Geschüttelt und Gerührt

Kaufen Sie noch oder mixen Sie schon? Selbstgemachte Putzmittel liegen voll im Trend. Warum immer mehr Menschen bewusst darauf achten, womit sie ihr Zuhause säubern und wie viel sie der Umwelt zumuten wollen. Und: Wie Sie die drei wichtigsten Mittel für den privaten Haushalt aus nur wenigen Grundzutaten daheim herstellen können. Der Frühjahrsputz kann kommen! Von Elisabeth Menzel

Meist lagern sie in der Küche unter der Spüle, im Waschbecken-unterschrank des Badezimmers – oder, zumindest in „Sagrotan-Haushalten“, in einem eigens für sie reservierten Schrank. Die Rede ist von Putzmitteln aller Art. Anhand ihrer Auswahl lässt sich ohne Schwierigkeiten ein treffsicheres Psychogramm ihrer Besitzer erstellen: Keim-Phobiker und Putzteufel haben für jede erdenkliche Anwendung das passende Spezialmittel parat. In der Studenten-WG hingegen reicht eine Flasche Spüli bequem für alle haushaltstechnischen Herausforderungen innerhalb der nächsten fünf Semester.

Putzmittelrückstände im Grundwasser

Gerade im Frühjahr verspüren wir dieses Kribbeln in den Fingern. Wir wollen den Wintermief vertreiben, unsere vier Wände auf Hochglanz polieren und uns bereitmachen für Neues. Stolze 48 Milliarden Euro gaben die Deutschen im Jahr 2020 für Haushaltspflegemittel aus. Die Corona-Pandemie soll unseren Reinlichkeitswahn noch verstärkt haben. Doch ist eine solch penible Hygiene wirklich nötig? Sind unsere Wohnungen und Häuser derart schmutzig? Was für Krankenhäuser, Büros und öffentliche Einrichtungen in Pandemie-Zeiten Pflicht sein sollte, ist im privaten Bereich übertrieben. Eine zentrale Rolle spielt zudem die Frage nach der Umwelt. Denn alle Substanzen, die wir nach getaner Putzarbeit in den Ausguss kippen, landen unweigerlich im Grundwasser und somit in einem Kreislauf, der auch uns Menschen einschließt. Linda Thomas, Putzexpertin und Leiterin eines ökologischen Reinigungsinstitutes in der Schweiz betont in ihrem Buch „Putzen?!“: „Weniger ist mehr. Persönlich habe ich über die Jahre immer weniger Putzmittel benützt. Heute habe ich soweit reduziert, dass ich für die normale Unterhaltsreinigung eigentlich nur noch drei Mittel verwende.“

Weniger ist mehr – Umdenken und selber machen

Für den normalen Hausputz benötigen wir streng genommen nur drei Grundsubstanzen: Säuren wie Zitrone oder Essig gegen Kalk und für den Sanitärbereich, Alkalien wie Waschsoda oder Schmierseife gegen Fett und Flecken sowie einen guten Neutralreiniger. Für hartnäckige Fälle und besonders schwierige Aufgaben empfehlen sich zusätzlich ein Abrasivstoff wie Wiener Kalk, ein Lösungsmittel wie Terpentin und ein Glasschaber.
Wer seine Reinigungsmittel selbst herstellt, weiß nicht nur genau, was drin ist. Er spart auch eine Menge Plastikverpackungen und Geld. Zudem schickt er deutlich weniger schädliche Stoffe in den Wasserkreislauf. Das Webportal www.smarticular.net bietet eine Vielzahl erprobter Rezepte an und hat inzwischen sogar ein Buch zum Thema herausgebracht. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall. In den vergangenen Monaten haben sich die Mixturen, die wir auf dieser Seite vorstellen, als zuverlässige Partner für den privaten Hausputz erwiesen.

