Respekt für Littleflower

Lepra – in früheren Zeiten auch „Aussatz“ genannt – gehört zu den schrecklichsten Krankheiten. Denn die davon Betroffenen leiden nicht nur unter körperlichen Beschwerden, sondern sind obendrein gesellschaftlich stigmatisiert. Das Projekt Little Flower in Indien hilft Leprakranken dabei, auf eigenen Füßen zu stehen.

Lepra ist eine Krankheit der Armut. Es ist eine bakterielle Infektion, die vor allem Menschen befällt, die aufgrund von Mangelernährung und fehlender Körperhygiene über keine ausreichenden körperlichen Abwehrkräfte verfügen. Weil viele der Betroffenen auch keinen Zugang zu Informationen haben, wissen sie oft nicht, dass Lepra in einem frühen Stadium geheilt werden kann. Obwohl es sich die Weltgesundheitsorganisation WHO zum Ziel gesetzt hat, die Krankheit auszurotten, ist das immer noch nicht gelungen. Besonders betroffen ist Indien. Dort – vor allem im rückständigen nordindischen Bundesstaat Bihar – leben weltweit die meisten Leprakranken.
Als die Salzburgerin Claudia Vilanek im Jahr 1983 erstmals in das von Bruder Christdas gegründete Projekt nach Sunderpur kam, war vieles noch in den Anfängen. Aber der indische Priester und ehemalige Ordensbruder der Missionaries of Charity hatte eine Vision: “Wir wollen beweisen, dass wir auf unseren eigenen Füßen stehen können, selbst wenn wir keine Füße haben”, so formulierte er. In den mehr als 30 Jahren, seit sich Claudia Vilanek für das ungewöhnliche Projekt engagiert, ist eine Menge geschehen: Das Krankenhaus von Little Flower verfügt mittlerweile über 150 Betten, in denen Leprakranke mit schweren Wunden gepflegt werden. Die angeschlossene Ambulanz betreut etwa 600 Leprakranke aus der Region, die einmal im Monat zur Behandlung kommen. Insgesamt leben rund 700 Menschen in Little Flower, darunter 150 Kinder aus umliegenden Leprakolonien, die hier im Internat wohnen. Sie besuchen mit etwa 100 Dorfkindern die projekteigene Schule, auf die die Mitbegründerin und Förderin des Projekts Claudia Vilanek ganz besonders stolz ist. Den Gedanken „ich hab‘ für Kinder eine Schule gebaut“, findet die Salzburger Psychologin und Kommunikationstrainerin für sich sehr erfüllend und es „beseelt“ sie, einen Beitrag zu leisten, der größer ist, als ihr „Mikrokosmos“.  Wobei sich ihr Mikrokosmos wie selbstverständlich auch für Little Flower engagiert. Da ist etwa ihr Sohn Sebastian. Als Student der Kunstuniversität Linz hilft er im Rahmen des Projekts „Basehabitat“ dabei, mit den Materialien der Region und der Mitarbeit von einheimischen Männern nachhaltige Bauprojekte im Dorf umzusetzen. Die Männer aus dem Dorf sind stolz darauf, dass sie dadurch befähigt werden, künftig selbständig Häuser zu bauen.

 

Mit Materialien der Region entstehen im Lepradorf Little Flower neue Gebäude.

Mit Materialien der Region entstehen im Lepradorf Little Flower neue Gebäude.

Schals schenken Selbstbewusstsein
Die erste Erwerbsquelle war für die Menschen in Little Flower die Landwirtschaft und sie trägt immer noch dazu bei, die Lebensbedingungen der Leprakranken und ihrer gesunden Nachkommen zu verbessern. Auf dem Land rund um Little Flower helfen etwa 50 Dorfbewohner bei drei Ernten von Weizen, Reis, Gemüse oder Raps. Seit etwa 20 Jahren gibt es in Little Flower eine Weberei zur Fertigung von Seidenschals. Vom Spinnen über das Färben bis zum Weben dauert es etwa acht Stunden, bis ein Schal fertigt ist. Derzeit werden – noch – die meisten Schals über Claudia Vilanek weiter gegeben. Damit belohnt die umtriebige Spendensammlerin die Unterstützer. Doch Claudia Vilanek hofft, für die attraktiven Schals noch mehr Abnehmer zu finden. Immerhin ermöglicht die Weberei in Little Flower 170 Leprakranken und deren Angehörigen ein eigenes Einkommen. Viel wichtiger – durch die Arbeit und die wirtschaftliche Unabhängigkeit steigt deren Selbstbewusstsein.

Verarbeitet wird „Nonviolent silk“ – Seide, bei der die Raupen schlüpfen, bevor die Kokons gekocht werden.

Verarbeitet wird „Nonviolent silk“ – Seide, bei der die Raupen schlüpfen, bevor die Kokons gekocht werden.

Schal gegen Spende
20 verschiedene Farbtöne umfasst die „Schalgalerie“ des Little Flower-Projekts und wer eine Spende von mindestens 25 Euro überweist, der darf sich einen Schal aussuchen. Die Spende geht zu 100 Prozent ohne jegliche Abzüge ans Projekt Little Flower.
www.littleflowerindia.org

Schals auch im Biogena Store in Frankfurt
Große Bockenheimer Straße 25, D-60313 Frankfurt am Main, T +49 69-87 40 31 00, biogena.com

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