St. Leonhards Akademie: Mutige Menschlichkeit

Die St. Leonhards Akademie hat es sich auf die Fahne geschrieben, Menschen zu ermutigen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Erlebte Geschichten auf ihrer Internet-Seite sollen Wege beschreiben, wie Heilung gelingen kann. Dadurch soll bei anderen die Fähigkeit zur Selbstheilung angeregt werden. Von Dr. Ellis Huber.

Der heilige Leonhard war ein bescheidener Mann. Die Bayern verehren ihn besonders und so gibt es dort jährlich mehr als 50 Leonhardi-Wallfahrten. Leonhard gilt als Schutzpatron der ans Bett gefesselten Kranken und der Gebärenden. Gefangene befreite er von ihren Ketten. Als Schutzherr aller Bauernanliegen sorgt St. Leonhard für das Wohl der Haustiere, insbesondere der Pferde, für gutes Wetter und ergiebige Ernten.
Der Heilige lebte um 500 nach Christus bei Limoges in Frankreich. Alles Gold und Silber, das König Chlodwig ihm schenken wollte, lehnte er ebenso ab, wie die Herrschaft über ein Bistum oder riesige Ländereien. Das solle der Regent den Armen und Notleidenden geben. St. Leonhard steht heute für individuelle Freiheit, soziale Verantwortung und couragierte Menschlichkeit.

Sehnsucht nach Verlässlichkeit
Diesen Werten ist auch die St. Leonhards Akademie verpflichtet. Die gemeinnützige Gesellschaft vernetzt Organisationen und Personen, fördert Aktionen und Projekte, die in unserer Gesellschaft für Menschlichkeit und verantwortungsbewusste Freiheit eintreten. Im Gesundheitswesen sehnen sich die Menschen nach Ärzten und Helfern, die verlässlich sind und Macht oder Geld nicht wichtiger nehmen als die Sorgen und Nöte der Menschen, die bei ihnen Hilfe suchen. Doch nicht nur die Gesundheitswirtschaft sollte den Menschen dienen. Ohne eine starke Gemeinwohlorientierung der Wirtschaft sind Gesellschaften auf Dauer nicht stabil, nachhaltig sicher, gesund und wachstumsfähig. Die St. Leonhards Akademie gestaltet ein Entwicklungsfeld mit, in dem die Menschen mit sich selbst, ihrer Mit- und Umwelt und mit der Natur ins Reine kommen. Die entsprechenden Themen wie lebendiges Wasser, gesunde Ernährung, Berufung und Sinn bei der Arbeit und im Leben oder individuelle wie soziale Gesundheit treffen den Nerv des gesellschaftlichen Wandels.

Ethische Grundlagen der Gesundheitsgesellschaft
Die Autorin Ilona Kickbusch beschreibt in ihrem Buch „Die Gesundheitsgesellschaft” die aktuellen Entwicklungen folgendermaßen: „Gesundheit wird allgegenwärtig, und das derzeitige Gesundheitswesen wird zum Nebenschauplatz, wenn es um die Gesunderhaltung geht. Es braucht daher eine neue Gesundheitspolitik, die diesen Namen verdient. Dabei geht es nicht nur um neue Strategien, sondern auch um eine Diskussion über die Werte und ethischen Grundlagen der Gesundheitsgesellschaft. Bürgerinnen und Bürger, Politik und Markt müssen auf neue Weise zusammenwirken, um nachhaltige Gesundheit zu ermöglichen.“
Kickbusch spricht von der Dritten Gesundheitsrevolution. Sie zeigt die Bedeutung der Gesundheitskompetenz auf und erkennt eine neue Verantwortung des Gesundheitsmarktes: Die Gesundheitskompetenz der Menschen in ihren sozialen Gemeinschaften fordert die Bildungssysteme heraus. Die St. Leonhards Akademie nimmt diese Herausforderung an. Es gilt Gesundheit neu zu thematisieren und zu reflektieren: nicht nur als Aufgabe der medizinischen Versorgung sondern auch als Organisation der Lebenschancen und der Lebensweisen unter den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen.

