Vulkan Bárðarbunga wieder aktiv

Seit Ende August brodelt es am isländischen Vulkan Bárðarbunga. Bald könnte ein weiterer Ausbruch direkt unter dem Gletscher erfolgen. Die vulkanischen Aktivitäten zeigen uns dramatisch, dass sich unser Planet in einem andauernden Schöpfungsprozess befindet. Von Andreas Walker

Aus den Spalten des Holuhraun tritt seit Wochen rotglühende Lava an die Oberfläche. Als Holuhraun wird ein Lavafeld im isländischen Hochland nördlich des Gletschers Vatnajökull bezeichnet, das durch Spalteneruptionen entstanden ist. Bisher wurde dieses Lavafeld dem Vulkansystem des Askja zugeordnet. Jetzt zeigen neuere Untersuchungen, dass die Zusammensetzung der Lava auf eine Zugehörigkeit zum System der Bárðarbunga hinweist. Das Lavafeld war bis Mitte Oktober bereits auf etwa 50 Quadratkilometer angewachsen.

20 000 Erdbeben pro Monat
Nach Angaben des Icelandic Met Office (IMO) schießen jede Sekunde 150 000 Liter zähflüssiges Gestein hervor, das sich langsam nordwärts wälzt. Innerhalb eines Monats wurden mehr als 20 000 Erdbeben registriert – ein klares Zeichen dafür, dass sich einiges tut unter der Erde. Deshalb befürchten Experten, dass bald der grösste Vulkan Islands, die Bárðarbunga ausbrechen könnte. Dieser liegt unter dem Gletscher Vatnajökull im Südosten des Landes und ist jetzt wieder aktiv. Besondere Sorge bereitet den Geologen, dass der Krater – die Caldera – um mehr als 20 Meter abgesackt ist. Dieser Vorgang lässt befürchten, dass bald eine weitere Eruption bevorstehen könnte.
Sollte der Vulkan tatsächlich ausbrechen, würde der über 800 Meter dicke Gletscher auf dem Berg die Lava zunächst blockieren. Sobald die Lava jedoch den Gletscher durchdringt, würden Explosionen große Aschewolken erzeugen, die den Flugverkehr behindern würden. Zudem würde das geschmolzene Gletscherwasser eine riesige Flutwelle verursachen.

Erinnerungen werden wach
Die Situation erinnert  stark an den Vulkan „Krafla“ in den 1970er Jahren. Auch damals gab es ein Zusammenspiel mit der Oberfläche, die sich absenkte mit gleichzeitigen Lavaausbrüchen in einer Spalte weiter weg. Das wäre allerdings so etwas wie ein worst-case Szenario, denn der Ausbruch des Krafla dauerte damals neun Jahre lang.
Bereits vor vier Jahren mussten nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull weite Teile des europäischen Luftraums für sechs Tage gesperrt werden. Mehr als zehn Millionen Flugpassagiere waren davon betroffen und der finanzielle Schaden für die Luftfahrt bezifferte sich auf 1,7 Milliarden Dollar.
An der Nahtstelle der europäischen und amerikanischen Kontinentalplatte Island ist mit einem Alter von ca. 17 bis 20 Millionen Jahren geologisch gesehen sehr jung. Dies ist durch die Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken bedingt. Mittelozeanische Rücken, zu denen auch der Mittelatlantische Rücken zählt, sind Orte, an denen sich der Ozeanboden regelmäßig erneuert. Durch Konvektionsvorgänge im Erdinnern entsteht eine Krafteinwirkung auf den Ozeanboden, in dessen Folge er „aufreißt“ und der entstandene Riss durch nachfließendes Magma ausgefüllt wird. Dabei entsteht mit der Zeit ein unterseeisches Gebirge. Island liegt somit an der „Nahtstelle“ der Eurasischen und Nordamerikanischen Platte. Die in der Mitte eines Mittelozeanischen Rückens auftretende Zentralspalte ist auf Island teilweise auch an Land zu sehen. Da sich Europa und Nordamerika pro Jahr um zwei Zentimeter voneinander entfernen, wird die Erdkruste über dem Mittelatlantischen Rücken immer wieder aufgerissen und verursacht in Island eine große vulkanische Aktivität.

Gigantische Schwefelwolke
Etwa 20 000 Tonnen Schwefeldioxid pustet der Vulkan pro Tag in die Atmosphäre. Noch nie waren seit Beginn der Messungen Anfang der 1970er Jahre derart dichte Schwaden von Schwefeldioxid über Island gemessen worden. Deshalb empfahlen die Behörden den Menschen, die in Windrichtung wohnen, die Fenster und Türen zu schließen. Messungen zeigen, dass sich die Schwefelwolke bis nach Norwegen erstreckt. Sogar im Alpenraum konnte die Schwefelkonzentration des isländischen Vulkans problemlos nachgewiesen werden.

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Foto: Andreas Walker