Waldbaden – Aromatherapie für den Körper

Der Trend aus Japan, im Wald zu baden, schwappt nun auch auf Deutschland über. Den ersten anerkannten Heilwald Europas gibt es auf Usedom und auch die Landesgartenschau in Bad Iburg setzt auf die Kraft des Waldes.

Koreanische Wissenschaftler haben herausgefunden: Waldluft tut dem menschlichen Organismus besonders gut. Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler ältere Frauen eine Stunde lang zum Spazierengehen geschickt. 43 Frauen gingen dabei durch den Wald und 19 Frauen spazierten in der Stadt. Vorher und nachher überprüften die Wissenschaftler Blutdruck, Lungenkapazität und die Elastizität der Arterien. Bei den Wald-Teilnehmer-  innen war der Blutdruck deutlich gesunken, ihre Lungenkapazität hatte zugenommen und die Elastizität der Adern hatte sich verbessert. Keine Unterschiede bei den gemessenen Parametern konnten die Wissenschaftler jedoch bei den Spaziergängerinnen in der Stadt ermitteln.
Bäume aktivieren Killerzellen
Ergebnisse von japanischen Forschern zielen in die gleiche Richtung. Die Wissenschaftler von der Nippon Medical School in Tokio fanden heraus, dass das Spazieren im Wald offenbar im Körper Krebs-Killerzellen aktiviert, die mindestens sieben Tage nach dem Spaziergang noch nachweisbar waren. Die Forscher vermuten, dass diesen Effekt so genannte Phytonzide (antibiotisch wirksame Substanzen) auslösen. Pflanzen bilden diese Stoffe, um sich vor Krankheitserreger und Schädlingen zu schützen. Spaziergänger im Wald atmen diese Substanzen ein und stärken damit ihr Immunsystem. In Japan haben gesundheitlich motivierte Ausflüge in den Wald sogar einen speziellen Namen. „Shinrin Yoku“ werden sie im Land der aufgehenden Sonne genannt und sie gelten als natürliche Aromatherapie. Die Menschen in Japan genießen die ruhige Atmosphäre, die Schönheit der Umgebung, das milde Klima und die Sauberkeit der Luft, die sie im Wald vorfinden. Denn in Wäldern ist die Luft besonders staubarm: Die dort gemessenen Konzentrationen betragen nur ein bis zehn Prozent der Konzentrationen, wie sie in Städten gemessen werden. In Japan nutzt man bereits seit knapp 50 Jahren den Akasawa Natural Recreational Forest mit uralten Zypressen als Erholungswald. Neben verschiedenen Spazierwegen gibt es dort auch einen akademischen Forschungspfad, ein Therapie- zentrum, ein Waldinformationszentrum, Rastplätze sowie eine Waldeisenbahn.
Der Heilwald als Apotheke
Doch auch hierzulande entstehen sogenannte Heilwälder: Den ersten anerkannten Heilwald Europas gibt es im Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom. Hier wird der Wald nicht nur als Wirtschaftsraum gesehen, sondern fungiert als Therapeut, Apotheke und Fitnessstudio. In dem Waldstück sind Bewegungsstationen, Ruheplätze und Wege entstanden, um Atemwegs- sowie Herz- und Kreislauferkrankungen sowie psycho- somatische Beschwerden zu lindern. Ein anderes Beispiel ist die Landesgartenschau in Bad Iburg bei Osnabrück. Dort können die Besucher vom 18. April bis 14. Oktober 2018 täglich erleben, was es mit Waldbaden konkret auf sich hat. Sechs Personen haben sich extra ausbilden lassen, um mit Gästen der Gartenschau im Wald zu baden. Doch fürs Waldbaden braucht der normale Bürger normalerweise kein Zertifikat: Es genügt, einen Wald seiner Wahl anzusteuern und erst einmal tief Luft zu holen.

Waldbade-Stätten

laga2018-badiburg.de

kur-und-heilwald.de

QC48L06

Bildnachweis: Monika Frei-Herrmann

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