Die Mitleidsindutrie

Geschäftemacherei mit der Ethik


Von Klaus Fasold

Die Einstellung und die Erwartungen der Menschen in Deutschland – wie Studien immer wieder bestätigen – sind klar und eindeutig, sie verstehen unter Gesellschaftlicher Verantwortung die Entscheidung für Unternehmen, Produkte und gemeinnützige Organisationen die sich sozial, kulturell und ökologisch engagieren. Ethik ist für sie gleichbedeutend mit Moral und Werten, Verantwortung und Glaubwürdigkeit. Entsprechend groß ist die Enttäuschung, wenn man die Realität betrachtet.


Charity – Anspruch und Realität
Die traurige Wahrheit lautet leider: Charity hat in den letzten 50 Jahren nichts bewegt und wird es auch in Zukunft nicht. Noch immer sehen wir zu, wie alle vier bis fünf Sekunden in unserer Welt ein Kind stirbt, weil lebensrettende Helfer und Medikamente fehlen. Laut UN-Studie hat sich die Zahl von Kindern in Krisen-/Kriegsgebieten dramatisch erhöht – seit 2017 von jedem siebten auf jedes fünfte Kind, das entspricht weltweit 450 Millionen Kindern! Globale Probleme zeigen deutlich, wie unsere Wohlstandsgesellschaft (nicht) damit umgeht, keine Lösungen findet, schon gar nicht politische. Viele Organisation waren und sind in Skandale verwickelt, dazu einige Beipiele:

Millionenschwere Veruntreuungen von der AWO (Arbeiterwohlfahrt), vom bayrischen ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) und so weiter.

Wie der OXFAM-Skandal wieder einmal in böser Weise bestätigt hat – Sex
und Millionenbetrug!

Ein ähnlicher Skandal auch bei „Ärzte ohne Grenzen“ – 146 sexuelle
Übergriffe 2017!

WWF läßt Urwälder für „Bio“-Palmölanbau roden mit der Begründung „aber wir haben so 10 Prozent erhalten“.

NGOs lassen Hilfstransporte überfallen, um die Waren dann zu verkaufen.

Hunderttausende von Euros werden für Charity-Galas ausgegeben, die sich Promis teuer bezahlen lassen und dann auch noch First-Class in Slumgebiete reisen.

Haiti leidet 10 Jahre nach dem Erdbeben noch immer an den Folgen. Die Vereinten Nationen (UN) haben im Rahmen ihrer Militäreinsätze durch eigene Abwässer eine Wasserverseuchung verursacht.

Nach Afghanistan waren noch vor nicht allzu langer Zeit Abschiebungen erlaubt. Das Land galt als „sichere Region“. Das sollte die Kosten für Militäreinsätze rechtfertigen. Kein Wunder, dass NGOs dort auch als „Toyota Taliban“ bezeichnet werden.

In Somalia gibt es immer wieder vorhersehbare Hungerkatastrophen ohne präventive Massnahmen.

Aber es geht auch anders:
Beispiele sind Ärzteorganisationen wie German Doctors, AMREF, Interplast oder auch viele kleine Stiftungen und private Engagements.
Das Problem für die meisten Menschen ist: “Wie kann man zwischen „gut und böse“ unterscheiden?

Wie lässt sich vor diesem Gesamtszenario eine gesunde Kampfbereitschaft
für Veränderungen wecken, den Willen, für die eigene Überzeugung, aber
auch für andere Menschen etwas zu tun?
„Wir müssen uns wandeln: von Menschen, die die Antwort kennen, zu
Menschen, die die richtigen Fragen stellen“.

Die Perspektive entscheidet
Vielleicht als erstes Dinge mal anders, aus verschiedenen Perspektiven sehen und daraus Handlungen ableiten – oder wie es der Dalai Lama formuliert „nach den Prinzipien der rechten Anschauung und des rechten Handelns vorgehen“?
Die Möglichkeiten, die Welt und sich selbst auf diesem Weg neu zu entdecken sind mehr als vielfältig. Warum die Welt nicht immer nur aus dem eigenen, oft von Vorurteilen oder auch mangelndem Wissen geprägten Blickwinkel sehen, sondern vielmehr aus der Perspektive Anderer betrachten?
Die Erkenntnisse und vor allem die sich daraus ergebenden
Handlungsansätze wären bestens geeignet, sich selbst und die Welt zu
verändern. So sind – nicht nur – die Menschen vieler afrikanischer Länder es leid, mit fast kolonialistischer Überheblichkeit als die armen Afrikaner betrachtet zu werden, mindestens ebenso leid wie die vielen sinnlosen Charity-Aktivitäten, die sie dementsprechend über sich ergehen lassen müssen.


Mein persönliches Fazit:
Die einzige Chance liegt darin, dass die Menschen zurück finden zu ihren
Träumen, ihren Visionen und bereit sind dafür zu kämpfen.
Denn es ist nie zu früh und selten zu spät – oder
„Die Welt braucht keine neuen Maßnahmen, sondern neue Gesinnungen“
(Albert Schweitzer)