Da, wo keiner hin will

Seit mehr als zwanzig Jahren sind Klosterschwestern im rumänischen Braila präsent, um Kindern ein Umfeld zu bieten, das sie sonst nicht haben könnten. In einer von sozialer Not geprägten Umgebung ist das Kinderhaus eine Keimzelle der Hoffnung. Von Andrea Tichy.

Schon auf der Zugfahrt von Bukarest ins etwa drei Stunden entfernte Braila zeigt der Blick aus dem Fenster, dass hier etwas ganz anders ist, als in Deutschland: Agrar-Wüste, so weit das Auge reicht, keine Dörfer. Die Folgen des von dem ehemaligen Diktator Nicolae Ceaușescu in die Wege geleitete Dorfsystematisierungsprogramms, durch das kleine Ortschaften in agro-industrielle Zentren umgesiedelt wurden, sind hier schon allein durch den Blick durchs Zugfenster zu erkennen. Später werden die Schwestern im Kinderheim „Marieles Lächeln“ von den sozialen Herausforderungen in Familien berichten, die von Alkoholismus und Gewalt geprägt sind. Auch das sind Folgen der Ceaușescu-Ära. Denn der „Titan der Titanen“ verfolgte eine Fünf-Kinder-Politik, damit sein Volk von 19 Millionen Mitte der 1960er Jahre auf 30 Millionen im Jahr 2000 anwachse. Als „staatsterroristische Zerstörung sozialer Netze“ bezeichnet die Forschungsgesellschaft Flucht und Migration das Programm des Ceaușescu-Regimes, das 1989 ein gewaltsames Ende fand. Ceaușescu hinterließ ein grausames Erbe mit überfüllten Kinderheimen und vielen Straßenkindern ohne Schulbildung und Zukunftschancen.

Das Kinderhaus Marieles Lächeln

Die Zukunft der hier untergebrachten Kinder liegt den Schwestern des Instituts Clarisse Francescane Missionarie del Santissimo Sacramento besonders am Herzen. Die Mission des italienischen Ordens wurde 1996 eröffnet, einige Jahre nach dem Sturz des Ceauşescu-Regimes. Im Jahr 1998 durften die Schwestern in einer einfachen, kleinen Unterkunft acht Mädchen aus den Waisenhäusern der Stadt aufnehmen. Dann geschah ein kleines Wunder: Im Rahmen eines Gesangswettbewerbs für Kinderchöre, initiiert von einer franziskanischen Hochschule in Bologna und übertragen im italienischen Fernsehen, dessen Einnahmen jedes Jahr einem anderen Projekt zufließen stiftete ein anonymer Spender einen sehr hohen Betrag, der für den Bau eines Kinderheims. Nach der Begründerin dieser Aktion heißt das Haus „Marieles Lächeln“ – „Surâsul Marielei“. Das Kinderheim bietet heute Tageskindern ein geschütztes Umfeld, in dem sie sich entfalten können.
Das Haus „Marieles Lächeln“ zu erhalten, ist eine finanzielle Herausforderung. Der Betrag des großzügigen Spenders reichte gerade aus, um den freundlichen Bau zu errichten. Beim letzten Pflasterstein im Hof war das Geld aufgebraucht. Dennoch sind die Schwestern zuversichtlich: “Die Bank der Vorsehung wird nie pleite”, lautete der Leitspruch von Mutter Serafina, der Gründerin des Ordens.
Früher kamen aus Italien, dem Heimatland des Ordens, noch mehr Spenden. Seit Italien selbst wirtschaftliche Probleme hat, werden die Spenden von dort weniger. Dafür kommen Spenden aus anderen Ländern. Etwa aus der Frankfurter Dompfarrei, die freundschaftliche Beziehungen zur deutschsprachigen Schwester Angela pflegt. Als Schwester des italienischen Ordens der missionarischen Klarissen ist sie selbst viel in Rumänien, spricht beide Sprachen und fungiert als Bindeglied zwischen Spendern, die genau wissen möchten, wohin ihre Spenden fließen, und diversen Projekten in Rumänien.
Schwester Angela gehört zu den wenigen, die sich nicht davor scheuen, dorthin zu gehen, wo keiner hin will. Genau diese Intention lag hinter der Entscheidung ihrer Ordensfamilie, ausgerechnet in Braila ein Kinderhaus zu betreiben. In einem Ort, zwar an der Donau gelegen, aber weit weg von den sozialen Selbstverständlichkeiten in Italien oder Deutschland. Das Engagement des Kinderheims Marieles Lächeln scheint zwar wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch ist es eine Keimzelle der Hoffnung, die so viel mehr ist, als man sieht.

Spenden

Mit einem Euro lässt sich in Rumänien das Mehrfache als in Deutschland bewirken. Spenden entfalten hier also einen vielfachen Nutzen.

Spender, die auf das Konto der Dompfarrei Frankfurt einzahlen, erhalten eine Spendenbescheinigung fürs Finanzamt. Bitte dabei angeben: Stichwort „Marieles Lächeln“, Projekt-Nummer 915046

Bankverbindung:
Katholische Kirchen­gemeinde Dom St. Bartholomäus 
Frankfurter Sparkasse
IBAN DE37 5005 0201 0000 0180 02
BIC HELADEF1822

Bildnachweis: Titelbild, Sr. Angela Tauchen, Von links nach rechts: Schwester Nicoleta, Kandidatin Lina, Schwester Elisabetta und Schwester Angela