Was ist gut und was ist böse? Was schlecht oder gut?
Das philosophische Werk „Zur Genealogie der Moral“ von Friedrich Nietzsche (1844-1900) ist eine sogenannte Streitschrift, eine literarische Textform der Kontroverse aus dem Jahre 1887. In diesem Werk, das eines der einflussreichsten Werke Nietzsches ist, kritisiert er nicht die Moral an sich, sondern untersucht die historische und psychologische Herkunft unserer Moralvorstellungen. Sein Ziel war es, die geschichtliche Entwicklung und die psychischen Voraussetzungen bestimmter moralischer Wertvorstellungen nachzuvollziehen und deren tatsächlichen Wert für das Leben zu überprüfen. Er sagt also nicht, wie die Menschen handeln sollten, sondern er versucht, herauszufinden, warum Menschen glauben, sie sollten auf eine bestimmte Weise handeln, oder andere dazu bringen wollen, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Nietzsche sieht zwei Arten von Moral, er unterscheidet zwischen einer Herrenmoral und einer Sklavenmoral. Die Herrenmoral ist das Moralsystem der Herrschenden, die sich ihres Unterschieds gegenüber den Beherrschten „mit Wohlgefühl“ bewusst sind und die den Begriff „gut“ bestimmen. „Gut“ bedeutet in erster Linie sie – die Herrenmoral – selbst. Die Herrenmoral ist nach Nietzsche eine Moral für Menschen, die gestalten und die Macht haben. Auch der vornehme Mensch hilft dem Unglücklichen, „aber nicht aus Mitleid, sondern aus einem Drang, den der Überfluss von Macht erzeugt“. Er hilft somit, um seine Macht zu demonstrieren. Wenn die Herrschenden sich selbst über den Begriff „gut“ definieren, so sind die Beherrschten nach dieser Moralvorstellung nicht „böse“, sondern „schlecht“. „Gut“ bedeutet in diesem Sinne vornehm, „schlecht“ dagegen verächtlich und unvornehm. Schlecht ist alles, was nicht zur Herrenmoral passt.
Der Gegenbegriff zur Herrenmoral ist die Sklavenmoral. Dies ist die Moral der Unterdrückten und Unterprivilegierten. Der Sklave ist misstrauisch gegenüber allem „Guten“, dagegen werden die Eigenschaften betont, die dazu dienen, das Dasein zu erleichtern. Hierzu gehören Hilfsbereitschaft, Mitleid, Geduld, Fleiß, Demut und Freundlichkeit. Die Sklavenmoral wird als Nützlichkeitsmoral bezeichnet, sie dient dazu, für andere Menschen da zu sein.
Gibt es in der Herrenmoral den Gegensatz zwischen „gut“ und „schlecht“, so ist es in der Sklavenmoral der Gegensatz zwischen „gut“ und „böse“. Der ungefährliche Mensch, der Sklave ist „gut“, während der gefährliche Mensch, der, der die Macht hat, der Herr, „böse“ ist. Das Werk endet mit einer Vision einer neuen Moral, für die Nietzsche auf seinen „Zarathustra“ verweist und in der die beiden Weisen der Moral aufgehoben werden. Die Genealogie der Moral beeinflusste zahlreiche Denker wie z.B. Siegmund Freud, Jean Paul Sartre und Michel Foucault und ist auch heute noch ein grundlegendes Werk der Philosophie.
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Seit Jahren beschreibt Helga Ranis für www.quellonline.de die Erkenntnisse der großen Denkerinnen und Denker, die uns die Herausforderungen des Lebens leichter bewältigen lassen. Über die Jahre ist eine beeindruckende Sammlung an Rezepten und Strategien entstanden. Sie geben Inspirationen, wie die Menschen ihren Alltag gestalten können. Der Weg zur inneren Freiheit des stoischen Philosophen Epiktet fehlt in dieser philosophischen Hausapotheke ebenso wenig wie moderne Überlegungen über das Wesen der Arbeit von Axel Honneth. Das Spektrum reicht von Adorno bis Zizek.
Die Autorin Helga Ranis studierte Theologie und Philosophie und schöpft aus einem großen Fundus philosophischen Wissens.






