Opalküste: Überraschendes Kleinod

Als herausragende Eigenschaft des verkannten und unterschätzten Opals gilt sein schillerndes Farbenspiel. Auch das enge Meer der Region Nord/Pas de Calais changiert zwischen klarem Blau und schwerem Grau, spielt intensiv mit Licht, Wind, Wolken, Sonne und Sturm, zeigt sich mal violett wie Amethyst, mal seegrün wie ein Smaragd. Quell-Reisespezialistin Martina Guthmann hat sich in dem nordfranzösischen Küstenstreifen umgesehen.

Der Name klingt nach Fernweh. Doch die wenigsten meiner Bekannten können ihn spontan der Gegend um den Ärmelkanal zuordnen. Nirgendwo sonst ist die französische Küste Deutschland und Großbritannien näher als zwischen Berck sur Mer und der belgischen Grenze. Wer mit der Region Nord/Pas de Calais allerdings nur die Fähre nach Dover oder den Ersten Weltkrieg verbindet, der verkennt die Region der Opalküste genauso wie den Stein: Die Region ist ein leicht erreichbares Paradies für Aktivurlauber und Kulturinteressierte – und das zu jeder Jahreszeit.
Verzeiht man der Opalküste hier und da ihre Bausünden der 1960er Jahre, dann liegen – egal ob zu Rad oder per pedes – 120 km Strand- und Dünenlandschaft vor einem, lediglich unterbrochen von den Steilklippen bei Cap Blance nez und Cap Gris nez. Direkt an der belgischen Grenze liegt Dunkerque mit traumhaftem Dünenstrand und imposantem Hafen. Reine Sonnenanbeter, die hauptsächlich die Liege flachdrücken möchten, werden hier zwar nicht immer froh, wer aber das nordische Meer in seinen vielen Facetten liebt, wer seinen Tag am Strand und am Meer gerne aktiv verbringt, der ist hier genau richtig: Es gibt herrliche Küstenwanderwege,  breite nicht überlaufene Strände ideal für Spaziergänge und Strandsegler und geradezu perfekte Bedingungen für Katamaran- und Kitesurfing. Aber auch eine ganz neue Meeres-Sportart hat sich an der Opalküste etabliert.

Longe Côte: Alternative zur Thalasso-Therapie
Longe Côte – das ist ein Ganzkörperfitnessprogramm im Meer, das seine Wurzeln an der Côte d’Opale hat und für jedes Alter, jede Kondition, jedes Zeitbudget und jeden Geldbeutel tauglich ist: Auf den Sentiers Bleu – geeigneten Wasserwanderwegen – bewegt man sich in Neopren-Anzügen in schnellem Tempo durch das brusthohe Meer, mit oder ohne Paddel. Ursprünglich 2005 von dem Trainer der Ruderleistungsmannschaft Thomas Wallyn in Dunkerque erfunden, hat sich Longe Côte innerhalb von wenigen Jahren zu einer echten Breitensport-Art an den französischen Küsten entwickelt: Der Vereinsvorstand Jean Paul: „Das Erfolgsgeheimnis basiert darauf, in dem kraftvollen und heilsamen Milieu des Meerwassers mit hoher Effizienz und bei geringstem Sportverletzungsrisiko alle Muskelgruppen zu trainieren.“ Die „Longeurs“ (Streckengeher) der Opalküste haben so etwas wie einen „Esprit Longe Côte“ entwickelt: Jeden Mittwochabend und Sonntagvormittag startet man in großer Gruppe. Interessierte können gerne dazu stoßen und erhalten neben einem Ganzkörperneopren-Anzug eine ausführliche Erläuterung, auch auf Deutsch  und das für ganze acht Euro. Longe Côte ist ein Ganzjahressport und wenn Jean Paul von Winterwalks im Meer erzählt, wenn nur Mond und Sterne das Meer erleuchten und es vielleicht schneit, dann möchte man sofort auch im Winter hierher kommen.

Fest für Vogelliebhaber
Zwischen Dunkerque und Calais, wo Großbritannien bei bestimmten Wetterverhältnissen zum Greifen nah erscheint, ist im Herbst und Frühjahr ein wahres Fest für Vogelliebhaber geboten. Das Naturreservat Platier d´Oye ist mit seiner seltenen Flora und Fauna ein beliebter „Rastplatz“ für alle Zugvögel. Die 30 km zwischen Calais und Boulogne sur Mer eignen sich ganz besonders gut für eine Küstenwanderung, etwa von Wissant an den Caps vorbei bis nach Wimereux. Die kleinen Badeorte präsentieren stolz ihre Jugendstilvillen und haben sich den Charme des 19. Jahrhunderts erhalten. In Boulogne sur Mer herrscht in der Oberstadt mittelalterliche Atmosphäre, unweit der für Wallfahrten berühmten Basilika Nôtre Dame liegt L´enclos, ein wunderschönes, liebevoll restauriertes Hotelrestaurant. Südlich von Boulogne sur Mer wird es mondäner: Hardelot Plage und Le Touquet – der Strand von Paris – sind dabei doch natürlich geblieben; Kiefern, Eschen und Birken bedecken die Dünenlandschaft und verstecken stattliche Villen aus dem 19. Jahrhundert. Im weitläufigen Umland kommen Golfer, Reiter und Künstler gleichermaßen auf ihre Kosten. Auch der Strand mag kein Ende nehmen: Das ehemalige Fischerdorf Berck sur Mer, der westlichste Ort der Côte d’Opale bietet weitere 12 km weißen Sand.

Einheimische Fremdenführer aus Überzeugung
Was wäre eine Reise ohne die Einheimischen? Bei den „Schtis“ an der Opalküste ist das Netzwerk der Greeter – eine Organisation von Ehrenamtlichen, die Besuchern in kostenlosen Touren ihre Heimat nahe bringen – besonders ausgebaut und die Mitglieder sprechen oft besser englisch und deutsch als den lokalen Dialekt „Schti“. Bewusst grenzt man sich von professionellen Angeboten und Touristenführern ab. So erfährt man in persönlichen Gesprächen viel über Land, Leute, die bewegte Geschichte, das Verhältnis zu den Südfranzosen, über gastronomische Besonderheiten wie die urigen flämischen „Estaminets“-Lokale. „Fremde weinen zweimal – einmal wenn sie kommen und einmal, wenn sie fahren,“ lautet ein Dialog des populären Films „Willkommen bei den Schtis“. Wer hier mal war, versteht schnell den Wahrheitsgehalts dieses Spruchs.

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Internetseite Tourismus Nord-Pas de Cailais

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Offizielle Informationsseite über Tourismus in Frankreich

Filmtipp

Willkommen bei den Sch’tis

Darsteller: Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix · 
Regisseur(e):
Dany Boon ·  Komponist: Philippe Rombi
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1) Untertitel: Deutsch Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1 FSK: Ohne Altersbeschränkung Studio: Euro Video Erscheinungstermin:
17. September 2009 Produktionsjahr: 2008   Spieldauer: 102 Minuten