Klöster zum Verweilen 

Kraftvolle Gebäude an auserwählten Orten, eine besondere, über Jahrhunderte gewachsene Atmosphäre – allen Abteien ist dies gemeinsam. Viele von ihnen öffnen ihre Tore nicht nur für spirituelle Auszeiten, sondern auch als Herberge zum Verweilen. Ob die Abtei Vallingegno, ein noch unentdeckter Juwel in Umbrien, das lebensfreudige Kloster Bonlanden bei Memmingen oder das unvergleichliche Frauenwörth im Chiemsee, sie alle bieten spürbar mehr Dimensionen als andere Unterkünfte. Eine Inspiration von Martina Guthmann für eine andere Suche nach Herberge.

 

 

VALLINGEGNO – UNENTDECKTER JUWEL 

QC77F05

Bild: im Herzen Umbriens, unweit von Gubbio im „Tal des Genius“, liegt die Abtei Vallingegno

Wer auf den Spuren des heiligen Franziskus unterwegs ist, kennt Assisi, Gubbio oder La Verna. Doch nur wenige wissen von einem besonderen Ort zwischen Assisi und Gubbio, den Franziskus an einem entscheidenden Wendepunkt seines Lebens aufsuchte: die Abtei von Vallingegno.

Mitten in den sanften Hügeln Umbriens, umgeben von Wäldern und alten Pilgerwegen, liegt dieser Ort, an dem Natur, Geschichte und Spiritualität auf besondere Weise zusammenfinden. Lange
bevor die christliche Abtei entstand, befand sich hier das Heiligtum des römischen Gottes Genius. In der Krypta sind noch heute Reste dieses vorchristlichen Tempels erhalten.

Benediktinermönche machten Vallingegno seit dem frühen Mittelalter zu einem Ort der Gastfreundschaft und bewahrten die Spuren der Geschichte und das Wissen ihrer Zeit.

Für Franziskus war Vallingegno eine entscheidende Lebensstation: Kurz nachdem er auf seinen Besitz verzichtet hatte und als mittelloser Pilger unterwegs war, wurde er von Räubern überfallen und von den Benediktiner Mönchen aufgenommen und gepflegt. Sie übertrugen ihm dafür die einfachsten Arbeiten. In dieser Zeit des Dienens und der Demut gewann Franziskus neue innere Kraft für seinen weiteren Weg. Wenig später schlossen sich ihm die ersten Brüder an und er begann seine außergewöhnliche geistliche Mission.

Die Abtei erlebte Blütezeiten, Kriege, Zerstörung und Verfall, geriet fast in Vergessenheit. Dass Vallingegno heute wieder ein so lebendiger, von Gastfreundschaft und Naturliebe geprägter Ort ist, verdankt die Abtei der Familie Monacelli. Mit großem Engagement restaurierte sie den historischen Komplex. Inzwischen führt der Arzt Dr. Guido Monacelli das Lebenswerk seiner Mutter fort und empfängt Gäste mit derselben Herzlichkeit und Begeisterung. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Ingenieur Stefano, entwickelte er in den vergangenen Jahren das Projekt „Ethischer Tourismus“, das sich an den Nachhaltigkeitszielen der UN-Agenda 2030 orientiert. Im Mittelpunkt stehen gesunde Ernährung, der Erhalt alter Obst- und Gemüsesorten, der Schutz der Artenvielfalt sowie das Engagement für junge Menschen und sozial Benachteiligte. Und das nicht nur in Umbrien, wo Dr. Guido Monacelli als Vernetzer gilt. Ein Teil der Einnahmen aus den Gäste-Aufenthalten unterstützt gemeinnützige Organisationen, die sich für Frieden, Gesundheit, Solidarität und den Schutz unseres Planeten einsetzen.

Gerne zeigt Dottore Monacelli seinen Gästen die Quelle des heiligen Ubaldo und lässt sie von dem „Acqua miracolosa“ kosten: Der Überlieferung nach ließ Ubaldo diese Quelle für seine durstige Mutter entspringen, indem er mit seinem Stab auf den Boden schlug. Vallingegno ist voll von solchen schönen Geschichten und die Zukunft des Juwels steht unter einem guten Stern.

Das WLAN funktioniert nur eingeschränkt, genau das empfinden viele Besucher als Geschenk. Statt auf Bildschirme richtet sich der Blick auf die bewaldeten Hügel, den weiten Sternenhimmel, die jahrhundertealten Mauern – und vielleicht auch ein wenig mehr auf sich selbst.

 www.vallingegno.it

Bild: Mittelalterliches Fresko in der Krypta:

 

BONLANDEN – LEBENSFREUDE

QC77F06

Bonlanden – gute Erde, der Name ist treffend  für dieses Kloster nahe Memmingen, am Übergang zwischen Oberschwaben und Allgäu, einfach ein richtig gutes Fleckchen Erde, offen für alle. 

