Quarantänevorlesungen in Athen: ein Jura-Student berichtet

Die Vorstellungen eines Studenten bezüglich eines Erasmus-Aufenthalts im Ausland sollten universell gleich sein: ein anderes Land und seine Menschen kennenlernen, neue Freundschaften schließen und das Nachtleben des Landes ausnutzen. Jedoch wurden mir diese Vorstellungen nach ein paar Wochen in Griechenland jäh ausgetrieben: Corona hat noch einmal zugeschlagen. Nach den vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen im Frühjahr kam nun auch in Athen der Virus mit verstärkter Kraft zurück und veranlasste die griechische Regierung zu neuen Auflagen. Eine allgemeine Maskenpflicht, die Schließung aller Geschäfte außer der notwendigen und die Regelung, dass nur noch nach Ausfüllung eines Passierscheines oder dem Absenden einer SMS an die Regierungsstelle die Wohnung für sechs verschiedene Gründe verlassen werden darf. Selbst wenn man die eigene Wohnung verlässt, so ist das Reisen außerhalb seiner Region verboten; Eine Insel kann man somit nur noch im eigenen Traum bereisen. Nun sind die sonst so belebten Straßen endgültig ausgestorben, ein Nachtleben existiert nicht mehr, das Land wirkt verschlossen. Flucht vor dem unausweichlichen Quarantäne-Koller gibt es nicht. Es gibt faktisch keinen Ausgleich mehr, die Universitätskurse sind nur noch online. Man ist komplett abgeschottet. Die neuen Regelungen sollen zwar nur drei Wochen gelten, jedoch ist fraglich ob dieses Versprechen auch eingehalten wird. So manch ausländischer Student warf schon das Handtuch und fuhr nachhause, wo es aber auch nicht besser ist. Wenn schon Quarantäne, dann wenigstens bei 20 Grad. Überraschend ist zweierlei: Deutschen liegt es wohl in der DNA, bei den ersten Zeichen einer Krise Toilettenpapier, Nudeln und Hefe in obszönen Mengen zu horten. In Athen wird dies deutlich entspannter gehandhabt, bloß das Olivenöl ist ausverkauft. Zweitens ist der Stoizismus, mit dem die Griechen diese Regelungen aufnehmen, beeindruckend: keine lautstarken Demonstrationen, kein öffentlicher Protest, keine Beschwerde. Die Griechen sind leidgeprüft, das merkt man. Bei solchen Maßnahmen würden in Deutschland bereits wirre Querdenker den Sturm auf den Reichstag ausrufen. Andere Länder, andere Sitten.