Quellen-Geschichten

Um heilige und heilende Quellen ranken sich viele Geschichten. Ob vor der Haustüre, bei einem Tagesausflug oder im Urlaub: Es sind immer wieder kleine Abenteuer, diese Orte aufzusuchen.

Es war eine Ausnahme-Situation, in der alle Alarm-Sirenen einer Mutter zu heulen beginnen: Die Tochter hatte eine schlimme Diagnose bekommen. Eine lange und harte Therapie versprach zwar Hoffnung, barg aber auch viele Gefahren. In einer solchen Situation zieht eine Mutter alle Register. Sie besinnt sich auf alles, was nützlich sein könnte und weil sie sich schon lange mit der Wirkung von heiligem Wasser beschäftigt hatte, stand ihr auf einmal das Bild des heiligen Georgs vor Augen. Nach dem Drachentöter war im nahen Ruhpolding eine artesisch sprudelnde Quelle benannt, deren Wirkung die Einheimischen schon seit langer Zeit schätzten. Zudem hatte die Mutter immer wieder davon gehört und gelesen, dass gerade artesische Quellen über besondere Energien verfügen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass deren Wasser Zellen ganz besonders effektiv mit Feuchtigkeit versorgen und Schadstoffe besonders wirkungsvoll herausspülen können. Gerade der Abtransport von Körpermüll ist im Krankheitsfall besonders angesagt. Fortan versorgte die Mutter ihre Tochter mit frisch gezapftem Quell-Wasser nicht nur fürs Wasser-Trinken, sondern auch fürs Kochen von Tee und Suppe. Ein Jahr lang dauerte die Therapie und an deren Ende war die Tochter gesund. Ein Jahr nach Therapieende geschah das Wunder, mit dem niemand gerechnet hätte: Sie brachte einen gesunden Jungen zur Welt.
Um heilige und heilsame Quellen ranken sich viele derartige Heilungsgeschichten. Oft weisen Votivtafeln im Umfeld der Quelle auf wundersame Genesungen hin. Deshalb, aber auch weil artesisches Quell-Wasser oft frisch und gut schmeckt, schätzen es immer mehr Menschen, sich dort direkt mit Wasser zu versorgen. Im Süden und in der Mitte Deutschlands gibt es eine ganze Reihe bekannter Quellen. Abgesehen von dem gesundheitlichen Wert, den ihnen der Volksmund häufig zuschreibt, sind viele dieser Quellen ein lohnendes Ausflugsziel.

Maria Ponlach

Auf dem Weg vom Tittmoninger Schloss zur Wallfahrtskirche Maria Ponlach wird man von Sprudeln und Plätschern begleitet. Der „Ponlachgraben“ ist wasserreich. Die Wallfahrtskirche Maria Ponlach steht in einer kleinen Oase, umgeben von Bäumen, Feuchtgewächsen und steinigen Hängen. Vom Platz vor der Wallfahrtskapelle führen steile Treppen zu einer Grotte und der unteren Quellfassung, die als die alte Wunderquelle gilt. Weitere Quellen links und rechts der Wallfahrtskirche werden in zwei Wasserschalen geleitet, die bequem zugänglich sind und gerne genutzt werden, um die eigenen Trinkvorräte aufzufrischen. Weithin bekannt wurden diese Quellen, als deren Wasser einen Bauarbeiter schnell von einer Verletzung heilte, die er sich im Zuge der Bauarbeiten für die Wallfahrtskapelle zugezogen hatte. Unzählig sind die Votivtafeln, die vor allem im 18. Jahrhundert von den Gläubigen ihrer Madonna von Ponlach geweiht wurden. Bis heute werden immer neue Bilder angebracht, denn immer noch kommen Menschen hierher, die sich Heilung versprechen. Foto zur Quelle Maria Ponlach siehe Titelbild.

St. Georgsquelle

Foto: St.Leonhards Quellen

Sie ist ein Geheimtipp und in der Tourist-Information wird man einen Hinweis auf sie vergeblich suchen: die frei zugängliche Trink – Quelle in Ruhpolding. Ein kleines Schild auf dem Weg nach Maier­gschwendt weist darauf hin. Die Quelle bekam ihren Namen ursprünglich von der Familie Zeller, die sich rund hundert Jahre um deren Unterhalt kümmerte. Nach unzähligen amtlichen Untersuchungen wurde das Wasser der Zeller Quelle im Jahr 1987 offiziell als natürliches Mineralwasser mit extrem niedrigem Natrium- und Nitratgehalt eingestuft. Darüber hinaus beinhaltet das artesische Quellwasser hohe Mengen an natürlichem Sauerstoff. Um die Vorzüge der Quelle einem größeren Personenkreis zugänglich zu machen, nahmen die St. Leonhardsbetriebe Anfang 2006 die Quelle mit in ihr Sortiment auf. „St.Georgsquelle“ nennen sie seither das Ruhpoldinger Wasser. Der Name wurde von Firmengründer Johann Abfalter mit Bedacht gewählt. Denn in der christlichen Mythologie ist der heilige Georg der Drachenbezwinger und in dieser Gegend überall als Nothelfer zu finden.

