiedener Bakterienstämme aus. Denn ein Bakterienstamm allein kann eine fehlbesiedelte Darmflora nicht regenerieren. Auch ist die Konzentration an Bakterien ausschlaggebend. Sie sollte 109 Keime pro Gramm betragen. Zucker, Aromen und Konservierungsstoffe haben in einem Probiotikum nichts zu suchen. Im Gegenteil, sie verhindern die Ausbildung einer gesunden Darmflora. Der Grund: Zucker ist für Gärungsbakterien und Pilze der Hauptenergielieferant und einer der stärksten Säurebildner. Deshalb sollte der Zuckerkonsum auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Konservierungsstoffe hemmen das Wachstum von Bakterien. Folglich ist es nicht möglich, eine gesunde Bakterienflora aufzubauen, wenn diese gleichzeitig immer wieder durch Konservierungsstoffe geschädigt wird.

Die Bedeutung einer angepassten Ernährung
Um den Aufbau einer gesunden Darmflora nicht zu behindern, sollten Sie gärungsfördernde Lebensmittel von Ihrem Speiseplan streichen, besonders zu Beginn einer Darmflora aufbauenden Therapie. Gärungsprozesse führen zu Blähungen und zur Bildung von Säuren und behindern darüber hinaus die Vermehrung gesunder Bakterien. Zu den Lebensmitteln, die Gärungsprozesse fördern, zählen: Milch, Hefe (frisches Brot, Gebäck), rohes Getreide (z.B. Müsli), Kohl, Hülsenfrüchte oder Blattsalate. Die Verträglichkeit von Lebensmitteln, Getränken und Speisen ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich. Jeder muss selbst ausprobieren, was ihm bekommt und welche Lebensmittel besonders zu Gärungsprozessen, sprich Blähungen, führen. Wünschenswert ist eine ballaststoffreiche Ernährung. Denn Ballaststoffe sind die Lebensgrundlage der Darmbakterien. Bei Menschen, deren Darmflora fehlbesiedelt ist, lösen Ballaststoffe jedoch Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl aus. Zu Beginn einer Darmflora aufbauenden Therapie sollte der Ballaststoffgehalt der Nahrung daher gering sein. Da aber Ballaststoffe den Nährboden für die gesunden Bakterien bilden, sollte die Ernährung zunehmend ballaststoffreicher werden.

Foto: Monika Frei-Herrmann

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