In Deutschland bezeichnen sich etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung als elektrosensibel und leiden unter Symptomen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Laut Aussagen des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) lässt sich kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Feldern und den Beschwerden nachweisen. Unsere Autorin beschreibt, wie ihre Tochter durch einen Blindtest von der Glaubwürdigkeit ihrer Beschwerden überzeugt wurde.
Ach wie schön sie ist – nein, nicht die Weihnachtszeit – ja, die natürlich auch! Aber ich meine die moderne Technologie, von der wir inzwischen zweifellos abhängig sind, die aber auch positive Neuerungen ermöglicht. Doch jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten und es gibt immer Vor- und Nachteile.
Ich werde ausgebremst durch WLAN, Bluetooth, Smartphone, Rasenroboter, E-Autos und dergleichen mehr. Warum? Meine Diagnose lautet EHS (Elektrohypersensibilität, als Krankheitsbild mittlerweile offiziell anerkannt).
Elektrohypersensibilitä (EHS) ist auch bekannt unter den Begriffen Elektrosensitivität oder elektromagnetische Hypersensitivität und bedeutet besondere Empfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Feldern (EMF). Die Beschwerden werden immer noch häufig als psychosomatisch oder „Kopfsache“ abgetan – im Volksmund eben Einbildung.
Was wäre ich glücklich, würde ich mir die Symptome nur einbilden! Dann könnte ich öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Kino, Theater, Konzerte und Weihnachtsmärkte besuchen, einen Stadtbummel machen oder einfach nur der Einladung zu einer Hochzeit oder Geburtstagsfeier folgen oder in den Urlaub fliegen. Ich reagiere auf elektromagnetische Felder oder Funkstrahlen (zum Beispiel eingeschaltetes Handy) mit Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schweißausbruch, Herzrhythmusstörungen bis hin zu Vorhofflimmern und Kreislaufversagen, was mir schon die Bekanntschaft von Notärzten einbrachte.
Aber Einbildung! Das muss es sein! So dachte zunächst auch meine Teenagertochter. Schließlich sind Funkstrahlen so unsichtbar wie Schallwellen. Diese allerdings kann man hören. Wobei die wenigen Menschen mit absolutem Gehör und manche elektrosensiblen Menschen gewisse Funkfrequenzen als Brummen wahrnehmen können oder als Tackern (so wie ich).
Mit unserem alten Auto fuhren wir nach Finnland, um in einer Ferienhütte im Wald Urlaub zu machen. Wasser und Strom waren vorhanden und auch WLAN konnte bei Bedarf eingeschaltet werden. Ohne mein Wissen traten auch ein (ausgeschaltetes) Handy und ein Laptop die Reise im Gepäck meiner Tochter an.
Nach einigen unbeschwerten, erholsamen Tagen traten bei mir plötzlich wieder die altbekannten Beschwerden auf wie Erschöpfung, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, etc. Das war mir völlig unerklärlich. Im Umfeld hatte sich nichts verändert…dachte ich. Die Beschwerden hielten unterschiedlich lange an. Manchmal wenige Minuten, manchmal eine halbe Stunde. Auch waren sie unterschiedlich intensiv und verschwanden dann wieder eine Zeit lang ganz. Fürsorglich fragte meine Tochter von Zeit zu Zeit:
„Wie geht es Dir im Moment?“
„Mama, wie geht es Dir jetzt?“
„Geht es Dir wieder besser?“
Irgendwann war ich genervt und wollte wissen, was die Fragerei denn soll?
Ihre Antwort: „Tatsächlich! Du merkst wirklich, wenn ich das Handy ein- oder ausschalte, wenn ich WLAN zuschalte oder Bluetooth oder den Laptop! Jedes Mal hast Du andere Symptome oder Verschlechterung oder Verbesserung beschrieben.“
So gestand sie mir den durchgeführten Blindtest und musste erkennen, dass meine körperlichen Reaktionen keine Einbildung sind. Von da an blieben WLAN und alle Geräte ausgeschaltet und ich konntemich erholen und den Urlaub genießen.






