Städte die Geschichte erzählen

Städte als Spiegel der Gesellschaft erzählen spannende Geschichte. Wer in sie eintaucht, versteht, wie sie sich im Laufe der Jahrtausende immer wieder auf neue Herausforderungen eingestellt haben. Als Orte der Begegnung entwickeln sie sich ständig für das Jetzt und das Morgen weiter. Und wie immer sind es die Menschen, die sie gestalten. Von Martina Guthmann.

Regensburg

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben in der UNESCO-Welterbestadt

Die schon auf die Römer zurückgehende mehr als 2.000 Jahre alte Stadt hat sich Nachhaltigkeit auf die Flagge geschrieben – von der innerstädtischen Mobilität bis hin zu Gemeinschaftsgärten. So will die an der Donau gelegene Stadt ihr historisches Erbe von mehr als 1.000 Baudenkmälern aus dem Mittelalter für künftige Generationen erhalten. Ökologische und soziale Themen stehen schon lange im Fokus der Stadtverwaltung. Mehr und mehr Hotels und Restaurants lassen sich nach den Kriterien des nachhaltigen Tourismus zertifizieren; so auch das St. Katharinenspital, ein Brauhaus aus dem Mittelalter und neben Dom und Steinerner Brücke fast schon ein Wahrzeichen der Stadt. In den engen Gassen der Altstadt haben kleine, spezialisierte Geschäfte ihren Platz – vom Antiquitätengeschäft bis zum Unverpackt-Laden, vom veganen Café bis zum Second Hand Shop. Für den Umweltpakt Bayern engagieren sich die traditionsreichen Hotels Münchner Hof und Blauer Turm. Es ist ein gutes Gefühl, auf den Spuren unserer Geschichte den eigenen ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. (Titelbild Ansicht von Regensburg) QC58F06

www.regensburg-nachhaltig.de


Kempten

Die älteste Stadt des Allgäus macht Geschichte mit Multimedia- Techniken lebendig

In der festlich geschmückten Innenstadt wird auch 2020 das Weihnachtsbähnle fahren.

Geschichtliches Wissen öffnet jedem Menschen neue Welten; umso wichtiger ist es, Historie spannend und verständlich zu vermitteln: Die Stadt Kempten, die zu den ältesten Städten Deutschlands zählt, bietet Einheimischen und Besuchern zahlreiche ungewöhnliche Angebote, um in vergangene Zeiten einzutauchen: In einem interaktiven Rundgang erweckt der Archäologische Park Cambodunum mittels multimedialer App ganzjährig die römische Ära zu Leben. Ein Großteil dieses Freigeländes ist ganzjährig kostenlos zugänglich. Die Allgäu-Metropole steckt voller archäologischer Überraschungen: So stieß man erst 2003 bei Bauarbeiten in der Innenstadt auf die Erasmus-Kapelle und auf rund 500 frühmittelalterliche Grabstellen. In einer Multimedia-Show wird das Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert zum Sprechen gebracht, das in den letzten acht Jahrhunderten mal Kapelle, Weinkeller oder Schützengraben war. Kempten blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die zeigt, wie sehr Städte sich mit der Gesellschaft wandeln: Was heute fast unvorstellbar ist: Kempten war zeitweilig eine Doppelstadt, geteilt in die evangelische Reichsstadt und in die katholische Stiftsstadt der Fürstabtei. Heute lädt das Kempten-Museum als „Wohnzimmer der Stadt“ im denkmalgeschützten Zumsteinhaus zur Erkundung der Stadtgeschichte ein. Aus der Geschichte zu lernen und sich mit der Gesellschaft stetig weiter zu entwickeln, das macht Kempten aus. QC58F07

www.kempten-tourismus.de


Schwerin

Ökologischer Geist belebt das Florenz des Nordens

Das Schweriner Schloss – Neuschwanstein des Nordens

Gegründet im Jahr 1160 von Heinrich dem Löwen, ist die älteste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns weithin bekannt für ihr Märchenschloss auf einer Insel im Schweriner See: Aus dem ersten Burg-Bau im Mittelalter wurde Jahrhunderte später dieser Prunkbau im Stil des romantischen Historismus, der in Europa seinesgleichen sucht, und in dem sich das höfische luxuriöse Leben und dessen verschwenderischer Reichtum eindrücklich nachspüren lassen – mit wertvollen Möbeln, aufwändigen Gemälden, Skulpturen, feinem Porzellan, edlem Silbergerät sowie Jagd- und Prunkwaffen. Direkt damit verbunden und doch im Kontrast dazu fasziniert die weite Landschaft, in die das Schloss und auch die ganze Stadt Schwerin gebaut wurde: Ein Viertel der Stadtfläche nimmt die Mecklenburger Seenplatte ein, mit dem Schweriner See als einem der großen vier Binnenseen Deutschlands. Gerade in den Wintermonaten, wenn es ruhiger wird auf den Seen, in den Parks, den alten Schlossgärten und in den Gassen der Altstadt, erlebt man die Faszination des Zusammenspiels von Architekturgeschichte und Natur besonders intensiv. Im Museum der Schleifmühle ist zu sehen, wie bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts dekorative Kamineinfassungen aus tonnenschweren Granitfindlingen und Schmuckstücken aus Mineralien der Region geschliffen wurden. Und dann ist da noch eine weitere Facette der Stadt: die des nachhaltigen Konsums, den die Menschen der Stadt pflegen. Da ist das Kreativkaufhaus Schwerin, das eine Fundgrube für originelle Geschenke aus Künstlerhand bietet. Da ist unweit des Doms das Café Müllers mit seinen veganen und vegetarischen Köstlichkeiten. Und da ist das klimapositive Bio-Hotel Amadeus unweit der Pauls­kirche in einer liebevoll sanierten historischen Stadtvilla. QC58F08

