Mit Hammer und Amboss

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Der Umgang mit dem Element Eisen ist nicht nur ein menschliches Kulturgut. Auch für die Gesundheit spielt Eisen eine Rolle. In unserer Reportage schauen wir dem Arzneimittelhersteller Wala beim ersten Produktionsschritt für ein Medikament gegen Blutarmut über die Schulter.

Obwohl draußen die Sonne scheint, liegt die Schmiede in Dämmerlicht getaucht. Sie befindet sich im Keller der Freien Waldorfschule Filstal in Göppingen-Faurndau. Vor den leicht trüben Fenstern stapeln sich Holzscheite. Eine Esse dominiert den Raum. Schwarzglänzende Zangen
hängen ordentlich aufgereiht an einer Stange rund um die Feuerstelle. Eine mächtige Vorrichtung aus Edelstahl dient dem nötigen Rauchabzug. Ambosse in verschiedenen Größen stehen bereit. Über der Tür hängt ein verziertes Schild. „Das Eisen“ steht in Schnörkelschrift darauf.

Im Einklang mit sich selbst
„Durch den Umgang mit Eisen kommt der Mensch in Einklang mit sich selbst“, erklärt Ulrich Rein und lacht. „Das gilt sogar für pubertierende Neuntklässler.“ Der 61-Jährige muss es wissen. Seit 33 Jahren unterrichtet er die Waldorfschüler im Schmieden. „Mir gefällt, dass ich
pädagogische Impulse vermitteln kann, ohne viel reden zu müssen, ohne theoretisch oder belehrend zu wirken.“ Doch wir sind heute nicht wegen einer Unterrichtsstunde hier. Vielmehr begleiten wir das Team des Wala Mineralientechnikums. Mit Unterstützung von Schmied
Ulrich Rein stellen Beatrix Waldburger, Martin Rozumek und eine Praktikantin den sogenannten Eisenhammerschlag her, der später zu Wala Arzneimitteln verarbeitet wird.
Aus einer Schütte unter der Esse schaufelt Ulrich Rein Koks auf den Feuertisch. Dieser Brennstoff aus Kohle liefert die nötige Hitze. Noch einige Holzspäne darunter gegeben und schon nach kurzer Zeit lodert ein munteres Feuer. „Es kann bis zu 3.000 Grad heiß werden“, erklärt der Schmied.Das Wort „Esse“ leitet sich übrigens aus dem althochdeutschen Begriff „essa“ ab und bedeutet „Herd des Metallarbeiters“. Interessant ist, dass viele Begriffe des Schmiedehandwerks einen religiösen Bezug haben. Ein geschlossenes Feuer etwa wird als „Dom“ bezeichnet. Und die innere, weiche Faser, die nach der Walzhaut eines Metallstückes kommt, nennt man „Seele“. Ulrich Rein erklärt sich das so:„Vielleicht hat es damit zu tun, dass das Schmieden eine Philosophie für sich ist, eine höhere Art des Denkens. Metalle sind eben keine Erdenstoffe.“

Doch nun geht es ganz pragmatisch weiter. Eine Stange reinen Eisens befindet sich bereits im Feuer. Beatrix Waldburger befreit den Amboss von Metallresten und desinfiziert ihn. Dann setzen sie und ihre Kollegen sich jeweils eine Schutzbrille auf und binden sich Lederschürzen
um. Sobald das Eisen die richtige Temperatur erreicht hat, geht es los. Einer hält die gelb glühende Spitze der Eisenstange auf den Amboss und dreht sie dabei vorsichtig. An der Luft beginnt das Eisen abzukühlen und an der Oberfläche bilden sich feine Plättchen aus Eisenhammerschlag, einer magnetischen Form von Eisenoxid. Die beiden anderen schlagen abwechselnd mit schweren Hämmern rhythmisch auf die heiße Stelle. Mit jedem Schlag fallen feine Plättchen auf den Amboss. Unsere Ohren klingeln, das Trommelfell vibriert, wenn Eisen auf Eisen triff. Auf orangefarbene Glut abgekühlt, kommt die Stange zurück ins Feuer. Allerdings nicht zu lange, damit sie sich nicht entzündet. Peu à peu füllt sich ein Schraubglas mit hauchdünnem silbergrauen Eisenhammerschlag. Beatrix Waldburger schabt ihn vorsichtig hinein: „Insgesamt brauchen wir etwa 100 bis 150 Gramm“, erläutert sie.

Eisen in der Medizin
Im Gegensatz zur weicheren Bronze ist Eisen ein starkes, kräftiges Metall. Es ist – nach Sauerstoff, Silizium und Aluminium – das vierthäufigste in der Erdkruste vorkommende Element und nach Aluminium das häufigste Metall. Es spielt in der Geschichte der Menschheit eine entscheidende Rolle: Legiert zu verschiedenen Stahlsorten ist es das Material der Wahl für Werkzeuge, Maschinen, Waffen und vieles mehr. Eisen hat aber auch einen Effekt auf die menschliche Gesundheit: „Seit Urzeiten wird Eisen medizinisch verwendet, zum Ausgleich von Eisenmangel nach Blutverlust, zur Kräftigung bei allen möglichen Erschöpfungszuständen, zur Beeinflussung von verschiedenen akuten Erkrankungen und Zuständen wie Lungenentzündungen, Gallenkoliken, Schmerzen, Blutungen und hohem Fieber. In der Anthroposophischen Medizin ist Eisen eines der wichtigsten Arzneimittel überhaupt und wird in reiner Form sowie in einer ganzen Reihe unterschiedlichster Verbindungen, Zubereitungsarten und äußerlichen wie innerlichen Applikationsformen eingesetzt.“(1)

Das Schraubglas ist mittlerweile voll. Die Wala Mitarbeiter haben für heute genug Plättchen geschmiedet und verabschieden sich von Ulrich Rein. Im Unternehmen entsteht nach vielen Verarbeitungsschritten ein medizinischer Wirkstoff. Er kommt zum Beispiel im Arzneimittel
Ferrum silicicum comp. zum Einsatz. Das Präparat wird unter anderem bei Blutarmut und zur Anregung des Eisenstoffwechsels eingesetzt.

Ferrum silicicum comp.
Globuli velati.
Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis.
Dazu gehören:Anregung des Eisenstoffwechsels zur Eingliederung der Ich-Organisation im Blut, z.B. zur Begleitbehandlung bei Blutarmut (Anämien), Rekonvaleszenz.

Warnhinweis: Enthält Sucrose und Lactose.

Wala Heilmittel GmbH, 73085 Bad Boll/Eckwälden, Deutschland

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

(1) Frank Meyer. Das Geheimnis der Metalle. 2012 Frankfurt am Main: Info3-Verlag. S. 48
QC42F08

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