Vom Balkon- zum Landschaftsgärtnern

Egal ob in der Stadt oder auf dem Land: An dem Projekt, die Welt zu einem Garten zu machen, kann sich jeder beteiligen.

Versiegelte Flächen renaturieren
„Unter dem Pflaster liegt der Strand.“ Den Ausspruch des französischen Philosophen Proudhon malten 1968 in der Mai-Revolte in Paris Arbeiter und Studenten an die Mauer. Heute müsste es hei-ßen: „Unter dem Pflaster liegt der Garten.“ Den Anfang machten die Pioniere des „Guerilla Gardenings“, indem sie heimlich Pflanzen säten, um so ein Zeichen gegen die Vernachlässigung der Städte zu setzen. Mittlerweile werden Flächen, wie das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin, ganz offiziell genutzt. Dort wächst mittlerweile in Hochbeeten allerlei Essbares. Da auf Brachen der Boden oft stark belastet ist, bietet sich dort das Pflanzen in Kisten und Hochbeeten an, damit keine Schadstoffe in die Pflanzen gelangen. Weiterer Vorteil: Sollte die Brachfläche anders genutzt werden, können die Beete einfach an einen neuen Standort gebracht werden.

Auf dem Fensterbrett oder Balkon beginnen
Kräuter für den Hausgebrauch kann jeder auf seinem Fensterbrett pflanzen. Und auch für die bedrohten Bienen kann jeder auf kleiner Fläche Gutes tun: Bienen mögen nämlich vor allem einfache Pflanzen, denn die züchterisch veränderten „gefüllt blühenden“ Pflanzen bieten durch die zurückgebildeten oder nicht mehr zugänglichen Staubblätter in der Regel keine Nahrung für Bienen und andere bestäubende Insekten. Samentütchen für „Bienen-futter“ gibt es bei verschiedenen Anbietern, beispielsweise bei Bingenheimer Saatgut. www.bingenheimersaatgut.de

Den Boden verbessern
Schon heute sind weltweit 40 Prozent der fruchtbaren Böden für den Anbau unbrauchbar geworden. Auch hierzulande gehen wir mit unseren Böden sorglos um: So ergibt sich ein Substanzfraß an Fruchtbarkeit aus dem Anbau von bodenauslaugenden Maispflanzen für die Erzeugung von Biogas. Während gesunde Böden einen Humusgehalt von 5 Prozent aufweisen, haben heruntergewirtschaftete Böden nur noch 1 Prozent Humus. Dabei kann ein Boden mit viel Humus wesentlich besser Kohlendioxid speichern als ein humusarmer Boden und er trägt so zum Klimaschutz bei.
Ein Ansatz, um die Bodenqualität zu verbessern, ist die sogenannte Permakultur (von dem englischen Wort „permanent Agriculture“, was so viel heißt wie dauerhafte Nutzung des Landes.) In Permakulturgärten wird das Bodenleben gefördert und Humus aufgebaut, hier kommen keine Gifte oder Kunstdünger zum Einsatz. Oberstes Gebot ist, mit der Natur zu arbeiten anstatt gegen die Natur. Elementar ist dabei die intensive Nutzung von kleinen Flächen durch sinnvolle Mischkulturen sowie die spezielle Strukturierung von ebenen Flächen in Hügelbeete oder Kräuterspiralen. Alle Erzeugnisse werden verwertet, um keinen Abfall und keine Verschwendung von Energie zu erzeugen. Und es wird auch kein Abfall produziert. „Der Mist von heute ist der Kompost von morgen“, lobt Josef Heringer den Komposthaufen. Doch auch Balkongärtner können die Erde verbessern, indem sie etwa mit effektiven Mikroorganismen (EM) düngen. www.emiko.de

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Foto: Roland Tichy

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