St. Leonhardsquelle

Foto:Thomas Straub

Der Ort Bad Leonhardspfunzen ist unter Gesundheitsbewussten ein beliebtes Ausflugsziel. Um den marmornen Brunnentrog aus der Römerzeit bilden sich oft lange Schlangen von Menschen, um sich von dem Wasser etwas abzuzapfen, das schon die Kelten, später die Römer geschätzt haben sollen. Der Ortsname mit der merkwürdigen Endung „Pfunzen“ rührt von dem römischen Wassergott Fontalis her, der als Schutzheiliger dieses Landstrichs fungiert haben soll. Die Wiederentdeckung des heiligen Wassers durch einen gewissen Christoph Riele reicht der Legende zufolge bis ins Jahr 1734 zurück. In dem Buch „Heilige und heilsame Quellen zwischen Isar und Salzach“ von Herbert H. Kölbl ist über die Wiederentdeckung folgendes zu lesen: „Christoph Riel, ein schwer leidender Mann, der in der Nähe der Innbrücke lebte, betete damals zum hl. Leonhard um Hilfe. Dieser erschien ihm auch im Traum und versprach Hilfe, wenn er von dem Wasser neben der Leonhardskapelle tränke. Also grub der fromme Mann, stieß tatsächlich auf eine Quelle und wurde geheilt.“

Quellen-Madonna

Foto: Rainer Limpöck

Die Geschichte der Quelle in der Almbachklamm ist ein modernes Märchen. Eugen Köberle hatte vor 45 Jahren die Eingebung, in der Almbachklamm nach einer Quelle zu suchen. Ganz alleine legte der Berchtesgadener die Quelle frei, die seitdem ein Anziehungspunkt für viele Menschen wurde. Für manche Besucher ist die Quelle ein Ort, den man gerne besucht, um mitten in dieser gewaltigen Natur nahe des Unternbergs zu sein. Für andere ist sie ein Energieort, für manche sogar ein heiliger Ort. Das liegt auch an einer Madonnenfigur, die mittlerweile die Quelle bewacht. Es war ein schwer zu bewältigendes Abenteuer die Figur an diese unwegsame Stelle zu bringen. Möglich machte dieses moderne Marien-Heiligtum Hagen Bönisch, ein Freund des Quellen-Entdeckers. Der ehemals schwer herzkranke Mann reaktivierte für die 200 Kilo schwere und zwei Meter große Figur eine alte Lastenseilbahn. Sein Einsatz wurde belohnt: ob es die körperliche Betätigung war oder das viele Trinken des Quell-Wassers: Hagen Bönisch wurde dabei von seinem Herzleiden kuriert.

Quell Edition,
200 Seiten
ISBN 978-3-9815402-3-9
Preis: 19,90 Euro
erhältlich unter
www.quell-shop.de

Buch-Tipp
Lebendiges Wasser – Energiequell des Körpers
Wasser – Heilmittel der Zukunft?
Andrea Tichy

Klar – Wasser ist unser Lebensmittel Nummer eins. Aber die Erkenntnisse der modernen Wasserforschung deuten darauf hin: Wasser ist viel mehr, „lebendiges Wasser“ könnte sogar ein universelles Heilmittel sein. Doch „lebendiges Wasser“ ist keine Frage des Geldbeutels. In der Natur sprudeln überall lebendige, wertvolle Quellen. In dem Buch werden unter anderem 69 frei zugängliche Quellen vorgestellt – von der Albachklamm-Quelle bis zur Zeller Quelle

Lese-Tipp
Quellen & Gesundbrunnen
Die von der EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein herausgebrachte Broschüre gibt eine spannende Übersicht zu kulturhistorisch bedeutsamen Quellen und Gesundbrunnen.

Die Broschüre kann in der EuRegion-Geschäftsstelle bestellt werden (Sägewerkstraße 3, D-83395 Freilassing, Briefmarke fürs Zustellen beilegen. Für D 1,55 Euro, für A 3,70 €).

Die Inhalte sind aber auch übers Internet abzurufen unter www.euregio-
salzburg.info/broschueren/­quellen/

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