Putzmittel

Tipps für eine erfolgreiche Zubereitung

Arbeiten Sie so sauber wie möglich. Waschen Sie sich gründlich die Hände und spülen Sie die leeren Behälter sorgfältig aus, bevor Sie Ihre selbstgerührten Mischungen einfüllen. Benutzen Sie die hochwertigsten, naturreinen ätherischen Öle, die Sie sich leisten können – am besten aus Bio- oder Demeter-Anbau. Bitte Vorsicht bei kleinen Kindern und Haustieren, sie reagieren mitunter empfindlich oder allergisch auf ätherische Öle. Duftstoffe im Zweifel lieber weglassen oder zuvor mit dem Arzt bzw. Tierarzt abstimmen.

Nun aber:
auf ans Werk – viel Spaß!

Power-Reiniger gegen Kalk

Für einen halben Liter brauchen Sie

500 ml lauwarmes Wasser
3 EL Zitronensäure
1 TL ökologisches Spülmittel
10 Tropfen ätherisches Orangenöl
Sprühflasche, leer und sauber
(zum Beispiel von einem alten Reiniger)

Zubereitung:
Zitronensäure unter Rühren im Wasser auflösen. Spülmittel und Orangenöl hinzugeben und vorsichtig umrühren. Mischung in eine saubere Sprühflasche geben. Vor jeder Anwendung kurz schütteln. Wie handelsüblichen Bad- oder Kalkreiniger verwenden, danach gründlich abspülen oder nachwischen.

WC-Reiniger-Gel

Für einen dreiviertel Liter brauchen Sie

2 EL Zitronensäure
2 EL Speisestärke
10 ml ökologisches Spülmittel
600 ml Wasser
10 Tropfen ätherisches Öl nach Wahl,
zum Beispiel Lavendel, Orange oder Zitrone
WC-Reiniger-Flasche,
vorzugsweise mit Entenhals, leer und sauber

Zubereitung:
100 ml Wasser abkochen und abkühlen lassen. 500 ml kaltes Wasser in einen kleinen Topf geben und Speisestärke einrühren. Unter Rühren aufkochen. Die entstehende Masse ist zähflüssig und milchig. Zur Seite stellen. Zitronensäure in die leicht abgekühlten 100 ml Wasser einrühren, so lange sie noch lauwarm sind. Alle Kristalle sollten sich gut auflösen. Spülmittel und auf Wunsch ätherisches Öl zugeben. Dann beide Flüssigkeiten vermengen, gründlich umrühren und abfüllen. Wie handelsüblichen WC-Reiniger verwenden. Nach Herstellung ca. 1 Monat haltbar. Menge daher ggf. halbieren oder die Hälfte des Reinigers an Freunde verschenken.

Natron-Allzweckreiniger

Für einen dreiviertel Liter brauchen Sie

3 TL Natronpulver
3 TL geriebene Kernseife
700 ml warmes Wasser
5 Tropfen ätherisches Öl nach Wahl,
zum Beispiel Lavendel oder Zitrone
Sprühflasche, leer und sauber

Zubereitung:
Kernseife und Wasser in einem kleinen Topf langsam erhitzen. Mit einem Schneebesen gründlich umrühren, bis sich die Seife vollständig gelöst hat. Abkühlen lassen, übrige Zutaten hinzufügen, nochmal umrühren und abfüllen. Vor jeder Anwendung kurz schütteln. Auf die schmutzigen Stellen sprühen und nachwischen.

Die Autorin
Elisabeth Menzel sagt über sich selbst: „Ich bin von Beruf Geschichtenerzählerin“. Ihr großes Vorbild: die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. In Ravensburg studierte Menzel (Jahrgang 1981) Medien- und Kommunikationswirtschaft mit Schwerpunkt Journalismus. Ihr Volontariat und die ersten Jahre als Redakteurin absolvierte sie beim Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden. Es folgten Stationen in Offenburg beim Kresse & Discher Medienverlag sowie 10 Jahre als Pressesprecherin und Texterin bei der WALA Heilmittel GmbH in Bad Boll. Inzwischen schreibt sie ihre Geschichten als freie Journalistin. Ihre liebsten Themen handeln von Wildkräutern, integrativer Medizin, von Umweltschutz, Nachhaltigkeit und biologischer Landwirtschaft.

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Bildnachweis: Titelbild, Elisabeth Menzel, Foto von Elisabeth Menzel; Stephanie Schweigert