Später altern – länger leben

Durch den richtigen Lebensstil lässt sich der Alterungsprozess deutlich verlangsamen und um Jahre aufhalten. Die Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle.

„Das Altern ist unser ältester Feind“, schreibt Aubrey de Grey. In seinem Buch „Ending Aging“ führt der in Cambridge lehrende Bioinformatiker aus, warum das so ist: In der industrialisierten Welt werden rund 90 Prozent der Todesfälle dem Altern zugeschrieben. Auf jede Person, die an anderen Ursachen stirbt – seien es Morde, Verkehrsunfälle oder Aids – kommen rund zehn Menschen, die am Altern sterben. „Aufwachen – Altern
tötet!“ lautet Greys Warnung, die er mit seinem Bestseller unter den Menschen verbreitet. Gleichzeitig verkundet der exzentrische Wissenschaftler eine frohe Botschaft: Schon in absehbarer Zeit soll die Lebenserwartung auf mehr als 1.000 Jahre ansteigen. Möglich machen soll dies ein Konzept namens SENS, das eine Reparatur altersbedingter Veränderungen auf zellulärer Ebene bedeutet. Auch wenn Greys Visionen wie Science Fiction klingen, hat die Anti-Aging-Medizin für die Menschen dennoch wertvolle Erkenntnisse zu bieten: „Wer die Verantwortung für sich selbst übernimmt und sein Leben unter Gesundheitsaspekten aktiv gestaltet, der hat gute Chancen, auch in den letzten Jahrzehnten seines Lebens ein glückliches und ausgefülltes Leben zu führen weiß die Kölner Frauenärztin und Anti-Aging-Spezialistin Dr. Barbara Fervers-Schorre.
Nach den Erkenntnissen der Anti-Aging-Medizin spielen vorallem drei Faktoren für den Alterungsprozess eine wichtige Rolle: Hormonmangel, oxidativer Stress durch freie Radikale sowie niederschwellige Entzündungsprozesse (silent inflamation).

Hormonproduktion selber kurbeln
Wenn im Alter die Produktion von Hormonen nachlässt, dann versprechen die Anti-Aging-Mediziner, die innere und äußere Balance durch eine gezielte Hormontherapie wieder herzustellen. Was aber nur wenige wissen: Auch durch einen entsprechenden Lebensstil lässt sich die körpereigene Hormonproduktion bei Frauen wie auch bei Männern aktivieren. Beispiel „Dinner Cancelling“: Das Fasten, das am späten Nachmittag beginnt, aktiviert die Bildung des Reparaturhormons Melatonin und des Wachstumshormons, des zentralen Anti-Aging-Hormons. Auch Sport wirkt sich positiv auf die Hormonproduktion aus: Denn freigesetzt wird das Wachstumshormon verstärkt bei körperlicher Bewegung. Außerdem hilft es der Hormonproduktion, nicht zu rauchen: Denn Nikotin behindert die Melatoninproduktion. Oxidativen Stress reduzieren Einen Meilenstein in der Altersforschung bilden die Erkenntnisse des amerikanischen Biogerontologen Denham Harman. Denn der studierte Chemiker konnte nachweisen, dass für das Altern der Prozess der Oxidation verantwortlich ist. Oxidation ist nichts anderes als der Vorgang, den wir als Rosten kennen. Im Mittelpunkt von Denham Harmans Theorie stehen die „Freien Radikale“, aggressive Moleküle, denen auf ihrer Elektronenhülle ein Elektron fehlt. Um wieder vollständig zu werden versuchen sie, das fehlende Elementarteilchen einer anderen Verbindung zu entreißen. So kommt es zu Kettenreaktionen, die Zellen und Gewebe schädigen. Die Häufung derartiger Schäden führt zu degenerativen Veränderungen. Mit Substanzen, die Freie Radikale neutralisieren, lässt sich der Alterungsprozess bremsen. Zu diesen Antioxidantien gehören zum Beispiel die Vitamine A, C und E. (Siehe Kasten: 3. Das Richtige essen und trinken.) Auch lebendiges Wasser ist ein wirkungsvoller Radikalfänger. Wie Dr. Axel Weber von der Klinik Marinus mit Messungen belegen konnte, gingen bei Tumorpatienten alleine durch das Trinken von individuell passendem lebendigem Wasser die Belastungen mit Freien Radikalen von „starkem oxidativem Stress“ auf „normale Werte zurück. Entzündungsprozesse stoppen Nach den 1980er Jahren verdichteten sich die Hinweise, dass neben der oxidativen Belastung noch ein anderer Prozess entscheidend an degenerativen Erkrankungen beteiligt ist: Chronisch niederschwellige Entzündungsprozesse. Sie wurden zunächst als ein wichtiger Faktor für die Arterienverkalkung identifiziert. „Inzwischen konnte gezeigt werden, dass sie bei vielen anderen Erkrankungen – von der Krebsentstehung bis zum Morbus Alzheimer – eine ebenso wichtige Rolle spielen“, schreibt Prof. Bernd Kleine-Gunk in seinem Buch „Auf der Suche nach Unsterblichkeit. Genau wie die oxidative Belastung lassen sich auch niederschwellige Entzündungsprozesse beeinflussen. Etwa durch intensive Zahnpflege oder durch bewusste Ernährung. Bekannt für ihre entzündungshemmende Wirkung sind etwa ungesättigte
Fette, die beispielsweise in Nüssen, Olivenöl oder in Kaltwasserfischen enhalten sind. Gesättigte Fette, die in Butter, Käse, Sahne, Schmalz, Fleisch oder Wurst stecken, befördern hingegen Entzündungen. Das richtige Essen ist eines der besten Anti-Aging-Medikamente.
QC21E17

Beitrag Anti-Aging: Die besten Tipps