Heilende Vorstellungen entwickeln
Die Vorstellung von Heilung ist derzeit häufig mit der Annahme verbunden, dass jemand anderes das Rezept hat oder die Behandlung vornimmt, durch die Heilung stattfinden kann. Dieses Konzept ist nicht realistisch. Ärzte und Heilpraktiker, Therapeuten und Gesundheitshelfer können Wissen und Kompetenz in Heilungsprozesse einbringen. Damit Heilung aber gelingen kann, ist es notwendig, dass der kranke Mensch an seiner Genesung mitwirkt, also selbst seinen Weg findet und aufbricht. Nach der Diagnose einer schweren Erkrankung fragen sich die meisten Menschen, ob ihre Lebensführung zu ihrer Entstehung beigetragen hat. Selbst wenn sich schlüssig ein Zusammenhang herstellen ließe, wie beispielsweise zwischen Alkoholmissbrauch und Lebererkrankung, war die Erkrankung nicht als Folge des Verhaltens beabsichtigt. Gesundheitsschädliches Verhalten kann verschiedene Gründe haben. Jetzt geht es darum, verantwortlich zu handeln, für sich und die eigene Gesundheit zu sorgen. Schuldgefühle und Selbstvorwürfe blockieren den Heilungsprozess.
Heilsam und stärkend wirkt es, Vorstellungen vom Leben zu entwickeln, die sich auf das eigene Wohlbefinden und das im Leben bleiben beziehen. Die Selbstheilung wird dabei angeregt durch die Aussicht zufrieden leben zu können. Dabei geht es um die einfachen Sachen wie Selbstsorge: sich Zeit nehmen, für sich zu sorgen, sich den eigenen Bedürfnissen zuzuwenden, mit anderen gemeinsam Lebenszeit und Erlebnisse zu teilen.
In der akuten Phase eines Krankheitsverlaufes ist die Aktivität der anderen – wie Ärzte und Therapeuten – notwendig. Die erkrankten Menschen sind in diesem Prozess oft die passiven, die therapiert und angeleitet werden. Spätestens nach erfolgreicher Behandlung einer lebensbedrohlichen Störung oder im chronischen Verlauf einer Erkrankung wird das selbsttätige Handeln zunehmend wichtig, um das eigene Leben zu gestalten und die Fähigkeit zum Handeln für sich selbst wieder zu erlangen. Die Beraterinnen der St. Leonhards Akademie können dabei unterstützen.

Foto: Peter Doerfel

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Heilungsgeschichten

Die St. Leonhards Akademie möchte Menschen dazu ermutigen, Verantwortung für ihr Wohlbefinden und für ihre Gesundheit zu übernehmen. Mit ihrem Internetportal wendet sich die Akademie an Menschen, die Selbstheilung erfahren haben oder nach Selbstheilung suchen. Auf dieser Plattform können Menschen ihre erlebte Heilungsgeschichte erzählen, um andere Menschen zu ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Geschichten sollen zeigen: „So ist mir Heilung möglich geworden und gelungen.“ Dabei können sich die Erzähler bei der Aufbereitung ihrer Geschichte von den Experten der St. Leonhards Akademie helfen lassen und dann entscheiden, ob sie diese veröffentlichen möchten. Die Mitarbeiterinnen sind beruflich erfahren und ausgebildet in der psychosozialen Beratung von Menschen. Von der Heilung zu erzählen bedeutet, sich noch einmal der zurück gelegten Wege bewusst zu werden. Sie werden damit Bestandteil des Selbstbildes und ermöglichen eine abschließende Verarbeitung. Weitere Lebensziele werden mit klaren Vorstellungen von den eigenen Fähigkeiten entwickelt.
www.heilungsgeschichten.org

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Geschichten von geheilten Menschen

Buch-Tipps

Kurt Langbein
Weissbuch Heilung
Wenn die moderne Medizin nichts mehr tun kann
ISBN 978-3711000422
Verlag Ecowin 2014
22,95 Euro

Herbert Kappauf
Wunder sind möglich
Spontanheilung bei Krebs
ISBN 978-3451610073
Verlag Herder GmbH 2013
16,99 Euro

I. Kickbusch | S. Hartung
Die Gesundheitsgesellschaft
Konzepte für eine gesundheitsförderliche Politik
ISBN 9783456846750
Huber Verlag 2014
24,95 Euro