Übernacht

Bio-Hotel Amadeus
Die mehr als 150 Jahre alte Stadtvilla ist heute ein liebevoll saniertes,
klimapositives und gemeinwohlzertifiziertes Bio-Hotel. Die Gastgeber Katrin und Raimund Brandner haben ihr Herzensprojekt zu einem Wohlfühlort gemacht, in dem die Geschichte des Hauses und eine nachhaltige Zukunft verschmelzen. Einfach schön!

www.biohotels.info/amadeus


Speyer

Im ehemaligen Zentrum des Kaiserreiches dreht sich viel um Genuss und Gesundheit

Der Speyerer Dom, die größte erhaltene romanische Kirche der Welt, ist ein UNESCO- Welterbe

Seit 2.030 Jahren besteht die Stadt Speyer, überstand Kriege, Stadtbrände und auch Epidemien. In dieser historischen Stadt widmet sich derzeit die Ausstellung „Medicus – Die Macht des Wissens“ der mehr als 5.000 Jahre langen medizinischen Entwicklung und der Überwindung von Seuchen und Krankheiten. Die kulturgeschichtliche Ausstellung zeigt auf, wie das antike medizinische Wissen über Rom und Byzanz in den arabischen Raum gelangte und im 11. Jahrhundert zurück nach Europa kehrte, wo es auf die Welt der Klostermedizin traf. Das aktuelle Pandemie-Geschehen in diesem historischen Kontext vom Umgang mit ansteckenden Krankheiten wahrzunehmen, erweitert den Horizont. „Der Bezug auf die derzeitigen weltweiten Herausforderungen macht gleichzeitig demütig dafür, wo die Medizin heute steht“, so Museums­direktor Alexander Schubert. Die Sonder-Ausstellung mit Leihgaben aus der ganzen Welt ist noch bis Mitte 2021 im historischem Museum der Pfalz zu besichtigen. Dieses Museum blickt selbst auf eine spannende Geschichte zurück. Es befindet sich auf dem Domplatz und hat einen reichen Fundus an kuriosen Sammlungsstücken zu bieten, unter anderem die älteste, noch gefüllte Weinflasche der Welt aus dem Jahr 300 n. Chr.. In der schönen Stadt am Rhein wurde immer auch gerne gut getafelt. Auf dem Gelände des heutigen Hotels Domhof mit hauseigener Brauerei nächtigten schon vor über 500 Jahren Kaiser und Könige, die hierher zu den Reichstagen kamen. Im 16. Jahrhundert tagte hier auch das Reichskammergericht des deutschen Kaiserreiches, das zu der Zeit bis nach Sizilien reichte. Nur wenige Schritte entfernt vom Kaiserdom, der größten erhaltenen romanischen Kirche der Welt, liegt am Königsplatz noch ein weiteres schönes Stadthotel, die Residenz – ein unter Denkmalschutz stehendes, barockes Anwesen. Speyer fühlt sich an wie ein Kaleidoskop der Geschichte. QC58F09

www.speyer.de


Lüneburg

Ein Adventskranz der guten Werke leuchtet auf dem historischen Wasserturm

Mit dreizehn Metern Durchmesser leuchtet der Adventskranz der guten Werke 56 Meter
über Lüneburg.

Auf Resten der mittelalterlichen Wallanlagen Lüneburgs wurde in den Jahren 1906/07 ein Wasserwerk mit typisch Lüneburger neogotischer Fassade gebaut. Heute ist der Wasserturm, den abzureißen viel zu teuer gewesen wäre, ein ganzjährig zu besichtigendes Denkmal und er hat eine ganz besondere Aufgabe: Er trägt seit 2008, dem 200. Geburtstag von Johann Hinrich Wichern, einen Adventskranz aus Aluminium auf seinen Zinnen. Der Kinderheim-Gründer und geistige Vater der Diakonie hat nämlich den Adventskranz erfunden: Er schmückte für seine sehnsüchtig den Heiligen Abend erwartenden Waisenkinder ein großes hölzernes Wagenrad mit vier großen Kerzen für die vier Adventssonntage und vielen kleinen roten für die übrigen Wochentage bis Weihnachten.
Die Lüneburger Lichtinstallation des Künstlers Wolfgang Graemer entstand auf Initiative der Lüneburger Diakonie, die daran eine Spendenaktion zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen knüpft. Stets leuchtet im Advent der rote Ring des Kranzes und die Kerzen der bisherigen Adventstage. Bei eingehenden Spenden leuchtet ein extra Ring in goldgelb fünfzehn Sekunden lang auf. Der Strom für die Beleuchtung des Wichernkranzes stammt zu 100 Prozent aus regenerativen Kraftwerken und erfüllt höchste Ökostandards. Und der CO2-Ausstoß ist über die Pflanzung von 800 Bäumen schon heute bis 2026 ausgeglichen. So verknüpft Lüneburg seine Geschichte mit einer hoffnungsvoll stimmenden Zukunft. QC58F10

www.lueneburg.de