Wald im Klimawandel

Den deutschen Wäldern geht es schlecht – sehr schlecht. Das Ausmaß der geschädigten Bäume ist weitaus höher als man dachte. Rund 180.000 Hektar Wald in Deutschland sind zerstört, durch Stürme, Dürre und dem Borkenkäfer. Nach Aussage von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat: “der Klimawandel uns deutlich schneller getroffen als erwartet”. In den nächsten vier Jahren will die Bundesregierung deshalb 547 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen um nicht nur die aktuellen Schäden zu bewältigen sondern auch die Wälder fit für die Zukunft zu machen. Hinzu kommen dann noch Mittel der Länder so dass insgesamt rd. 800 Millionen zur Verfügung stehen. Doch zu dem im Rahmen des nationalen Waldgipfels vom 25.09.2019 vorgestelltem Maßnahmenkatalog gibt es sehr unterschiedliche Ansichten von Forstwissenschaftlern, Umweltverbänden und Politikern. Das Spektrum der Maßnahmen reicht von Schadholz beseitigen, über Flächen wieder bewalden, das Jagdgesetz anpassen, die privaten Waldbesitzer unterstützen bis zum Stopp des Personalabbaus bei den Forstbetrieben.

Klimaresiliente Mischwälder

Greift man die Maßnahme “Flächen wieder bewalden” heraus, so sollen 11,4 Millionen Hektar an den Klimawandel, durch eine Verjüngung angepasst werden. Durch den Einsatz von hochwertigem Saat- und Pflanzgut sollen klimaresiliente, leistungsfähige Mischwälder entwickelt werden. Der bekannte Buchautor und Förster Peter Wohlleben sagte dazu in einem Interview mit tagesschau.de. Es braucht dem Wald gegenüber  “mehr Demut”. “Das Bundeslandwirtschaftsministerium ist der Ansicht, man kann den Wald machen. Sie können keinen Wald machen, sie können immer nur Plantagen machen.” Peter Wohlleben fordert deshalb gemeinsam mit siebzig Waldexperten und Wissenschaftlern in einer Petition: Weg von der Plantagenwirtschaft und hin zum Wald als Ökosystem.  Eine weitere notwendige Maßnahme wäre aus seiner Sicht 20 Prozent Schutzflächen im Wald, die man sich selbst überlassen sollte und schauen was die Natur macht und 80 Prozent die man bewirtschaftet.

Umdenken notwendig

Die Notwendigkeit eines Umdenkens sieht auch das Bundesamt für Naturschutz.  Die bisher einseitige nutzorientierte Perspektive der Forstwirtschaft muss um das ökologische Wissensfundament des Naturschutzes und der Ökologie ergänzt werden. Das erfordert einen “umfassenden Wandel der Mentalitäten und Denkweisen in (…) der Ausbildung und Beratung”. Auf die angedachte Maßnahme zum Ausbau der Betreuungs- und Beratungsmöglichkeiten für die privaten Klein-Waldbesitzer angewandt, kann das nur bedeuten, wenn Beratung dann aber bitte zukunftsorientiert und ökologisch.

Ein gutes Beispiel

Ein gutes Beispiel für einen Verein, der sich schon seit rund 30 Jahren dem ökologischen Umbau der Nadelholzforste in klimastabile Mischwälder widmet ist der Verein Bergwaldprojekt e.V. aus Würzburg. Schon Anfang der 1990er Jahre hat sich der Verein das Ziel gesetzt, mit dem Pflanzen von Bäumen das Klima zu retten. Wenn man selber aktiv werden will um seinen eigenen Beitrag zu leisten, dann ist man hier richtig. Jeder kann beim Bergwaldprojekt mitmachen, entweder bei Pflanzaktionen an einem Wochenende, oder einer eintägigen Veranstaltung, die Berwaldprojektler nennen das auch “Neihaufeschte” wo man allein oder mit der Familie richtig “rein hauen” kann. Die Termine für 2019 finden sich auf der Homepage vom Berwaldprojekt. Man kann auch einen Baum spenden. Für eine Baumspende in Höhe von 17,00 Euro pflanzen und schützt der Verein Bergwaldprojekt jeweils einen standortheimischen Baum in einem der Waldumbauprojekte. Eine weitere Möglichkeit als KundInnen der Deutschen Bahn kann man die bahn.bonus-Punkte für Baumprämien einlösen. Für 500 eingelöste Punkte werden zwei Bäume vom Bergwaldprojekt e.V. gepflanzt.  Seit 2009 wurden über 270.000 standortheimische Bäume in der Schutzwaldsanierung und im ökologischen Waldumbau gepflanzt. Weitere Infos unter: www.bahn.de/bahnbonus.

Bildnachweis: www.bergwaldprojekt.de; Pflanzentransport Baden Baden im Nordschwarzwald