„Viele entdecken uns durch Zufall, wenn sie dem Stau auf der Autobahn ausweichen“, erzählt Schwester Witburga, „und dann verlieben sie sich  in diesen besonderen Ort und kommen immer wieder.“ Und das liegt an den weltoffenen und gastfreundlichen, naturverbundenen, herzlichen  und achtsamen, coolen und klugen Schwestern, die aus dem Klosterareal mit seinen historischen Bauwerken in wunderschöner Natur einen wahren Ort der Lebensfreude gemacht haben. 

Im Gästehaus San Damiano fühlt man sich in das gleichnamige Kloster südöstlich von Assisi versetzt – Fotografien aus Umbrien, Vogelgezwitscher im Treppenhaus, geschmackvolle Gästezimmer, die nach Franz von Assisis  Weggefährtin Klara, ihrer Mutter und ihren Schwestern benannt sind. 

Jeder fühlt sich hier auf Anhieb wohl, genauso wie im gegenüberliegenden ehemaligen Schulhaus  voller kreativer Ideen – von den Zimmern über den Festsaal bis zum Meditationsraum mit dem wohlgeformten hölzernen Tau-Kreuz.

Draußen erinnert der Garten „Mutter Erde“ mit dem Labyrinth des Lebens und die Installation „Schwester Wasser“ an den Sonnengesang des  heiligen Franziskus.

Im Bereich der ehemaligen Stallungen befindet sich sinnigerweise der Krippenweg. Auf gut
30 Metern zeigt er mit mehr als 350 Barockfiguren die biblische Geschichte der Menschwerdung
Jesus. Es sind 16 Stationen, beginnend von der Ankündigung des Messias durch den Propheten
Jesaja über die Geburt im Stall von Bethlehem, seine Kindheit als Schreinersohn bis zur Hochzeit zu Kanaa, bei der Jesus Wasser in Wein verwandelte. Mit seinen liebevollen Details bringt dieses Kunstwerk Groß und Klein ganzjährig zum Staunen.

Absoluter Augen- und Gaumenschmaus sind  die weit über die Region geschätzten handgefertigten Kuchen und Torten aus der klostereigenen Konditorei genauso wie das „besondere“ Frühstück.

Weil das Kloster jeden Gast mit so großer Wertschätzung empfängt, bleibt so mancher länger
als geplant und kommt immer wieder.

www.kloster-bonlanden.de

 

 

FRAUENWÖRTH – WEITERENTWICKLUNG

QC77F07

Bild (Claudia Schwarzmeier): Perspektivwechsel: Die Fraueninsel von Gstadt aus gesehen.

Mitten im Chiemsee gelegen bietet dieses Insel-Kloster unschätzbare Ruhe und Entfaltungsmöglichkeit zugleich.

Wenn morgens der Nebel noch über dem Chiemsee liegt oder am Abend die letzten Schiffe abgelegt haben, dann sind dies die wertvollen stillen Stunden, um den kraftvollen Ort zu erleben, der seit mehr als 1.200 Jahren Menschen zur Einkehr und Inspiration einlädt. So lange schon gibt es das geistliche Frauenkloster im Geiste des heiligen Benedikt, dessen Werte wie Maßhalten, Klarheit, Zielstrebigkeit und Lebensfreude bis heute an Aktualität nicht verloren haben.

Im Gästehaus pflegen die vierzehn Schwestern der Gemeinschaft eine herzliche Gastfreundschaft, sowohl für Individualreisende als auch für Seminarteilnehmer. Denn die Abtei ist zugleich ein Ort der persönlichen Weiterentwicklung. Das Seminarprogramm auf Frauenwörth reicht von Lebensorientierung über Gesundheit bis hin zu kreativen Angeboten. So lädt beispielsweise das jährlich im Dezember stattfindende Seminar „Auf zu neuen Ufern“ mit Ursula Herrlein, systemischer Coach, und der Kunsttherapeutin Veronika Seebass dazu ein, mit Farbe und Selbstreflektion Herz und Verstand miteinander zu verbinden, eigene Stärken zu entdecken und neue Perspektiven zu entwickeln. Ob Qi Gong, Feldenkrais, Yoga oder Jin Shin Jyutsu, japanische Tuschemalerei, Kammerspiel oder Kontemplation – ein Seminar in dieser Umgebung eröffnet neue innere Räume.

Bild (Claudia Schwarzmeier): Impressionen vom Seminar „Auf zu neuen Ufern“.

In der Klosterbackstube entstehen nach überlieferten Rezepten die berühmten Chiemseer Lebkuchen und feines Marzipan. In jahrhundertealter Tradition werden auch edle Destillate und Original Chiemseer Kräuterlikör hergestellt. Dabei ist die enge Verbundenheit mit traditioneller Klostermedizin der Benediktinerinnen spürbar. 

Frauenwörth inspiriert auf eine ganz besondere Art und Weise und wirkt lange nach. Es ist eine Mischung aus Demut und Genuss, von Innehalten und Weiterentwicklung.

www.frauenwoerth.de/seminare